Modell der R-Strategien

Die Normungsroadmap Circular Economy orientiert sich an dem Modell der R-Strategien der Circular Economy. Diese Strategien finden auf verschiedenen Ebenen Anwendung und unterscheiden sich hinsichtlich der Tragweite ihrer Hebelwirkung.

R-Strategien der Circular Economy als Ausgangspunkt für die Gliederung der auszuarbeitenden Normungsbedarfe, sowie Strukturierung der Normenrecherche
© Vgl. 9R-Framework der UNEP (Details unten auf dieser Seite)

Alle R-Strategien haben zum Ziel, den Verbrauch von natürlichen Ressourcen zu reduzieren, sowie die Kreislaufführung von Materialien zu unterstützen. Sie systematisieren verschiedene Verwertungsstrategien in einer Hierarchie, ergänzen sich gegenseitig und koexistieren. Diese werden als Kerngerüst der Transformation hin zur zirkulären Wertschöpfung angesehen. 

Funktionen von Normung zur Unterstützung der R-Strategien

Traditionell bestanden die wesentlichen Ziele von Normen darin, Funktionalität, Sicherheit, Qualität und Kompatibilität von Produkten und Dienstleistungen sicherzustellen. Durch eine Konzentration auf Ressourcenschonung, Produktlebenszeitverlängerung, Wert- und Qualitätserhaltung sowie Abfallvermeidung, können Normen dazu beitragen, diesen Aspekten ein weit höheres Gewicht zu geben, als dies in der Vergangenheit der Fall war.

Normen können diese Ziele unterstützen
bspw. Normen zu Themen, wie:

  • Umweltgerechter Produktgestaltung (environmental conscious design, Design 4 Circularity) für alle Produktgruppen und Ressourcen (nicht nur Energie)
  • Modularer Designprinzipien für die Steigerung der Reparierbarkeit von Produkten
  • Reduktion von Produkt- und Materialvarianten (variety reduction) durch Konzentration auf Grundfunktionen von Produkten
  • Design 4 Circularity (z. B. Design 4 Repair, „Remanufacturing“ und „Recycling“)
  • Qualitätsklassen von Rezyklaten (unterstützt durch entsprechende Prüfverfahren)
  • Minimierung des Einsatzes oder völlige Ersetzung toxischer Substanzen
  • Entwicklung Digitaler Produktpässe mit Material- und Produktinformationen
  • Digitaler Plattformen, auf denen Informationen zu Materialien, Teilen und Produkten und zu deren Verfügbarkeit gespeichert werden

Als generelles Prinzip sollte in der Normenerarbeitung vermieden werden, Anforderungen in einer Weise festzulegen, die sinnvolle R-Strategien in späteren Phasen des Produktlebenszyklus einschränken oder behindern. Durch die Integration von Prinzipien der Circular Economy in betriebliche Geschäftsmodelle und Managementsysteme und die systematische Anwendung von Normen mit Indikatoren, Bewertungsmethoden und technischen Verfahren, die die Circular Economy unterstützen, können Normen und Standards dazu beitragen, schrittweise eine Transformation von Unternehmensprozessen und Netzwerken kooperierender Unternehmen zu einem höheren Grad an Zirkularität in Gang zu setzen.


Die im Zuge der Normenrecherche identifizierten Normen und Standards im Zusammenhang mit der Circular Economy, wurden in dieser Visualisierung thematisch nach den einzelnen R-Strategien geclustert.

Rethink (Überdenken): Eine systemische Sicht einnehmen, für Kreisläufe planen und designen (auch zirkuläre Systeme rund um das Produkt planen, inkl. Reverse Logistics), Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, bewusste Materialwahl für Kreisläufe (Substitution bedenklicher Stoffe, Materialinnovationen). Intensivierung der Produktnutzung (z. B. durch Product-as-a-Service, Wiederverwendungs- und Sharing-Modelle oder durch das Angebot, multifunktionale Produkte auf den Markt zu bringen)

Reduce (by design) (Reduktion (durch Design)): Implementierung eines Designs, das Zirkularität ermöglicht (Design for Circularity), Erhöhung der Effizienz bei der Herstellung oder Verwendung von Produkten durch den Verbrauch von weniger natürlichen Ressourcen und Materialien sowie Energie, Reduktion des ökologischen Fußabdrucks

Reuse (Wiederverwendung): Wiederverwendung eines Produkts, das noch in gutem Zustand ist und seine Funktion erfüllt (und kein Abfall ist), für denselben Zweck, für den es konzipiert wurde, möglicherweise nach einer Reparatur oder Wiederinstandsetzung (Refurbish)

Repair (Reparatur): Reparatur und Wartung eines defekten Produkts, damit es wieder benutzt werden kann mit seiner ursprünglichen Funktion

Refurbish (Instandsetzung/Aufarbeitung): Ein altes Produkt wiederherstellen und es auf den neuesten Stand bringen (auf ein bestimmtes Qualitätsniveau)

Remanufacture (Wiederaufarbeitung): Verwendung von Teilen eines ausrangierten Produkts in einem neuen Produkt mit der gleichen Funktion (und im Neuzustand) 2

Repurpose (Umnutzung): Verwendung eines überflüssigen Produkts oder seiner Teile in einem neuen Produkt mit anderer Funktion

Recycle (Recycling): Rückgewinnung von Materialien aus Abfällen zur Wiederaufbereitung zu neuen Produkten, Materialien oder Stoffen für den ursprünglichen oder einen anderen Zweck. Er umfasst die Wiederaufbereitung von organischem Material, nicht aber die Energierückgewinnung und die Wiederaufbereitung zu Materialien, die als Brennstoffe oder für Verfüllungsmaßnahmen verwendet werden sollen

Quelle Abbildung: Vgl. 9R-Framework der UNEP [United Nations Environment Programme (2019), www.unenvironment.org/circularity abgerufen am 27.09.2022, basierend auf Potting et al. (2017, p. 5) Circular.pdf ] (basierend auf Potting et al. (2017) [Denise Reike, Walter J.V. Vermeulen, Sjors Witjes (2017), The circular economy: New or Refurbished as CE 3.0? – Exploring Controversies in the Conceptualization of the Circular Economy through a Focus on History and Resource Value Retention Options,Resources, Conservation and Recycling, Volume 135, 2018 https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0921344917302756?via%3Dihub])