DIN Verbraucherrat

2016-12-23

Europäische Norm DIN EN 16889 zu Heißgetränkebereitern

Im Oktober 2016 wurde die Europäische Norm DIN EN 16889 „Herstellung und Abgabe von Heißgetränken aus Heißgetränkebereitern — Hygieneanforderungen, Migrationsprüfung“ veröffentlicht

Frischer Kaffee aus dem Automaten
© Winston / Fotolia

Diese europäische Norm, die auf der deutschen Norm DIN 10531 und der italienischen Norm UNI 11460 basiert, legt allgemeine hygienische Anforderungen an die Konstruktion, die Werkstoffe und das Betreiben von Heißgetränkebereitern fest. Sie enthält Anforderungen zum hygienischen und fachgerechten Betrieb, zur Reinigung, Desinfektion, Entkalkung und insbesondere Anforderungen an einen Migrationstest. Unter die Norm fallen alle Kaffee- und Espressomaschinen, seien es   Kaffeevollautomaten, Siebträgermaschinen, Automaten mit Kapseln, Pad oder Filter. Aber auch Geräte, die heißen Tee, Kakao und Milchgetränke zubereiten. Nicht nur die gewerblichen Maschinen, auch Geräte für den häuslichen Gebrauch und zur Selbstbedienung werden mit erfasst.

Das Kernstück der europäischen Norm ist die Migrationsprüfung. Sie beschreibt ein Prüfverfahren mit dem Ziel, dass keine unzulässigen Schadstoffmengen für Blei und Nickel in das Heißgetränk übergehen können. Im Jahr 2007 fielen einige Kaffeemaschinen mit stark überhöhten Blei- und Nickelwerten negativ auf. Damals hatte das Chemische Veterinäruntersuchungsamt in Stuttgart Auffälligkeiten festgestellt. Dies führte zur Erarbeitung der deutschen Norm DIN 10531, bei der Hersteller vor allem von Kaffeemaschinen, Überwachungsbehörden und DIN-Verbraucherrat Anforderungen an die Hygiene und an die Migration festlegten. Da Nickel und Blei auch aus anderen Quellen über die Nahrung aufgenommen werden, hat der DIN-Verbraucherrat sich stets für eine möglichst geringe Nickel- und Bleiabgabe eingesetzt. Auch leicht, verständliche Inhalte in der Bedienungsanleitung waren wichtige Verbraucheraspekte. Die DIN 10531 aus dem Jahr 2011 wurde im deutschen Markt gut angenommen und hat dazu geführt, dass die Blei- und Nickelabgabe in das Getränk stark verringert wurde. Die Norm hat dazu geführt, dass die Schadstoffbelastung verringert wurde. Die Stiftung Warentest hat seither kaum Beanstandungen in der Schadstoffüberprüfung feststellen können. In den letzten zwei Tests wurden von 20 getesteten Geräten 2 Geräte bei der Schadstoffprüfung mit befriedigend und ein Gerät ausreichend bewertet. Alle übrigen Geräte wurden mit sehr gut bewertet (Ausgaben 12/2014 und 12/2016). In den Jahren bis 2010 zurück gab es keine Beanstandungen.

Nach den positiven Erfahrungen hatte das deutsche Gremium eine europäische Norm angestrebt und ein beschleunigtes Verfahren zur Übernahme der DIN 10531  beantragt. Nachdem im ersten Anlauf die Einrichtung eines CEN-Projektkomitees für die Erarbeitung einer europäischen Norm für Getränkebereiter aufgrund unzureichender Bereitschaft zur Mitarbeit von fünf CEN-Mitgliedsländern nicht zustande gekommen war, wurde DIN SPEC 10537 „Lebensmittelhygiene - Herstellung und Abgabe von Heißgetränken aus Heißgetränkebereitern - Hygieneanforderungen, Migrationsprüfung“ in Zusammenarbeit mit italienischen Experten auf Basis von DIN 10531 erarbeitet und nach dem Vornormverfahren im August veröffentlicht. Die wesentlichen Änderungen gegenüber DIN 10531 bestehen in der Anpassung der Richtwerte für die Nickel- und Bleiabgabe an die Richtwerte des EU-Ratsdokuments „EDQM - Metals and alloys used as food contact materials“ aus dem Jahr 2013. Aus Verbrauchersicht positiv, da der Blei-Richtwert weiter signifikant gesenkt wurde. Nach Erscheinen der DIN SPEC 10537 wurde das Dokument im Rahmen eines einstufigen Annahmeverfahrens (PQ-Verfahren) als europäische Norm vorgeschlagen. Im Rahmen dieses Umfrageverfahrens war es möglich, dass ohne Einrichten eines entsprechenden Gremiums, die schon veröffentlichte DIN SPEC 10537 als europäischer Norm-Entwurf abgestimmt wurde. DIN EN 16889 ist im Oktober 2016 veröffentlich worden. Im Zuge dessen wurde die DIN 10531 zurückgezogen.

Der DIN-Verbraucherrat geht davon aus, dass im Zuge der DIN EN 16889 weitere Hersteller in Europa ihre Geräte normkonform herstellen und in der Folge der Kaffee europaweit weitestgehend schadstofffrei genossen werden kann.

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