DIN feiert 75 Jahre NABau

Wiederaufbau - Globalisierung - Klimawandel: Normen und Standards bilden seit 75 Jahren die Grundvoraussetzung für die stetige Anpassung des Bauwesens an die aktuellen Herausforderungen der Zeit. Seit der Gründung des NABau am 13. Juni 1947 in Bad Pyrmont gestalten Expertinnen und Experten in vertrauensvoller Zusammenarbeit technische Standards für ein sicheres Bauen. Heute ist die Bekämpfung des Klimawandels eine der dringendsten gesellschaftlichen Aufgaben. Die notwendige Transformation des Bauwesens zu Klimaneutralität, Circular Economy und Digitalisierung ist ohne Normen und Standards nicht möglich. Der NABau bündelt das Fachwissen der in Deutschland am Bau Beteiligten und bringt es, über die nationale Normung hinaus, in die europäische und internationale Normung ein.

Ein Rückblick in Zahlen und Bildern

Sie möchten mehr über die letzten 75 Jahre des NABau erfahren? Unser digitaler Zeitstrahl informiert Sie umfassend zur Historie des NABau.


Transformation des Bauwesens im 21. Jahrhundert

2050: Europa wird als erster Kontinent klimaneutral. Ohne eine tiefgreifende und schnellvoranschreitende Transformation des Bauwesens auf den drei Feldern Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Digitalisierung können die Klimaschutzziele Europas nicht erreicht werden.

Mit dem im März 2022 veröffentlichten Vorschlag der überarbeiteten Bauproduktenverordnung greift die EU Kommission diese Aspekte direkt auf. In rund 400 Arbeitsausschüssen des NABau werden unter Beteiligung aller am Bau mitwirkenden Akteur*innen aufeinander abgestimmte Normen und Standards erarbeitet und bestehende Regeln angepasst mit denen die technische Voraussetzung zur Erreichung der anspruchsvollen Klimaziele Europas geschaffen werden.

Zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit vertritt DIN Deutschlands Interessen und bringt diese in die europäische und internationale Normung ein.

„Building Information Modeling bezeichnet eine kooperative Arbeitsmethodik, mit der auf der Grundlage digitaler Modelle eines Bauwerks die für seinen Lebenszyklus relevanten Informationen und Daten konsistent erfasst, verwaltet und in einer transparenten Kommunikation zwischen den Beteiligten ausgetauscht oder für die weitere Bearbeitung übergeben werden.“ (Definition „Stufenplan Digitales Planen und Bauen“)

BIM ist also eine Methode, die fach- und disziplinübergreifendes kooperatives Arbeiten ermöglicht, indem über eine gemeinsame Schnittstelle Informationen und Daten ausgetauscht werden können. Dabei arbeitet jeder Projektbeteiligte an einem eigenen Modell bzw. nutzt Informationen/Daten (eines Modells). Im Jahr 2015 wurde bei DIN der NA 005-01-39 AA „Building Information Modeling“ als Reaktion auf die Gründung des gleichnamigen CEN/TC 442 im Normenausschuss Bauwesen etabliert. Das Interesse war sehr groß und so dauerte es zwei Sitzungen, bis das Gremium mit 21 Mitarbeitern seine Tätigkeit aufnehmen konnte. Inzwischen hat BIM einen eigenen Fachbereich, den NA 005-13 FBR. Die nationalen Ausschüsse sowie die CEN- und ISO-Gremien und deren Zusammenhänge enthält folgende Übersicht: https://www.din.de/de/forschung-und-innovation/themen/bim/mitwirken-bei-bim

In den letzten 4 Jahren hat die Zahl der BIM-Normungsprojekte stark zugenommen und so wurden auch immer mehr Gremien (insbesondere bei CEN) gegründet, in denen die entsprechende Expertise gebündelt wurde. Um diese Entwicklungen aktiv zu begleiten, hat DIN die Erstellung einer Normungsroadmap BIM initiiert, die im November 2021 als Gemeinschaftsroadmap mit BIM Deutschland, buildingSMART Deutschland und VDI veröffentlicht wurde. (https://www.din.de/de/forschung-und-innovation/themen/bim/normungsroadmap-bim)

Die Themen Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) gewinnen auch im Bauwesen immer mehr an Bedeutung. Nicht zuletzt durch den Circular Economy Action Plan und Normungsaufträge der europäischen Kommission kann die Normung die Umstellung zu einem nachhaltigen und zirkulären Bauwesen intensiv vorantreiben. Die bisherigen und geplanten Aktivitäten in diesen Bereich sind vielfältig und umfassen sowohl Bauwerke als auch Bauprodukte. Alle horizontalen Arbeiten werden im NA 005-01-31 AA „Nachhaltiges Bauen“ gespiegelt.

Das Querschnittsthema wird auf europäischer Ebene im CEN/TC 350/SC 1 „Kreislaufwirtschaft im Bauwesen“ bearbeitet. Dieses gehört zum übergeordneten Technischen Komitee CEN/TC 350 „Nachhaltigkeit von Bauwerken“, welches horizontale Normen zur angewandten Ökobilanzierung erstellt.

Das CEN/TC 350/SC 1 entwickelt ebenfalls horizontale Dokumente zum Thema Circular Economy. Derzeit wird an einem Rahmendokument gearbeitet, welches die Begriffe und Definitionen sowie allgemeine Grundsätze festschreiben soll. Außerdem wird parallel eine Lückenanalyse durchgeführt um die Normungsbedarfe zu ermitteln und zu priorisieren.

Neben der horizontalen Normung und Standardisierung befasst sich z.B. auch der NA 005-53-51 AA „Abbrucharbeiten“ mit der Wiederverwendbarkeit von Baumaterialien die beim Abbruch entstehen.

Außerdem werden für einzelne Bauprodukte bereits Normen erstellt, welche einen Leitfaden für Nachhaltigkeit und Zirkularität von Bauprodukten bieten. Im Rahmen der laufenden Überarbeitung der Bemessungsnormen des Eurocodes, wurden in den aktuellen Entwurf zu DIN EN 1992-1-1 „Bemessung und Konstruktion von Stahlbeton- und Spannbetontragwerken – Teil 1-1: Allgemeine Regeln – Regeln für Hochbauten, Brücken und Ingenieurbauwerke“ auch Regeln für Tragwerke aus Beton mit rezyklierter Gesteinskörnung aufgenommen.

Die Eurocodes sind die europäischen Bemessungsregeln im Bauwesen. Es handelt sich um die Reihe EN 1990 bis EN 1999. Die Normenteile der sogenannten ersten Generation der Eurocodes wurden zwischen 2002 und 2007 veröffentlicht. Im CEN/TC 250 hat 2015 die Überarbeitung der ca. 5400 Seiten Normentext unter Mandat M/515 begonnen. Hauptziel bei dieser Überarbeitung ist die Vereinfachung der Anwendung für den Nutzer. Neue Themen werden ebenfalls ergänzt: Bemessung von Tragwerken aus Glas, aus Faserverbund-Kunststoffen und Bemessung von Membranen.

Im Zuge dieser Überarbeitung werden auch die Nationalen Anhänge überarbeitet – ca. 1200 Seiten.

Seit 2019 erscheinen ungefähr alle 6 Monate neue Entwürfe der überarbeiteten Eurocodes und ab 2022 werden die ersten fertiggestellten Überarbeitungen von CEN für die Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. In Deutschland ist mit der Normen-Veröffentlichung der ersten Pakete voraussichtlich ab 2023 zu rechnen.

Die Normenreihe DIN V 18599, Energetische Bewertung von Gebäuden - Berechnung des Nutz-, End- und Primärenergiebedarfs für Heizung, Kühlung, Lüftung, Trinkwarmwasser und Beleuchtung ist ein Beispiel dafür wie Normung den Klima- und Ressourcenschutz im Bausektor unterstützt. Hier werden abstrakten Rechtsbegriffe in technischen Regeln konkretisiert. Diese Normenreihe wird im Gebäudeenergiegesetz (GEG) als Nachweismethode in Bezug genommen.

Der NA 005-12-01 GA „Gemeinschaftsarbeitsausschuss NABau/FNL/NHRS, Energetische Bewertung von Gebäuden“ unterstützt die politischen Regelsetzer für die Energieeffizienz von Gebäuden in Deutschland mit der Erarbeitung des zur harmonisierten Bewertung erforderlichen fachübergreifend abgestimmten Normenrahmens.

Das Bauwesen spielt für die Erreichung von Klimaschutzzielen eine entscheidende Rolle. Neben den Klimaschutzpotentialen, die in neuer Gebäudetechnik und verbesserter Wärmedämmung zu finden sind, stecken in den Baustoffen große Potentiale zu Reduktion von Treibhausgasemissionen. Ein Beispiel hierfür ist die Betonbauweise, bei der viele Lösungsansätze zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen bereits heute realisierbar sind. Normung kann dazu beitragen, diese Lösungen in der Baupraxis zu etablieren und die Entwicklung zu einer klimafreundlichen Betonbauweise zu forcieren.

Der Fachbereich 07 „Beton- und Stahlbetonbau“ im DIN-Normenausschuss Bauwesen unterstützt bereits in zahlreichen Projekten das Ziel eine klimaneutralen Betonbauweise spätestens bis 2040 zu erreichen. Zu den dabei verfolgten Lösungsstrategien zählen u.a.:

  • Die Reduzierung des Betonverbrauchs, z.B. durch die Verwendung von Hochleistungsbetonen oder durch die Verhinderung von Überdimensionierungen von Betonbauteilen,
  • Die Reduzierung des Klinkeranteils im Zements durch Substitution, z.B. die Verwendung von Recyclingmehlen aus dem Betonrecycling als Hauptbestandteil im Zement,
  • Die Reduzierung des Zementanteils im Beton durch die Beimischung von anderen (Sekundär)-Rohstoffen, wie Flugasche aus Steinkohlekraftwerken oder Hüttensand aus der Stahlproduktion,
  • Die Verwendung von recyklierten Gesteinskörnungen, sofern diese regional in festgelegter Qualität verfügbar sind.

Pressemitteilung zum 75-jährigen Jubiläum des NABau.

Informationen zum Team und den Aufgaben der Geschäftsstelle.

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Zukunftssymposium Bau @ DIN-Konferenzzentrum
75-jähriges Jubiläum des NABau @ DIN-Konferenzzentrum