DIN Verbraucherrat

2020-06-30

Neues DIN-VR-Normprojekt „Mikroplastik in Lebensmitteln“

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Mikroplastik in Lebensmitteln ist ein Thema von medialer Präsenz. In der Öffentlichkeit und in der Wissenschaft wird eine mögliche gesundheitliche Gefährdung der Verbraucherinnen und Verbraucher durch einen möglichen Eintrag von Mikroplastik in die Nahrungskette intensiv diskutiert. Gemäß des Verbrauchermonitors des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) aus dem Jahr 2019 sind viele Verbraucher beim Thema „Mikroplastik in Lebensmitteln“ sehr beunruhigt, obwohl laut BfR nach dem derzeitigen Stand des Wissens nicht davon auszugehen ist, dass von Mikroplastik in Lebensmitteln gesundheitliche Risiken für den Menschen bestehen.  

Bislang ist nicht abschließend geklärt, welches die Haupteintragsquellen sind. Der direkte Eintrag aus der Umwelt weist durchaus ein hohes Potential auf, allerdings gibt es auch Belege, dass durch den Abrieb von Verpackungen Mikroplastik in Lebensmittel gelangen kann. Die potentielle Gefährdung von Mikroplastik in der Umwelt und in der Nahrungskette des Menschen verlangt nach einer geregelten Überwachung von Mikroplastik in Lebensmitteln. Um dies umzusetzen, müssen geeignete, gut umsetzbare und repräsentative analytische Methoden festgelegt, optimiert und validiert werden. Die unterschiedlichen Größen, Formen und Härten der Partikel, die verschiedenen Kunststoffsorten und die immense Anzahl an Lebensmittelmatrices, in denen das Mikroplastik nachgewiesen werden soll, stellen eine Herausforderung für die Wissenschaft und die Normung dar.

Vom DIN Normenausschuss Lebensmittel und landwirtschaftliche Produkte (NAL) wurden im Dezember 2018 ein Workshop und im Mai 2019 ein Folgeworkshop initiiert, um herauszufinden, ob Normungspotenzial besteht und welche Themen für die Normung geeignet sind. Als Ergebnis der Workshops wurden zunächst die Themenschwerpunkte „Prüfverfahren zur Bestimmung von Mikroplastik in Mineralwasser“ und „Prüfverfahren zur Bestimmung von Mikroplastik in Fisch und Meeresfrüchten“ festgehalten.

Zur Erarbeitung von Normen/Spezifikationen hinsichtlich analytischer Nachweismethoden von Mikroplastik in Lebensmitteln und zur Spiegelung von möglichen internationalen und europäischen Normungsarbeiten wurde im Dezember 2019 der neue Arbeitsausschuss „Bestimmung von Mikroplastik in Lebensmitteln“ (NA 057-08-05 AA) gegründet.

Im Arbeitsausschuss wurde damit begonnen, eine nationale Technische Spezifikation „Bestimmung von Mikroplastik in Lebensmitteln“ zu erarbeiten, mit dem Ziel, die vorhandenen Analysemethoden für Mikroplastikpartikel in Lebensmitteln zu beschreiben. Das Thema „Mikroplastik“ berührt nicht nur den Lebensmittelbereich, sondern auch andere Normenausschüsse bei DIN. Um die Kommunikation zwischen den Normenausschüssen sicherzustellen und so die Zusammenarbeit zu optimieren ist geplant, ein Koordinierungsgremium „Mikroplastik“ bei DIN zu etablieren. Dieses soll aus den Obpersonen bzw. den Arbeitskreisleitenden der teilnehmenden Gremien und bei Bedarf aus einzelnen Experten bestehen. Dieses soll selbst keine Normungstätigkeiten ausführen, sondern als eine Kommunikationsschnittstelle zwischen den Normenausschüssen eingesetzt werden. Das Koordinierungsgremium soll europäische und internationale Projekte bei DIN spiegeln.

Das bisherige Ziel der Normung basiert auf rein analytischen Nachweismethoden. Der DIN-Verbraucherrat beobachtet die Normungsaktivitäten, um über den Stand der Wissenschaft informiert zu sein und um erfahren zu können, ob eventuell zukünftig weitere Analysemethoden, über die Themenschwerpunkte „Fisch/Meeresfrüchte“ und „Mineralwasser“ hinaus, genormt werden sollen.

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