DIN Verbraucherrat

2026-06-26

Ein Update zu EU- und US-Automobilstandards

Autoindustrie zwischen ANEC und USA
© AdobeStock: Studio V-Zwoelf

Anfang Mai fand die jährliche Sitzung der ANEC Traffic & Mobility Working Group statt. Neben Normung und Standardisierung waren auch die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen im Verkehrsbereich ein wichtiges Thema.

Im August 2025 veröffentlichten die EU und die USA eine gemeinsame Erklärung zum fairen und ausgewogenen Handel. Dabei fiel ein Punkt besonders auf: Beide Parteien kündigten ihre Absicht an, die jeweiligen Automobilstandards gegenseitig anzuerkennen. Dies knüpft an frühere Diskussionen, während der TTIP-Verhandlungen vor einem Jahrzehnt an, als die sicherheitstechnischen Auswirkungen der Angleichung von EU- und US-Fahrzeugvorschriften erstmals geprüft wurden.

Damals kam eine Vergleichsstudie der University of Michigan, des UK Transport Research Laboratory und der Chalmers University in Schweden zu dem Ergebnis, dass EU-Fahrzeuge im Durchschnitt 33 % sicherer waren als typische US-Modelle, gemessen am Risiko schwerer Verletzungen bei typischen Frontal- und Seitenkollisionen.

Eine Analyse des European Transport Safety Council (ETSC), der in Brüssel ansässig und ein Partner von ANEC ist, hat ergeben, dass es in der EU rund 20 Sicherheitsvorschriften gibt, die in den USA nicht existieren. Dazu zählen beispielsweise Regelungen und Standards zum automatisierten Notfallrufsystem eCall, zu intelligenten Geschwindigkeitsassistenten, zu Kameras oder Sensoren für Rückfahrsysteme, zur Erkennung von Müdigkeit der Fahrenden sowie zu bestimmten Cybersicherheitsmaßnahmen.

Diese Vorschriften sind weiterhin in Kraft. Allerdings besteht für US-Hersteller die Möglichkeit, Einzelgenehmigungen für ihre Fahrzeuge zu erhalten, ohne die vollständigen Sicherheitsanforderungen zu erfüllen. Dadurch wurden schätzungsweise 7.000 Pick-up-Trucks im Jahr 2024 in die EU importiert. Dieser Einzelgenehmigungsprozess wird voraussichtlich 2027 von der Europäischen Kommission überarbeitet.

Schon jetzt setzt sich eine Koalition aus ANEC, dem ETSC und weiteren NGOs bei der Kommission dafür ein, diesen Entwicklungen entgegenzutreten und eine Abschwächung des Europäischen Sicherheitsniveaus abzuwenden. Im gemeinsamen Austausch mit ANEC beobachtet der DIN-Verbraucherrat die Entwicklungen und wird über weitere Updates informieren.

Ihr Kontakt

DIN e.V.
Elias Bach

Am DIN-Platz
Burggrafenstraße 6
10787 Berlin

Zum Kontaktformular