DIN Verbraucherrat

2026-03-25

Normungsengagement für Jugend- und Klassenfahrten

Interview mit dem ehrenamtlichen Verbraucherratsvertreter Herrn Gerhard Koller

Porträt Gerhard Koller, Diplom-Pädagoge Schulamtsdirektor a. D. Lehrbeauftragter an der Universität Augsburg
Gerhard Koller, Diplom-Pädagoge Schulamtsdirektor a. D. Lehrbeauftragter an der Universität Augsburg
© Gerhard Koller

Der DIN-Verbraucherrat möchte an dieser Stelle den ehrenamtlichen Mitarbeitern die Möglichkeit geben, ihre persönliche Motivation, Sichtweisen und Erfahrungen im Zusammenhang mit der ehrenamtlichen Arbeit für den DIN-Verbraucherrat in der Normung vorzustellen. Im Interview berichtet Gerhard Koller, Diplom-Pädagoge Schulamtsdirektor a. D. Lehrbeauftragter an der Universität Augsburg, über sein Engagement als Verbraucherratsvertreter.

Herr Koller, wie sind Sie zur Verbraucherarbeit in der Normung gekommen?

Schon zu Beginn meiner beruflichen Tätigkeit – damals noch als Lehrer – war mir das Lernen in der Lebenswirklichkeit, in der Gemeinschaft und in der Natur ein wichtiges Anliegen. Bildung gewinnt man nicht (nur) aus Büchern oder im Klassenzimmer, sondern muss immer auch mit persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen verbunden sein, um nachhaltig zu wirken. Deshalb unternahm ich mit meinen Schülerinnen und Schüler regelmäßig Exkursionen, Wanderungen und Klassenfahrten und bildete später in der Lehreraus- und -fortbildung auch angehende Lehrkräfte in diesem Bereich aus. Ich habe noch heute dazu einen Lehrauftrag an der Universität Augsburg.

Durch diese Referententätigkeit wurde das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) auf mich aufmerksam und so engagierte ich mich über 40 Jahre ehrenamtlich im DJH auf Landes-, Bundes- und internationaler Ebene. Bei vielen Reisen, auch in andere Länder, lernte ich viele engagierte Menschen kennen und auch ihre Arbeit und ihre Erfahrungen zu schätzen.

So entdeckte ich vor fünf Jahren mitten in der Corona-Zeit auf der beruflichen Plattform LinkedIn eine Information des ehemaligen Geschäftsführers des kanadischen Jugendherbergsverbandes, Joël Marier, in dem dieser auf den bei ISO eingebrachten Vorschlag zur Entwicklung einer Empfehlung zum Risikomanagement bei Jugend- und Schulfahrten hinwies.

Auf meine Rückfrage zu näheren Informationen sandte er mir die Broschüre „Mit der Schulklasse sicher unterwegs“, die ich bereits in den 90er Jahren zusammen mit Kollegen für die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) entwickelt hatte.

Joël Marier, der inzwischen zum Convenor der Arbeitsgruppe ISO/TC 262/WG 9 „Risk Management“ berufen worden war, fragte deshalb bei mir und bei DIN an, ob ich als deutsches Mitglied in der internationalen Arbeitsgruppe mitarbeiten würde. So wurde ich über den DIN-Verbraucherrat als deutscher Experte in diese ISO-Arbeitsgruppe entsandt und gleichzeitig zum ehrenamtlichen Verbraucherratsvertreter berufen.

Was war Ihre Motivation für Ihre ehrenamtliche Tätigkeit im Verbraucherrat?

Schon als Jugendlicher interessierten mich Verbraucherfragen. Die in Deutschland in den 60er Jahren entstandenen Warentests faszinierten mich und ich war von Beginn an Leser und Abonnent der Zeitschrift Test, die mit ihren Analysen, Empfehlungen und Tipps viele Fehlkäufe verhinderten und auch zum bewussten und kritischen Verbraucherverhalten beitrug.

Was schätzen Sie an der Arbeit für die Verbraucher*innen?

Die große fachliche Erfahrung der Kolleginnen und Kollegen im Verbraucherrat, den professionellen Austausch und die persönliche Begegnung sowie eine Erweiterung meiner persönlichen Einblicke in manche mir bisher wenig bekannten Bereiche.

Wie erarbeiten Sie Ihre Standpunkte zu normungsrelevanten Fragen?

Für mich sind der fachliche Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen, deren berufliche Erfahrungen und die intensive Diskussion über Entwicklung von Standards wichtige Quellen der Arbeit. Auch der internationale Austausch ist für mich enorm bereichernd, auch wenn er in der Regel nur über Videokonferenzen stattfinden kann. Aber auch auf diesem Weg entstehen neue Verbindungen und Freundschaften, die zu persönlichen Begegnungen führen können.

Gab es ein besonderes Highlight/Erfolgserlebnis bei Ihrer Arbeit an Ihrem Thema im Ausschuss?

Ein sehr positives Ereignis war für mich, als die von uns in über dreijähriger Arbeit entwickelte ISO 31031 „Managing Risk for Youth and School Groups“ auf internationaler Ebene nach einem umfangreichen Diskussionsprozess angenommen wurde und anschließend auch auf nationaler Ebene als DIN ISO 31031 „Management von Risiken bei Jugend- und Klassenfahrten“ übernommen wurde. Nun steht der Umsetzungsprozess an, d.h. die Aufnahme der von uns erarbeiteten Empfehlungen in die Schulfahrtenrichtlinien der einzelnen Bundesländer sowie in die Empfehlungen der gesetzlichen Unfallversicherung.

Gibt es spezielle Herausforderungen im Rahmen Ihrer Tätigkeit für den Verbraucherrat?

Die Entwicklung von Standards ist aus meiner Sicht immer eine Gratwanderung zwischen sinnvollen Empfehlungen und einschränkenden Regelungen, zwischen der Motivation und Ermunterung, über das Übliche hinauszugehen und der Verhinderung von Freiheit durch Überregulierung. Ich möchte - gerade auch in diesem pädagogischen Bereich - Mut machen, motivieren und zu Aktivitäten anregen, ohne allerdings die notwendigen Sicherheitsaspekte aus den Augen zu verlieren.

Ich halte diesen Aspekt für die grundlegende Herausforderung der gesamten Normungsarbeit: Die richtige Balance zu finden zwischen einer sinnvollen Vereinheitlichung mit notwendigen Qualitätsstandards zur Gewährleistung der Sicherheit und einer als Verrechtlichung und Einengung empfundenen (Über-)Regulierung.

Haben Sie Tipps zur Arbeit in den Normenausschüssen für andere bzw. neue Verbraucherratsvertreter/-innen?

Wichtig erscheint mir, die eigenen beruflichen Kenntnisse, Erfahrungen und Perspektiven in den gemeinsamen Diskussionsprozess einzubringen, ohne die Offenheit für andere Aspekte und Blickwinkel einzuengen. Nur in einem offenen, gemeinsamen Miteinander gelingen auch gute Ergebnisse, die dann auch breit akzeptiert werden.

Wie beurteilen Sie das jährliche Normungsseminar der Geschäftsstelle des DIN-Verbraucherrats?

Das jährliche Normungsseminar bringt für mich neben der wertvollen persönlichen Begegnung mit den anderen ehrenamtlichen Expert*innen des Verbraucherrates und den Mitarbeitenden der Geschäftsstelle des DIN-Verbraucherrats in jedem Jahr neue Einblicke in die Breite und Tiefe der Arbeit des Verbraucherrates. Zudem sind die Veranstaltungen hervorragend vorbereitet und organisiert, so dass sie auch einen persönlichen Gewinn für die weitere Arbeit darstellen.

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