Presse

2026-01-15

Standards als Grundlage für Wohlstand

World Development Report

Vogelperspektive auf einen Containerhafen
© Fotolia: L_chungking

Normen und Standards sind heute wichtiger denn je. insbesondere für Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen. Der World Development Report, der jährlich von der Weltbank veröffentlicht wird, zeigt für 2025: Standards bilden eine oft unsichtbare, aber entscheidende Grundlage für nachhaltiges Wachstum, Innovation und funktionierende globale Märkte. 

Richtig eingesetzt, ermöglichen sie wirtschaftliche Teilhabe, stärken staatliche Handlungsfähigkeit und fördern gesellschaftlichen Wohlstand. Doch unter welchen Bedingungen entfalten Standards diese Wirkung – und wo liegen die Risiken? 

Standards als strategischer Hebel für Entwicklung und Wachstum 

Die Bedeutung von Standards im globalen Wirtschaftssystem hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Rund 90 % des Welthandels sind heute von sogenannten nicht-tarifären Maßnahmen geprägt, also von technischen, qualitativen oder regulatorischen Anforderungen, die häufig auf Standards beruhen. Für viele Länder mit niedrigem Einkommen entscheiden sie darüber, ob Unternehmen Zugang zu internationalen Märkten erhalten oder ausgeschlossen werden. 

Standards beeinflussen wirtschaftliche Entwicklung dabei auf mehreren Ebenen: 

  • Marktzugang: Standards bestimmen zunehmend, wer international wettbewerbsfähig ist. 
  • Technologische Teilhabe: Neue Technologien wie digitale Zahlungssysteme, Elektromobilität oder Wasserstoffanwendungen setzen klare und kompatible Standards voraus. 
  • Investitionssicherheit: Verlässliche Standards schaffen Vertrauen und erleichtern langfristige Investitionen. 

Fehlen diese Rahmenbedingungen, drohen Marktfragmentierung, Ineffizienz und strukturelle Benachteiligung. 

Standards wirken besser mit funktionierender Qualitätsinfrastruktur 

Damit Normen und Standards in der Praxis greifen, braucht es eine funktionierende Qualitätsinfrastruktur. Normung, Konformitätsbewertung, Akkreditierung, Metrologie und Marktüberwachung müssen ineinandergreifen, um Standards überprüfbar, vergleichbar und durchsetzbar zu machen. 

Wie groß die Unterschiede zwischen den Ländern sind, zeigen die verfügbaren Kapazitäten: In Äthiopien stehen weniger als 100 akkreditierte Stellen für ISO-Standards zur Verfügung, in Deutschland sind es rund 12.000. Diese Lücke wirkt sich unmittelbar auf Wettbewerbsfähigkeit und Marktzugang aus. 

Wo Standards konkret wirken 

Dass Standards messbare Wirkung entfalten können, zeigt der Bericht anhand konkreter Beispiele. Besonders deutlich wird dies im Gesundheitsbereich. In Indien führten einfache Prozessstandards, etwa standardisierte Checklisten bei Geburten in Krankenhäusern, zu einem Rückgang der Müttersterblichkeit um fast 47 %. 

Auch für die Transformation hin zu einer CO₂-ärmeren Wirtschaft spielen Standards eine zentrale Rolle. Umwelt- und Technologiestandards schaffen Orientierung, senken Risiken und erleichtern Investitionen in nachhaltige Lösungen. Gleichzeitig weist der Report darauf hin, dass hohe Kosten, komplexe Verfahren und parallele Regelungen weiterhin Hürden darstellen. Harmonisierte Standards und vereinfachte Zertifizierungsprozesse könnten hier spürbar entlasten. 

Richtig eingesetzt sind Standards dann, wenn sie zur institutionellen Leistungsfähigkeit eines Landes passen und auf einer funktionierenden Qualitätsinfrastruktur aufbauen. Sie entfalten ihre Wirkung besonders dort, wo sie international anschlussfähig sind, gleichzeitig aber an lokale Gegebenheiten angepasst werden. Werden Standards hingegen zu komplex oder ohne geeignete Strukturen eingeführt, können sie Marktzugang erschweren und bestehende Ungleichheiten verstärken.  

Standards als Entwicklungsinstrument 

Der World Development Report 2025 zeigt: Standards sind ein wirkungsvolles Instrument der Entwicklungs- und Wirtschaftspolitik. Sie erzielen ihre größte Wirkung dann, wenn sie schrittweise umgesetzt, verlässlich überprüft und von relevanten Akteuren mitgetragen werden. So werden Standards zum Hebel für Wettbewerbsfähigkeit, staatliche Handlungsfähigkeit und gesellschaftlichen Wohlstand. 

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