Presse

2026-05-06

Umweltinformationen werden zum entscheidenden Kriterium im Wettbewerb

Interview mit Daniel Schmidt, Mitglied des Vorstandes von DIN 

Illustration Umweltproduktdeklarationen (EPD)
© DIN

Dieser Beitrag ist Teil unseres Newsletters. Hier finden Sie die letzte Ausgabe. Sie wollen keine Entwicklungen verpassen? Dann melden Sie sich jetzt an

Im Wettbewerb gewinnt nicht automatisch die bessere Umweltleistung, sondern die, die vergleichbar gemacht wird.  

Mit dem DIN EPD-Programm entsteht jetzt ein Rahmen, der mehr Vergleichbarkeit für Umweltinformationen schafft. Wie das funktioniert und warum Unternehmen sich jetzt mit dem Thema beschäftigen sollten, erklärt Daniel Schmidt, Mitglied des Vorstandes von DIN, im Interview.  

Herr Schmidt, was ist das eigentliche Problem bei der Bereitstellung von Umweltinformationen: produzieren Unternehmen gar nicht nachhaltig – oder können sie es nicht nachweisen? 

Beides gibt es natürlich, aber in der Praxis zeigt sich aktuell ein ganz konkretes Problem: Unternehmen produzieren nachhaltig, können das aber nicht so darstellen, dass es im Wettbewerb zählt. Nicht, weil die Daten fehlen, sondern weil die Berechnungsgrundlagen zu unterschiedlich sind. Es gibt Anbieter, die zum Beispiel nur die Produktion erfassen, andere zusätzlich Transport und Nutzungsphase. Beide nennen einen CO₂-Wert und beide Zahlen stimmen, sie führen aber trotzdem zu gegensätzlichen Entscheidungen. Wer dann in einer Ausschreibung verliert, verliert also vielleicht gar nicht wegen schlechterer Umweltleistung. Sondern weil er seine Leistung anders berechnet hat. 

Das klingt nach viel Aufwand. Welche Folgen hat diese fehlende Vergleichbarkeit? 

Für Unternehmen bedeutete das bisher Doppelarbeit. Wer in verschiedenen Märkten aktiv ist oder auf unterschiedliche Kunden trifft, muss seine Umweltdaten mehrfach aufbereiten, je nach Anforderung des Abnehmers oder der Regulierung. Das ist auch kein Einzelfall, sondern Alltag in vielen Branchen, zum Beispiel in der Elektroindustrie, dem Maschinenbau oder der Chemie- und Textilindustrie. Sie stehen jetzt an einem ähnlichen Punkt wie der Bausektor vor einigen Jahren. Dort hat sich gezeigt: Wer früh auf standardisierte Grundlagen gesetzt hat, hatte klare Vorteile in Ausschreibungen, in der Zertifizierung und beim Zugang zu neuen Märkten. 

Es gibt also Möglichkeiten, Umweltinformationen vergleichbarer zu machen? 

Genau. Es braucht einheitliche Regeln, wie Umweltwirkungen berechnet und dargestellt werden. Das leisten zum Beispiel Produktkategorieregeln, sogenannte PCR (Product Category Rules). Sie legen fest, welche Daten einfließen, wie sie erhoben werden und wie die Ergebnisse dokumentiert werden. Auf dieser Basis entstehen Umweltproduktdeklarationen, kurz EPDs (Environmental Product Declarations). Sie sind geprüft und werden vergleichbar, wenn alle nach denselben Regeln arbeiten. 

Und warum braucht es für verlässliche Umweltinformationen Normen, reichen PCR und EPDs nicht aus? 

PCR und EPDs sind Werkzeuge – und Normen sorgen dafür, dass diese Werkzeuge auch verlässlich funktionieren. Sie definieren die methodischen Spielregeln, also zum Beispiel wie Ökobilanzen aufgebaut werden, wie ein CO₂-Fußabdruck berechnet wird oder welche Systemgrenzen gelten. Ohne diese gemeinsame Basis kann eine EPD zwar existieren, entfaltet aber außerhalb des eigenen Unternehmens kaum Wirkung. In Lieferketten, im Reporting gegenüber Behörden oder in internationalen Ausschreibungen zählt am Ende das, was nach gemeinsamen Regeln berechnet wurde.

Welche Rolle übernimmt denn DIN konkret bei dem Thema? 

Wir schaffen den Rahmen, in dem diese gemeinsamen Regeln – und damit die Grundlage – für vergleichbare Umweltinformationen entstehen. Mit dem DIN EPD-Programm unterstützen wir die Entwicklung einheitlicher PCR in einem Konsortialprozess, der auf europäischen und internationalen Normen aufbaut. Die Regeln werden also dort gestaltet, wo sie später auch angewendet werden. DIN PCR können vor Veröffentlichung in einer offenen Anhörung kommentiert werden und stehen im Anschluss kostenfrei zur Verfügung.

Was empfehlen Sie Unternehmen, die bisher noch nicht auf PCR und EPD setzen?  

Transparente Umweltinformationen sind nicht nur eine Frage der Nachhaltigkeit, sondern auch eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit. Für Unternehmen, die zu lange abwarten, bedeutet das, dass andere entscheiden nach welchen Regeln Sie künftig bewertet werden. Die Produktkategorieregeln für viele Branchen entstehen gerade jetzt. Das ist der Moment, in dem festgelegt wird, welche Daten erhoben werden, wie gerechnet wird und was als relevant gilt. Wer die Grundlagen heute nicht mitgestaltet, muss sie übernehmen. Oder parallel eigene Systeme entwickeln und damit genau die Vergleichbarkeit unterlaufen, die der Markt zunehmend verlangt.

Mehr erfahren und einsteigen 

Die PCR für Ihre Branche entstehen jetzt – Sie können mitentscheiden, wie sie künftig bewertet werden. Hier finden Sie alle Informationen zum DIN EPD-Programm.

Ihr Kontakt

DIN e. V.
Daniel Schmidt

Am DIN-Platz
Burggrafenstraße 6
10787 Berlin

Verwandte Themen

Wählen Sie ein Schlagwort, um mehr zum Thema zu erfahren: