DIN Verbraucherrat

2017-09-29

Interview mit dem ehrenamtlichen Verbraucherratsvertreter Herrn Kuretschka

Der DIN-Verbraucherrat möchte an dieser Stelle den ehrenamtlichen Mitarbeitern die Möglichkeit geben, ihre persönliche Motivation, Sichtweisen und Erfahrungen im Zusammenhang mit der ehrenamtlichen Arbeit für den DIN-Verbraucherrat in der Normung vorzustellen. Wir haben dazu die Form eines Interviews gewählt und freuen uns, diese Reihe mit Herrn Franz Kuretschka aus Stuttgart fortzusetzen.

Neuer InhaltHerr Kuretschka war viele Jahre in der amtlichen Lebensmittelüberwachung am Regierungspräsidium Stuttgart und im Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart (CVUA Stuttgart) mit Sitz in Fellbach als Lebensmittelchemiker tätig. In dieser Zeit hat er als Experte in vielen DIN-Arbeitsausschüssen der Lebensmittelhygiene mitgearbeitet und war auch als Arbeitskreisleiter tätig. Seit seinem Ruhestand vor drei Jahren engagiert sich Herr Kuretschka als ehrenamtlicher Verbraucherratsvertreter, unter anderem in den Normungsarbeiten zu „Haushaltswasserfiltern“ und „Getränkeschankanlagen“.

Verbraucherrats-Geschäftsstelle (VR-Gst.): Herr Kuretschka, was war Ihre Motivation für Ihre ehrenamtliche Tätigkeit im Verbraucherrat?
Herr Kuretschka: Im Rahmen der Amtlichen Lebensmittelüberwachung am CVUA Stuttgart wurde ich vor vielen Jahren in einen Fachausschusses der Deutschen Lebensmittelbuchkommission berufen. Zusammen mit Verbrauchervertretern der Verbraucherzentrale Stuttgart und des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv) haben wir darin gemeinsam große Ziele für den Verbraucherschutz erreicht. Diese Art der interdisziplinären Zusammenarbeit war und ist für mich auch heute noch in der Normungsarbeit sehr motivierend.

VR-Gst.: Gibt es aus Ihrer Sicht Herausforderungen für die Verbrauchervertretung? Wenn ja, erläutern Sie uns diese bitte kurz.
Herr Kuretschka: Eine sehr spezielle Herausforderung für uns DIN-VR-Experten könnten zukünftige Normungsvorhaben für Lebensmittel und Bedarfsgegenstände im zunehmenden Onlinehandel sein. Hier gilt es, die Verbraucherinteressen gegenüber den Handelsinteressen mancher Kreise der Wirtschaft ausreichend gut zu vertreten. Es ist davon auszugehen, dass die Inhalte zukünftig weniger in Normen, sondern verstärkt in DIN Spezifikationen (DIN SPEC) beschrieben werden, um die Erarbeitungszeit zu verkürzen. Ein aktuelles Beispiel ist hier die gerade gestartete Arbeit an einer DIN SPEC zur Beschreibung eines Temperaturkonzepts für den Lebensmittelonlineversand. 
Bei der Erarbeitung von DIN-Spezifikationen ist die Beteiligung von ausreichenden Vertretern für den Verbraucherschutz im Gegensatz zur Normungsarbeit erschwert, weil dafür von allen Mitarbeitern eine Kostenbeteiligung gefordert wird. Nur wenn die Kostenbeteiligung von den übrigen Mitarbeitern freiwillig mitfinanziert wird, kann die Verbraucherseite Ihre Meinung mit einbringen.

VR-Gst.: Was schätzen Sie an der Arbeit für Verbraucher?
Herr Kuretschka: Normen können nicht nur in den Lebensmittelbetrieben angewendet werden, sie können auch von den Lebensmittelkontrolleuren zur Überprüfung der Hygienemaßnahmen in den Betrieben zum Einsatz kommen.
Durch die verbraucherseitig, konstruktive Mitarbeit in der Normung kann es gelingen, dass einzelne Maßnahmen für den gesundheitlichen Verbraucherschutz besser in den Normen verankert werden und somit zur Erhöhung der Lebensmittelsicherheit führen.

VR-Gst.: Was schätzen Sie an dem Normungsseminar und der VR-Expertengruppe im Bereich Lebensmittel?
Herr Kuretschka: Mit dem Normungsseminar des DIN-Verbraucherrats und der VR-Expertengruppe „Lebensmittel“ wurden die Möglichkeiten geschaffen, möglichst viele Experten auf den aktuellen Wissensstand im Normungsgeschehen zu bringen. Auch können sich die Verbraucherratsvertreter über Ihre Arbeiten in den nationalen und internationalen Normungsgremien austauschen und so einiges von den Erfahrungen der anderen Experten lernen. Ich nehme für meine VR-Arbeit dabei immer sehr viel mit. Neben den Inhalten einzelner Fachbeiträge aus der Ausschussarbeit sind für mich die dargestellten Lösungswege sowie die Hinweise zur aktuellen Rechtsetzung von besonderem Interesse und konkretem Nutzen für die eigene Normungsarbeit. Auch die Pausen und die gesellige Abendveranstaltung bieten die Gelegenheit sich über die Normungserfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen.

VR-Gst.: Wie können Ihrer Meinung nach ehrenamtliche Verbraucherratsvertreter die Öffentlichkeitsarbeit des DIN-Verbraucherrates unterstützen?
Herr Kuretschka: Letztes Jahr hat der DIN-VR mit dem vzbv Presseinformationen zum kritischen Normungsprojekt „Natürliche Lebensmittelzutaten“ veröffentlicht. Zuvor haben sich die VR-Lebensmittelexperten in der Expertengruppe über das Projekt intensiv ausgetauscht und die Inhalte kritisch beurteilt. Die abgestimmte Meinung wurde dem DIN-VR vorgestellt, welcher daraufhin entschieden hat, die kritische Verbraucherposition in Zusammenarbeit mit dem vzbv zu veröffentlichen. Ich finde, dies ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie die Verbraucherratsvertreter die Öffentlichkeitsarbeit des DIN-VR unterstützen können.

VR-Gst.: Voraussichtlich Mitte 2018 wird die DIN EN 17093 zum Thema „Haushaltswasserfilter“, bei der Sie die Verbrauchermeinung eingebracht haben, erscheinen. Können Sie bitte kurz erläutern, welchen Nutzen die Europäische Norm für die Verbraucher liefern wird?
Herr Kuretschka: Beim letzten Test der Stiftung Warentest scheiterten die Haushaltswasserfilter vor allem an der Hauptaufgabe, die Wasserhärte zu verringern. Bei Anwendung der zukünftigen DIN EN 17093 sollte dies kein Problem mehr darstellen. Aus Verbrauchersicht waren zudem die Anforderungen an die Bedienungsanleitung und an den sicheren Umgang und sachgerechten Einsatz der Haushaltswasserfilter wichtig. Beispielsweise sollten die Hersteller darauf hinweisen, dass Verbraucher den Filter regelmäßig auswechseln und diesen nicht über die angegebene Laufzeit verwenden. Werden die Filter über die Laufzeit hinaus genutzt, können vermehrt Keime und Schadstoffe ins Wasser gelangen. Somit wäre der Zweck der Nutzung eines Tischwasserfilters nicht mehr gegeben. Darüber hinaus beschreibt die Europäische Norm umweltschonende Prüfverfahren und Parameter zur Reduzierung des Gehalts bestimmter chemischer Stoffe und Metalle wie Kesselstein, Chlor, Nitrat, Kupfer und Blei. Auch mikrobiologische Prüfverfahren und Anforderungen zur Reduzierung geruchlich und geschmacklicher negativer Eigenschaften sind darin festgelegt worden. Nach der DIN EN 17093 kann somit überprüft werden, ob diese Stoffe tatsächlich in sinnvoller Menge durch den Filter zurückgehalten werden. Der sachgerechte Einsatz von Haushaltswasserfiltern soll schließlich das Wasser optimieren und nicht verschlechtern.

VR-Gst.: Herr Kuretschka, ich danke Ihnen für dieses Gespräch!

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