Koordinierungsstelle Umweltschutz

Hinweise für Normer

Für Normer gibt es eine Vielzahl an Hilfsmitteln zur Berücksichtigung von Umweltgesichtspunkten in der Normung. Hierzu zählen insbesondere Leitfäden und Checklisten, aber auch Umweltschulungsprogramme. Hilfe bei der Anwendung dieser Dokumente oder zur Berücksichtigung von Umweltgesichtspunkten in Normen allgemein können die verschiedenen internationalen oder nationalen Beratungsstellen geben.

Zur Förderung der Berücksichtigung von Umweltschutzaspekten in der Normung hat CEN mit dem im März 2010 verabschiedeten "CEN Approach on addressing environmental issues in product and service standards" verbindliche Vorgaben für CEN/TCs eingeführt.

Diese Seite gibt einen Überblick über

  • Leitfäden und sonstige Hilfsmittel, die den Erstellern von Normen zur Berücksichtigung von Umweltbelangen zur Verfügung stehen, insbesondere die Umweltcheckliste;
  • wichtige Gremien und Ansprechpartner (Beratungsstellen);
  • Umweltschulungsprogramme;
  • verbindliche Vorgaben zur Berücksichtigung von Umweltschutzaspekten (CEN Approach).

Leitfäden und sonstige Hilfsmittel Ausblenden

Sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene existiert eine Reihe von Leitfäden, die dem Normer zeigen, wie und warum Umweltaspekte in die Normung eingebracht werden sollten.

Ein übergreifender Umwelt-Leitfaden für alle Arten von Gremien ist der ISO Guide 64 "Guide for addressing environmental issues in product standards". Er wurde von 2004 bis 2008 in dem Technischen Komitee ISO/TC 207 "Umweltmanagement" überarbeitet und im August 2008 veröffentlicht.

Der CEN Guide 4 ist mit dem ISO Guide 64 identisch und kann von der CEN-Webseite kostenlos heruntergeladen werden. Seit Mai 2010 ist der Leitfaden als DIN SPEC 59 "Leitfaden zur Einbeziehung von Umweltgesichtspunkten in Produktnormen" auch auf Deutsch erhältlich. Ergänzungen zum CEN Guide 4 zu den Themen Umweltaspekte in Messnormen, Umweltaspekte in Dienstleistungsnormen und Anpassung an den Klimawandel sind in Arbeit.
Darüber hinaus existiert auf Europäischer und internationaler Ebene eine Reihe von Sektor-Leitfäden und Checklisten. Die Sektor-Leitfäden oder Checklisten enthalten in der Regel detaillierte Hinweise zu sektorspezifischen Umweltaspekten. Sie dienen zur Konkretisierung des generischen ISO Guide 64 für bestimmte Sektoren, Produktgruppen, Prozesse oder Materialien.

Folgende Sektor-Leitfaden und Checklisten liegen derzeit bei CEN und ISO vor:

  • Sektor-Leitfaden Gasversorgung (gas infrastructure) (CEN)
  • Sektor-Leitfaden Gasverwendung (gas utilisation) (CEN)
  • Sektor-Leitfaden Gesundheitswesen (healthcare) (CEN)
  • Sektor-Leitfaden Druckgeräte (pressure equipment) (CEN)
  • DIN EN 14717 "Schweißen und verwandte Prozesse - Umweltcheckliste" (CEN)
  • DIN EN 15530 "Aluminium und Aluminiumlegierungen - Umweltaspekte von Aluminiumerzeugnissen - Allgemeine Leitlinien für ihre Berücksichtigung in Normen" (CEN)
  • DIN-Fachbericht 54 "Umweltaspekte - Berücksichtigung in Produktnormen der Elektrotechnik" (IEC Guide 109)
  • DIN-Fachbericht CEN/TR 15353, Kunststoffe - Kunststoff-Rezyklate - Leitfaden für die Entwicklung von Normen für Kunststoff-Rezyklate
  • DIN-Fachbericht CLC/TR 62125, Umwelterklärung für TC 20 – Kabel und isolierte Leitungen
  • ISO 17422 "Plastics - Environmental aspects - General guidelines for their inclusion in standards" (ISO)

Die übergreifenden Leitfäden sind in DIN-Livelink zentral bereitgestellt. Als Mitarbeiter in DIN-Arbeitsgremien haben Sie auf die geschützten Dokumente in Livelink Zugriff. Die Sektor-Leitfäden finden Sie in englischer Sprache auf den Internetseiten des CEN-Environmental Helpdesk (EHD).

Umweltcheckliste Einblenden

Die Umweltcheckliste wurde ursprünglich bei CEN entwickelt und ist ein einfaches Werkzeug für ein Normungsgremium, um systematisch die Umweltaspekte eines zu normenden Produkts über den gesamtem Lebenszyklus des Produkts hinweg - von der Gewinnung der Rohmaterialien über die Herstellung und den Gebrauch bis hin zur Entsorgung - zu erfassen. Sie sollte so früh wie möglich im Erstellungsprozess einer Norm ausgefüllt werden und zusammen mit den Entwürfen verteilt werden. Die endgültige Norm wird in der Regel ohne die Checkliste veröffentlicht.

Die korrekt ausgefüllte und möglicherweise mit weiterführenden Kommentaren versehene Checkliste gibt jedoch dem Normen-Anwender einen guten Überblick über die in einer Norm behandelten Umweltaspekte eines Produkts. Daher ist es manchen Fällen möglich und auch sinnvoll, die Checkliste als Anhang in die endgültige Norm zu integrieren.

Im Zuge der Überarbeitung des ISO Guide 64 (Leitfaden für die Berücksichtigung von Umweltbelangen in Produktnormen) wurde auch die Checkliste überarbeitet und angepasst. Die aktuelle Version der Umweltcheckliste des CEN Guide 4 (identisch mit ISO Guide 64) finden Sie als Download in der rechten Spalte. 

Da die Checkliste als flexibles Instrument gedacht ist, kann sie auch den Bedürfnissen eines Gremiums oder Sektors angepasst werden. Dies gilt vor allem auch für Gremien, die keine oder nicht nur Produktnormen bearbeiten. Für Normen zu Prüf- und Analyseverfahren oder Dienstleistungen sind die vorhandenen Varianten nur eingeschränkt verwendbar. 

In manchen Fällen, wenn z. B. ein bestimmtes Produkt in mehreren separaten Normen beschrieben wird, bietet es sich an, die Checkliste für die gesamte Normenreihe auszufüllen.

CEN Approach Einblenden

Der CEN-Ansatz zur Berücksichtigung von Umweltgesichtspunkten in der Produktnormung (en: CEN approach on addressing environmental issues in product and service standards) wurde im Jahr 2008 durch CEN/SABE verabschiedet. Er beschreibt zum einen die Arbeitsabläufe, Instrumente, Elemente etc., die nötig sind, um Umweltgesichtspunkte in der europäischen Produktnormung besser zu berücksichtigten, zum anderen die Aufgaben und Rollen der verschiedenen Akteure.

Am relevantesten für die europäische Normung sind die im Dokument definierten Pflichten, die durch die Verabschiedung des „CEN-Ansatzes“ durch CEN/BT im März 2010 für alle Technischen Komitees und Projektkomitees bei CEN verbindlich sind. Diese „verpflichtenden Elemente“ umfassen:

  • die Behandlung von Umweltgesichtspunkten in den Geschäftsplänen Technischer Komitees bei CEN;
  • Aufnahme von Fragen zur geplanten Behandlung von Umweltgesichtspunkten in die Formulare für neue Projektvorschläge bei CEN (in bestehenden oder neuen Gremien);
  • Aufnahme von „Umweltgesichtspunkte“ als ständigen Tagesordnungspunkt auf Sitzungen von Technischen Komitees bei CEN;
  • regelmäßige Überprüfung der Namen und der Arbeitsgebiete von Technischen Komitees bei CEN, um sicherzustellen, dass Umweltgesichtspunkte nicht aus dem Arbeitsgebiet des Komitees ausgeschlossen werden.

Die KU-GS wirkt über ihre Leitungsfunktion im ENIS-Team, aber auch über die Beratung nationaler Gremien, auf die laufende Umsetzung des „CEN-Ansatzes“ und der „verpflichtenden Elemente“ ein.

Umweltschulungen Einblenden

Nach einer erfolgreichen Pilotphase ist die DIN-Umweltschulung seit 2014 Bestandteil des regulären, internen Schulungsprogramms von DIN. Die Schulung wird durch die Geschäftsstelle der Koordinierungsstelle Umweltschutz durchgeführt, die die Schulung selbst entwickelt hat, und vermittelt Grundlagen im Bereich Umweltschutz und Normung.

Die DIN-Umweltschulung besteht aus den Komponenten „E-Learning-Programm“, wofür das E-Learning-Programm von CEN herangezogen wird, und der „Praxisschulung“. Im Rahmen der DIN-Umweltschulung dient das E-Learning-Programm im Wesentlichen zur Vermittlung von Hintergrundinformationen, so dass bestimmte Kenntnisse für die Praxisschulung vorausgesetzt werden können. Im Gegensatz zur Praxisschulung ist es jedoch auch für externe Experten konzipiert und kostenlos auf der Homepage des CEN Environmental Helpdesk verfügbar.

Das E-Learning-Programm von CEN, das inzwischen auch in deutscher Sprache zur Verfügung steht, besteht aus fünf Modulen:

  1. Einleitung
  2. Ökologisches Denken
  3. Normen und Umwelt
  4. Hilfsmittel und Unterstützungsangebote
  5. Anwendung von Hilfsmitteln

Primäres Ziel der Praxisschulung ist es die Projektmanager/Teamkoordinatoren von DIN bei der Berücksichtigung von Umweltschutzaspekten in Normen zu unterstützen, insbesondere dort wo bereits verpflichtende Vorgaben bestehen. Sie besteht im Wesentlichen aus folgenden Komponenten

  • Aspekt 1 „Strategische Planung von Umweltaspekten“
  • Aspekt 2 „Inhaltliche Planung von Umweltaspekten“
  • Aspekt 3 „Formulierung von umweltbezogenen Festlegungen“

Aspekt 1 behandelt vornehmlich die Aktivitäten zur Berücksichtigung von Umweltaspekten von übergeordneten oder Lenkungsgremien. Hierunter fällt insbesondere die Vorstellung der bei CEN „verpflichtenden Elemente“, die teilweise auch auf internationaler und nationaler Ebene angewendet werden können. Aspekt 2 stellt im Wesentlichen die verschiedenen Hilfsmittel vor, die bei der Berücksichtigung von Umweltaspekten in Normen herangezogen werden können/sollten. Er ist primär auf die eigentliche Normenerstellung, also auf die Arbeitsgruppenebene, ausgerichtet. In Aspekt 3 werden verschiedene Arten von Umweltfestlegungen erläutert.

Die in den drei Aspekten vermittelten Kenntnisse werden mit einer Vielzahl von Beispielen aus bestehenden Normen unterlegt und in insgesamt fünf Übungen (z.B. Verfassen des Umweltabschnitts im CEN-Businessplan oder Ausfüllen der Umweltcheckliste), die sich zeitlich über die gesamte Schulung verteilen, vertieft.

Ergänzt werden die drei Aspekte durch einen Erfahrungsaustausch der Projektmanager/Teamkoordinatoren insbesondere zur Behandlung von Umweltaspekten auf nationalen Sitzungen sowie einer abschließenden Feedbackrunde.

Auch CEN bietet neben dem bereits erwähnten E-Learning-Programm regelmäßig kostenlose Schulungen für CEN-Experten und –Sekretäre in Brüssel an.

Beratungsstellen Einblenden

Beratungsstellen für Umweltfragen in der Normung können z. B.:

  • Ihre allgemeinen Fragen zum Umweltschutz beantworten,
  • Ihnen geeignete Umweltexperten vermitteln,
  • Ihnen Ansprechpartner auf europäischer oder internationaler Ebene nennen,
  • Sie bei der Anwendung von Umwelt-Leitfäden, Checklisten und anderen Instrumenten unterstützen,
  • Ihre Norm-Projekte oder Entwürfe auf Umweltaspekte prüfen,
  • Umwelt-Seminare für Ihre Bereiche oder Ausschüsse durchführen

Die wesentliche Umwelt-Beratungsstelle für den Normer ist in Deutschland die Koordinierungsstelle Umweltschutz (KU). Der DKE-Ausschuss K 191 "Umwelt und Nachhaltigkeit" hat im Bereich der Elektrotechnik eine ähnliche Koordinierungsfunktion, jedoch nicht in gleichem Umfang. 

Auf europäischer Ebene gibt es seit mehreren Jahren den "Environmental Helpdesk" (CEN/EHD), der nach Vorbild der KU aufgebaut wurde.