Presse

2021-06-01

Maßgeschneiderte Infos im BIM-Prozess

DIN EN 17412-1 trägt zu einem effizienteren Informationsaustausch im Building Information Modeling bei

© Hoda Bogdan / Adobe Stock

BIM (Building Information Modeling) hat viele Vorteile: Die für Planung, Bau, Betrieb und gegebenenfalls auch Rückbau eines Bauwerks genutzten digitalen Datenmodelle liefern den beteiligten Akteuren alle erforderlichen Informationen für ihre Arbeit. Herausforderung ist es jedoch, jedem Akteur ausschließlich die für seine Aufgabe relevanten Informationen zur Verfügung zu stellen – denn ein zu hoher Detailierungsgrad erschwert den Überblick.

Hier setzt die neue Norm DIN EN 17412-1 an: Sie führt den Begriff „Informationsbedarfstiefe“ (Level of Information Needs) ein und optimiert den Informationsaustausch-Prozess. Die Norm ersetzt das bestehende Konzept des Detailierungsgrades (Level of Detail, LOD), der die Geometrie und alphanumerische Informationen eines Objektes im BIM-Prozess, beispielsweise einer Tür, in Stufen beschreibt. Informationsbedarfstiefe ergänzt dieses Konzept zum einem um die Dokumentation und zum anderen durch die klare Zuordnung eines Zwecks, der Beteiligten, den Liefergegenstand und des Zeitpunktes. Anwender profitieren so von einem gezielteren Informationsaustausch. DIN EN 17412-1 „Bauwerksinformationsmodellierung – Informationsbedarfstiefe – Teil 1: Konzepte und Grundsätze“ richtet sich an alle, die den Lebenszyklus eines Bauwerks mitgestalten – Eigentümer, Planer, Fachhandwerker, Versicherer und andere.

Immer mit festem Bezug

Das bisherige System, den Informationsgehalt zu bestimmen, hat Schwächen: Der Detailierungsgrad (LOD) ist sehr komplex und vielschichtig aufgebaut. Er wird oft in PDF- oder Excel-Dateien definiert und muss manuell übertragen werden. Meist fehlt der Anwendungsbezug und der Detailierungsgrad bezieht sich auf große Zeitabstände. DIN EN 17412-1 optimiert den Informationsfluss: „Im Unterschied zu den klassischen LODs haben Informationsbedarfstiefen einen festen Bezug zu Anwendungsfall, Zeit und Teilnehmer, dadurch gibt es immer einen konkret definierten Kontext“, sagt Julien Beyer, BIM-Manager bei der S&P-Beteiligungs- und Managementgesellschaft und Experte im DIN-Arbeitskreis zum Datenaustausch bei BIM. „Die Geometrie-, Informations- und Dokumentationsanforderungen ermöglichen ein feingliedrigeres LOD-System, die einzelnen Akteure werden durch diese bessere Zuordnung entlastet“, erläutert Beyer.

Informationsgehalt je nach Anwendungsziel

Im BIM-Prozess ist ein effizienter Datenaustausch elementar, denn der Informationsgehalt steigt entlang der Planungs- und Ausführungsphase: aufsteigend vom Konzept über Vorplanung, Entwurf, Ausführungsmodell bis hin zum As-built-Modell (Modell für das Facility Management). Um zu beurteilen, wann welche Informationen im BIM-Prozess erforderlich sind, wird gemäß DIN EN 17412-1 unter anderem das Anwendungsziel betrachtet: Es klärt, wozu die Information benötigt wird – davon hängt schließlich die Informationsbedarfstiefe ab. Ist das Anwendungsziel beispielsweise, die Barrierefreiheit einer Tür zu prüfen, sind Standort, Position und Form des Türdrückers relevant. Andere Merkmale, wie der Herstellername und die Beschaffungskosten, werden in dem Fall nicht benötigt.

DIN EN 17412-1 „Bauwerksinformationsmodellierung –Informationsbedarfstiefe – Teil 1: Konzepte und Grundsätze“ liefert den Rahmen, um die Informationsbedarfstiefe festzulegen und definiert und unterteilt diese. Ein Kapitel zu Verifizierung und Validierung der Informationsbedarfstiefe rundet die Norm ab. Praktisch für Anwender: Der Anhang beschreibt eine mögliche Vorgehensweise, um die Informationsbedarfstiefe festzulegen. Unterschieden wird nach Meilenstein der Informationsbereitstellung – Vor-, Detail- oder endgültiger Entwurf – und zwischen unterschiedlichen Anwendungszielen, das kann beispielsweise die Visualisierung durch einen Architekten sein. Die Norm ist beim Beuth Verlag unter www.beuth.de erhältlich.

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