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Kooperation oder Kontrollverlust
Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Plattformökonomien und geopolitische Spannungen verändern Wirtschaft und Gesellschaft in rasantem Tempo. Für Deutschland und Europa geht es dabei um mehr als technologische Anpassung. Es geht um Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und um die Frage, wer künftig Regeln setzt.
Gerade in dieser Situation steht auch die Normung unter Druck. Normen sichern Märkte, schaffen Vertrauen und ermöglichen Innovation. Doch dieses Fundament trägt nur dann weiter, wenn es sich selbst erneuert. Nationale Alleingänge greifen zu kurz. Zukunftsfähige Normung entsteht nur dort, wo Zusammenarbeit systematisch organisiert und strategisch geführt wird – national wie international.
Warum Zusammenarbeit heute entscheidend ist
Digitalisierung und KI: Ohne gemeinsame Grundlagen kein Fortschritt
Unternehmen erwarten heute digitale, vernetzte und maschinenlesbare Normeninhalte. SMART Standards, automatisierte Prozesse und konsistente Datenmodelle sind dafür keine Option, sondern Voraussetzung. Diese Transformation lässt sich nicht parallel und fragmentiert umsetzen. Ohne gemeinsame technische Grundlagen drohen Reibungsverluste, Doppelarbeit und der Verlust internationaler Anschlussfähigkeit.
Zunehmender Wettbewerb: Gestaltungsmacht entsteht nicht im Alleingang
Plattformanbieter und Big Tech treiben eigene Standards voran – schnell, interessengeleitet und global. Wer hier nur reagiert, verliert Einfluss. Ein starkes, koordiniertes Normungssystem ist die Voraussetzung, um verlässliche, konsensbasierte Regeln zu setzen. Deshalb bündelt DIN seine Kräfte mit internationalen Partnern wie ISO, IEC, CEN und CENELEC sowie mit nationalen Organisationen wie AFNOR und BSI. Ziel ist eine belastbare internationale Normungsarchitektur – und eine handlungsfähige europäische Position.
Entdecken Sie, welche Rolle Deutschland in der internationalen Normung einnimmt
Steigender politischer Druck: Erwartungen brauchen gemeinsame Antworten
Die Anforderungen an das Normungssystem steigen. Prozesse sollen schneller, inklusiver und möglichst frei zugänglich sein. Diese Erwartungen sind berechtigt – aber sie sind nur erfüllbar, wenn Verantwortung geteilt, Prozesse abgestimmt und Ressourcen gemeinsam genutzt werden. Zusammenarbeit ist hier kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung für Entscheidungsfähigkeit.
Erfahren Sie im Interview mit Sibylle Gabler, dass Modernisierung technische Normen braucht
Wie Zusammenarbeit wirksam wird: Drei Formen der Kooperation
1. Technische Kooperationen – gemeinsame digitale Grundlagen
Je stärker die technische Basis geteilt wird, desto stabiler und zukunftsfähiger wird das System. SMART Standards und die Open Standards Development Plattform entstehen durch enge internationale Abstimmung. Einheitliche Datenmodelle, konsistente Workflows und kürzere Entwicklungszeiten machen Normung schneller und anschlussfähig.
2. Strategische Kooperationen – das System aktiv steuern
Internationale Normung entwickelt sich nicht von selbst. Sie braucht Abstimmung, Prioritäten und klare Entscheidungen. DIN bringt sich deshalb aktiv in zentrale europäische und internationale Gremien ein – etwa im ISO Technical Management Board (TMB) oder im CEN Technical Board (BT). Hier wird entschieden, wie Normung effizienter, digitaler und wirksamer wird.
3. Fachliche Kooperationen – Verantwortung für Zukunftsthemen übernehmen
Ob Klimaschutz, KI oder digitaler Produktpass: Die großen Transformationsthemen lassen sich nur gemeinsam bearbeiten. Internationale Formate und gemeinsame Positionen – etwa im Kontext globaler Konferenzen – zeigen, wie Normung konkrete Beiträge zu gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen leisten kann.
Zusammenarbeit entscheidet über Zukunftsfähigkeit
Die Normung steht an einem Wendepunkt. Wer Regeln setzen will, muss heute kooperieren – und zugleich handlungsfähig bleiben. Entscheidend ist, ob Zusammenarbeit nicht nur beschworen, sondern konsequent organisiert und geführt wird.
DIN übernimmt dabei Verantwortung: als Impulsgeber, als Ordnungsinstanz und als verlässlicher Anker in einem internationalen Normungssystem. Denn wer Normung gemeinsam gestaltet, sichert nicht nur Effizienz, sondern Gestaltungsmacht.