DIN Verbraucherrat

2020-06-30

Neues DIN-VR-Normprojekt „Tabakerhitzer“

© Kinga-Szalay

Weil die Umsätze mit klassischen Zigaretten Jahr für Jahr abnehmen, versuchen Tabakkonzerne mit alternativen, vermeintlich gesünderen Raucherprodukten wie E-Zigaretten und Tabakerhitzern Geld zu verdienen. Tabakerhitzer sind seit etwa drei Jahren im deutschen Markt vertreten.

Beim Tabakerhitzer wird wie bei einer herkömmlichen Zigarette Tabak verwendet, allerdings wird er nicht bei ca. 800 Grad verbrannt, sondern nur auf ca. 350 Grad erhitzt. Ein Tabakerhitzer besteht in der Regel aus einem Holder, in den der Konsument einen Tabakstick einsetzt. Nach dem Einschalten des Geräts wird der im Stick enthaltene Tabak erhitzt. Daraufhin kann der Benutzer an dem Mundstück ziehen und den Dampf ein- und ausatmen wie bei einer klassischen Zigarette. Ein Stick entspricht von der Anzahl möglicher Züge etwa einer herkömmlichen Zigarette. Je nach Hersteller liegen die Kosten für eine Packung Tabaksticks in etwa bei denen einer Schachtel normaler Zigaretten. Für das akku- oder batteriebetriebene Gerät fallen weitere Kosten von circa 100 Euro an.

Da Tabakerhitzer noch nicht so lange am Markt vertreten sind, fehlen dementsprechend Langzeitstudien, welche Aussagen über die Langzeitwirkungen auf die Gesundheit geben können. Einige Studien weisen darauf hin, dass weniger Schadstoffe freigesetzt werden als beim Rauchen von Zigaretten. Aus diesem Grund werden diese sogenannten Next-Generation-Produkte als vermeintlich gesündere Alternativen zu Tabakzigaretten beworben. Zu Schadstoffen des Aerosols und zu möglichen Gesundheitsgefahren liegen derzeit vor allem Herstellerstudien vor, die wegen des bestehenden Interessenskonflikts kritisch betrachtet werden müssen, und nur wenige unabhängige Untersuchungen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatte Anfang 2019 über DIN bei ISO einen Normungsantrag zur analytischen Bestimmung von chemischen Komponenten in Aerosolen und Verbrauchsmaterialien von Tabakerhitzern gestellt. Der Antrag wurde auf ISO-Ebene angenommen. Ende 2019 wurde daraufhin die internationale Arbeitsgruppe ISO/TC 126/WG 22 „Tobacco heating systems“ und bei DIN das zuständige nationale Spiegelgremium NA 057-04-01-06 AK „Tabakerhitzer“ gegründet.

Der DIN-Verbraucherrat hat das Norm-Projekt zur Beobachtung in sein Arbeitsprogramm aufgenommen, um Informationen erhalten und erfahren zu können, wann zukünftig über die Analysemethoden hinausgehende verbraucherrelevante Ziele, beispielsweise hinsichtlich der Anforderungen an Verbraucherinformationen, aufgenommen werden. Das bisherige Ziel der Normung basiert aktuell auf reinen Nachweismethoden. Falls Sie entsprechende Expertise  zum Thema „Tabakerhitzer“ haben und Interesse an einem Informationsaustausch mit der VR-Gst. haben sollten, können Sie uns gerne kontaktieren.

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