2021-08-02

Orientierung im öffentlichen Raum – Alltag verbunden mit Herausforderungen

Die neue Norm DIN 32989 trägt zur Mobilitätsunterstützung bei

Die Orientierung im öffentlichen Raum erfordert alle Sinne, sei es beim Einkaufen in der City oder Reisen in unbekannte Gebiete. Doch was, wenn nicht alle Sinne gleich gut ausgeprägt sind oder gar Einschränkungen bestimmter Sinnesorgane bestehen?

Um die soziale Teilhabe von blinden und sehbehinderten Menschen zu erleichtern, sind Vorrichtungen zur Mobilitätsunterstützung unabdingbar. Beispielsweise sind taktile Leit- und Orientierungskarten unter anderem ein praktisches Instrument zur Vermittlung von Standortinformationen, die für die Mobilität dieser Personengruppen notwendig sind.

Im August 2021 ist die neue Norm DIN 32989 „Barrierefreie Gestaltung - Informationsgehalt, Gestaltung und Darstellungsmethoden von taktilen Karten“ erschienen. Sie enthält grundlegende Spezifikationen hinsichtlich des Informationsgehalts, der Gestaltung und der Darstellungsmethoden von taktilen Leit- und Orientierungskarten, die Standortinformationen von Gebäuden vermitteln. Die Norm wurde auf der Grundlage der in Europa üblichen Symboliken, die u.a. im "Euro-Town-Kit" vereinbart wurden, und der ISO 19028 „Accessible design - Information contents, figuration and display methods of tactile guide maps“ entwickelt. Damit gelingt eine wichtige Vereinheitlichung, welche die neuen Techniken berücksichtigt.

Die DIN 32989 nennt u.a. Mindestmaße für die erfahrbaren taktilen Darstellungen. Diese Maße wurden erst nach ausführlicher Erprobung festgelegt, sodass die entsprechenden Darstellungen für die Mehrzahl der Menschen nutzbar sein sollten.

Die neue Norm beschreibt die Darstellungsmöglichkeiten mit vielen Symbolbeispielen, die zum Beispiel im aufbauenden farbigen UV-Direktdruck, im 3D-Druckverfahren oder im klassischen Thermoform-Tiefzieh-Verfahren mit Folien hergestellt werden können.

DIN 32989 zeigt u.a. die prägnante Darstellung des wichtigen Standortpunktes in Plänen, der Maßstabsleiste, der Nordrichtung sowie die Darstellungsweisen von Treppen, bei Fahrtreppen mit Anzeige der Richtung. Aufgenommen wurde auch die taktile Darstellung vom Aufzug, Türen mit verschiedenen Türblatt-Anordnungen. Für den Außenbereich werden Festlegungen für öffentlichen Personennahverkehr, Überquerungsstellen, Straßen, Gebäude, Wasser, Brücken, Brunnen und Parks gemacht.

Physikalische, topografische, politische Landkarten sind nicht Gegenstand der Norm, da für sie andere Gestaltungs- und Darstellungsmerkmale gelten.

Mit der Anwendung der Norm für taktile Orientierungspläne, taktile Grundrisse und Gebäudepläne wird es sehbehinderten und blinden Menschen ermöglicht, sich mit bekannter einheitlicher Symbolik zurechtzufinden. Für sehende Menschen ist das seit vielen Jahren eine Selbstverständlichkeit.

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