Presse

2026-07-07

Was bezahlbares Bauen jetzt braucht

Warum DIN Anpassungen im Rechtsrahmen unterstützt und die Baunormung bereits heute weiterentwickelt

Zwei Architektinnen schauen auf eine Bauskizze und Baumodell
© iStock: Halfpoint

Wie kann mehr bezahlbarer Wohnraum entstehen, ohne Sicherheit und Qualität zu gefährden? Mit dieser Frage beschäftigen sich die Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (ARGE) und das Institut für Bauforschung (IFB) in einem aktuellen Hintergrundpapier zur Baunormenkonferenz in Berlin am 8. Juli 2026. Ihr Befund: Bauen ist in den vergangenen Jahren deutlich komplexer geworden. Ursachen seien steigende Anforderungen an Gebäude, immer umfangreichere technische Regelwerke und deren rechtliche Wirkung. Die Autor*innen plädieren deshalb für mehr Flexibilität, eine stärkere Berücksichtigung der Folgekosten neuer Anforderungen und einen Rechtsrahmen, der unterschiedliche Baustandards rechtssicher ermöglicht. 

Bezahlbares Bauen ist auch für DIN ein zentrales Anliegen. Jetzt kommt es darauf an, die richtigen Hebel zu setzen: einen modernen rechtlichen Rahmen, eine konsequente Weiterentwicklung der Normung und die aktive Beteiligung aller relevanten Kreise. 

Mehr Flexibilität braucht den richtigen rechtlichen Rahmen 

Normen helfen dabei, Bauprojekte sicher, effizient und wirtschaftlich umzusetzen. Sie schaffen eine gemeinsame technische Grundlage für alle Beteiligten, von Herstellerinnen und Herstellern über Planende bis hin zu Bauunternehmen. Dadurch müssen technische Lösungen nicht für jedes Bauvorhaben neu entwickelt und abgestimmt werden. Das spart Zeit, vermeidet Fehler und schafft Planungssicherheit. 

Bauen ist in den vergangenen Jahren komplexer geworden. Dafür gibt es viele Gründe: gesetzliche Vorgaben, neue technische Möglichkeiten und gestiegene gesellschaftliche Erwartungen – etwa an Sicherheit, Energieeffizienz, Nachhaltigkeit oder Barrierefreiheit. Normen helfen dabei, diese Anforderungen praxistauglich und einheitlich umzusetzen. Sie konkretisieren technische Lösungen dort, wo sie gebraucht werden, und schaffen eine gemeinsame Grundlage für Planung, Bau und Anwendung. Damit unterschiedliche Anforderungen künftig noch passgenauer berücksichtigt werden können, braucht es mehr Flexibilität im Zusammenspiel von Recht und Normung. DIN unterstützt deshalb Initiativen wie den Gebäudetyp E. Ziel ist es, projektgerechte Lösungen rechtssicher zu ermöglichen, ohne Sicherheit und Gebrauchstauglichkeit von Bauwerken infrage zu stellen. 

Daniel Schmidt, Mitglied des Vorstands von DIN: „Wer bezahlbarer bauen will, braucht mehr Flexibilität. Bauprojekte sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie nutzen. Daher passt nicht jede Baunorm zu jedem Bauprojekt. Normen sollten kein Korsett sein, sondern einen Werkzeugkasten mit passgenauen Lösungen für unterschiedliche Anforderungen bieten. Dafür ist insbesondere der Gesetzgeber, der das Anforderungsniveau festlegt, gefragt: Wir brauchen neben Verantwortung der Planer und Bauunternehmen auch einen rechtlichen Rahmen, der mehr Spielräume eröffnet – etwa im Sinne des Gebäudetyps E. Gleichzeitig entwickeln wir die Normung konsequent weiter: mit Leistungsstufen und einer systematischen Folgekostenbetrachtung. So schaffen wir die Voraussetzungen für sicheres, wirtschaftliches und bezahlbares Bauen. Wer dieses Ziel unterstützt, muss sich in den Normungsprozess aktiv einbringen.“ 

DIN entwickelt die Baunormung bereits weiter 

Viele der heute diskutierten Reformansätze werden bereits umgesetzt. Seit Anfang 2025 werden bei neuen Baunormen systematische Folgekostenbetrachtungen durchgeführt. So lassen sich wirtschaftliche Auswirkungen frühzeitig erkennen und bereits im Normungsprozess berücksichtigen. Gleichzeitig entwickelt DIN-Leistungsstufen und Leistungsklassen dort weiter, wo unterschiedliche Anforderungen sinnvoll und technisch möglich sind. So entstehen passgenauere Lösungen für unterschiedliche Bauaufgaben. Normen sind kein starres System, sie werden kontinuierlich überprüft und aktualisiert, wenn sich technische, gesellschaftliche oder gesetzliche Anforderungen verändern.  

Praxisnähe entsteht durch Beteiligung 

Baunormen entstehen nicht im luftleeren Raum. Sie werden von den interessierten Kreisen gemeinsam erarbeitet. Im Bauwesen sind das unter anderem Hersteller, Bauunternehmen, Wohnungswirtschaft, Planungsbüros, Architektinnen und Architekten, Ingenieurinnen und Ingenieure, Handwerk, Wissenschaft, öffentliche Hand sowie Verbraucher- und Arbeitsschutz. Dabei gibt es nicht die Wirtschaft mit einer einheitlichen Interessenlage, denn die verschiedenen Akteure vertreten häufig unterschiedliche – und zum Teil gegensätzliche – Interessen. Genau deshalb reicht in der Normung eine Mehrheitsentscheidung nicht aus. Unterschiedliche Positionen werden so lange diskutiert, bis eine Lösung gefunden ist, die alle beteiligten Kreise mittragen können – auch wenn sie für den Einzelnen nicht in jedem Punkt die Wunschlösung ist. DIN entscheidet dabei nicht über die Inhalte einer Norm, sondern organisiert einen transparenten Prozess, in dem die unterschiedlichen Perspektiven zusammengeführt werden.

Jetzt mitgestalten 

Bezahlbares Bauen gelingt nur, wenn Politik, Recht und Normung zusammenspielen. DIN wird diesen Prozess gemeinsam mit allen beteiligten Kreisen weiter vorantreiben. 

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