DIN Verbraucherrat

2020-03-31

Interview mit dem ehrenamtlichen Verbraucherratsvertreter Herrn Dr. Thomas Reiche

Der DIN-Verbraucherrat möchte an dieser Stelle den ehrenamtlichen Mitarbeitern die Möglichkeit geben, ihre persönliche Motivation, Sichtweisen und Erfahrungen im Zusammenhang mit der ehrenamtlichen Arbeit für den DIN-Verbraucherrat in der Normung vorzustellen. Wir haben dazu die Form eines Interviews gewählt und freuen uns, diese Reihe mit Herrn Dr. Thomas Reiche aus Saulheim fortzusetzen.

Bild von Dr. Thomas Reiche

Herr Dr. Thomas Reiche ist Fachtierarzt für Lebensmittelhygiene und Fachtierarzt für Öffentliches  Veterinärwesen im Ruhestand. Er begann seine Tätigkeit als ehrenamtlicher Verbrauchervertreter für den DIN-VR im Jahr 2016 im NA 057-02-01-13 AK „Sahneaufschlagmaschinen“ sowie NA 057-02-01-15 AK „Speiseeismaschinen“.

Er verfügt über langjährige Erfahrungen in der Normungsarbeit und ist u. a. Vorsitzender in den Arbeitskreisen „Außer-Haus-Verpflegung/Temperaturen für Lebensmittel“, „Rückstellproben in der Gemeinschaftsverpflegung“, „Reinigung und Desinfektion“ sowie Projektleiter für die Normung von "Lebensmittellieferungen an Endverbraucher (insbesondere Onlinehandel)" und Mitglied im Arbeitsausschuss Lebensmittelhygiene.


Verbraucherrats-Geschäftsstelle (VR-Gst.): Was war Ihre Motivation für Ihre ehrenamtliche Tätigkeit im DIN-Verbraucherrat?
Herr Dr. Reiche: Der Verbraucherschutz begleitet mich schon mein gesamtes Berufsleben. Der Endverbraucher ist selbst machtlos, also schutzbedürftig.

VR-Gst.: Wie erarbeiten Sie Ihre Standpunkte zu normungsrelevanten Fragen?
Herr Dr. Reiche: Zum einen mit dem Fachwissen aus 35 Berufsjahren in der Lebensmittel-überwachung und 10 Jahren in der Hygienekommission des Bundesinstitutes für Risikobewertung, zum anderen durch das tägliche Leben als Verbraucher.

VR-Gst.: Was schätzen Sie an der Arbeit für Verbraucher?
Herr Dr. Reiche: Wir müssen uns stets und immer mehr darum bemühen, gegen Gewinnmaximierung zu Lasten von Lebensmittelsicherheit und Wahrung der guten Lebensmittelqualität in Deutschland zu arbeiten.

VR-Gst.: Gibt es aus Ihrer Sicht Herausforderungen für die Verbrauchervertretung? Wenn ja, erläutern Sie uns diese bitte kurz.
Herr Dr. Reiche: Ich kann nur für den Bereich der Lebensmittelhygiene sprechen. Hier haben wir mit dem jüngsten Normungsprojekt zum Lebensmittel-Onlinehandel ein wichtiges Projekt gestartet, da sich hier zu viele Händler ohne Sach- und Fachverstand neben den großen etablierten Firmen am Markt zeigen, deren unqualifizierter Umgang mit Lebensmitteln die Kunden gefährden können.

VR-Gst.: Gab es ein besonderes Highlight/Erfolgserlebnis bei Ihrer Arbeit an Ihrem Thema im Ausschuss?
Herr Dr. Reiche: Ich bin jedes Mal, wenn wir eine Norm fertig haben erleichtert, weil wir im Konsens etwas Gutes geschaffen haben. Aber ich empfinde da kein persönliches Glück eher Zufriedenheit.

VR-Gst.: Wie beurteilen Sie das jährlich stattfindende Normungsseminar und die Expertengruppe „Lebensmittel“ des DIN-Verbraucherrates?
Herr Dr. Reiche: Jede Form von Teamforen ist wichtig, um über den eigenen fachlichen Tellerrand hinweg zu schauen und sich mit in die Diskussion einbringen zu können. Die Darstellung eigener Arbeit dient der wichtigen Reflexion, es richtig zu machen.

VR-Gst.: Wie funktioniert die Rückkopplung mit der Verbraucherrats-Geschäftsstelle in Detailfragen?
Herr Dr. Reiche: Wenn es Abstimmungsfragen gibt, ist es völlig unkompliziert, diese mit den hauptamtlichen MitarbeiterInnen in der Verbraucherrats-Geschäftsstelle zu klären. Die Geschäftsstelle unterstützt stets sehr gut!

VR-Gst.: Haben Sie Tipps zur Arbeit in den Normenausschüssen für andere ehrenamtliche Mitarbeiter?
Herr Dr. Reiche: Man kann nur durch Fachkompetenz und Beharrlichkeit die Ziele erreichen. Aber man muss auch eigene Rückfallgrenzen vorher definieren und sich bei der Konsensfindung ergebnisorientiert energisch einbringen.

VR-Gst.: Wie können Ihrer Meinung nach ehrenamtliche Verbraucherratsvertreter/innen die Öffentlichkeitsarbeit des DIN-Verbraucherrates unterstützen?
Herr Dr. Reiche: Tue Gutes und rede darüber. Die meisten von uns haben ja auch ein berufliches Netzwerk und Kontakte zu Fachverlagen. Hier kann man die Inhalte der Normung im Detail veröffentlichen und in schwierigen Fragen auch mal die Unterstützung anderer Fachleute erbitten.

VR-Gst.: Empfinden Sie die Arbeit per Web-Meeting oder Telefonkonferenz als Erleichterung?
Herr Dr. Reiche: Nein, auf keinen Fall. Es ist zwar ab und an aus verschiedenen Gründen erforderlich, aber es ist wesentlich anstrengender als in einem Raum mit allen zusammen zu sitzen. Ich habe auch als Leiter verschiedener Arbeitskreise festgestellt, dass wir bei Telefonkonferenzen nicht so effektiv sind und häufig in nachfolgenden Sitzungen Nachbesserungen machen.

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