DIN Verbraucherrat
Vor Ort beim NIA-Gesamtlenkungsausschuss
Quantencomputer, Digitalisierung und Verbraucherinteressen
Die Mitarbeit des DIN-Verbraucherrats in Beiräten, Lenkungsausschüssen und anderen strategischen Gremien von DIN ist ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Während in den einzelnen Arbeitsausschüssen häufig sehr spezifische Fachthemen behandelt werden, ermöglichen diese Gremien einen breiten Überblick über aktuelle Entwicklungen, neue Normungsvorhaben und langfristige Trends. Gleichzeitig bieten sie wertvolle Möglichkeiten zur Vernetzung mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft. Auf diese Weise können Verbraucherinteressen frühzeitig eingebracht werden, oft bereits bevor konkrete Normungsprojekte starten.
Ein aktuelles Beispiel hierfür ist die Sitzung des Gesamtlenkungsausschusses des Normenausschusses für Informationstechnik und Anwendungen am 18. September 2026 in Ehningen, die auf Einladung von IBM Deutschland stattfand. Neben den Beratungen zu strategischen Fragen der IT-Normung bot sich den Teilnehmenden die Gelegenheit, das Besucherzentrum von IBM zu besichtigen und Einblicke in die dortige Quantencomputer-Infrastruktur zu gewinnen.
Was sind eigentlich Quantencomputer?
Quantencomputer gelten als eine der spannendsten Zukunftstechnologien. Im Gegensatz zu herkömmlichen Computern, die Informationen als Nullen und Einsen verarbeiten, nutzen Quantencomputer Effekte der Quantenphysik. Dadurch können sie bestimmte Arten von Berechnungen deutlich schneller durchführen als heutige Rechner.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher werden Quantencomputer zwar nicht unmittelbar im Alltag sichtbar sein. Langfristig könnten sie jedoch dabei helfen, neue Medikamente schneller zu entwickeln, Verkehrsflüsse effizienter zu steuern oder den Energieverbrauch in Industrie und Infrastruktur zu optimieren.
Gleichzeitig bringen Quantentechnologien neue Herausforderungen mit sich. Einige heute verwendete Verschlüsselungsverfahren könnten künftig durch leistungsfähige Quantencomputer überwunden werden. Deshalb arbeiten Forschung, Wirtschaft und Normung bereits an neuen, sogenannten quantensicheren kryptographischen Verfahren. Für Verbraucherinnen und Verbraucher geht es dabei vor allem darum, dass persönliche Daten, digitale Identitäten und Online-Dienste auch in Zukunft zuverlässig geschützt bleiben.
Vor diesem Hintergrund verfolgt der DIN-Verbraucherrat die Entwicklungen im Bereich Quantentechnologien aufmerksam. National wurde bereits vor einigen Jahren ein entsprechender Arbeitsausschuss im NIA eingerichtet: der NA 043-02-05 AA „Quantentechnologien“. Derzeit finden dort Arbeiten zur Normung von Terminologie und Messverfahren statt, was noch keinen direkten Verbraucherbezug hat. Daher wird die Arbeit des Ausschusses von der VR-Geschäftsstelle beobachtet. Ziel ist es, mögliche Auswirkungen der Technologie auf Verbraucherinnen und Verbraucher frühzeitig zu erkennen und die Verbraucherperspektive beizeiten in die Normungsarbeit einzubringen.
Weitere thematische Schwerpunkte im NIA
Im Mittelpunkt der GLA-Sitzung standen unter anderem Themen wie Künstliche Intelligenz, Cybersicherheit, digitale Identitäten, Datenökosysteme und der Digitale Produktpass.
Ebenfalls wurde über die geplante Überarbeitung der europäischen Normungsverordnung gesprochen. Ein erster offizieller Entwurf wurde für Anfang Oktober seitens der Kommission angekündigt. Je nach geplanten Änderungen kann es zu direkten Auswirkungen auf die Arbeitsweise und die Geschwindigkeit der Normung, auch im NIA, kommen.
Vernetzung über viele Beiräte hinweg
Der NIA-Gesamtlenkungsausschuss ist nur eines von vielen Gremien, in denen die Geschäftsstelle des DIN-Verbraucherrats aktiv mitarbeitet. Weitere Beispiele sind die Beiräte für Umwelt, Verpackung und Dienstleistungen sowie der DIN/DKE-Fachbeirat Circular Economy. Die Mitarbeit in diesen Gremien schafft einen breiten Überblick über aktuelle Entwicklungen und stärkt die Vernetzung des DIN-Verbraucherrats innerhalb von DIN.
Der Besuch in Ehningen hat gezeigt, wie wichtig die Präsenz des DIN-Verbraucherrats in strategischen Gremien ist. Gerade bei Zukunftsthemen wie Künstlicher Intelligenz, Cybersicherheit, digitalen Identitäten oder Quantentechnologien werden heute die Grundlagen für die Normung von morgen gelegt. Durch die aktive Mitarbeit kann der DIN-Verbraucherrat die Verbraucherperspektive bereits in einer frühen Phase der Diskussion einbringen und dazu beitragen, dass neue Technologien nicht nur innovativ, sondern auch verbrauchergerecht gestaltet werden.