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Tag der Industrie 2026: Wer Standards setzt, gestaltet Märkte
Wie kann Europa seine technologische Handlungsfähigkeit sichern? Und welche Voraussetzungen braucht es für vertrauenswürdige KI-Anwendungen, sichere digitale Infrastrukturen und resiliente Lieferketten? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Tags der Industrie (TDI), der in diesem Jahr unter dem Motto „Stärke. Sicherheit. Zukunft – Made by Europe“ auf dem EUREF-Campus Berlin stattfand.
Mit der Expert Session „Technologie ‚Made by Europe‘ – Standards als Schlüssel zur europäischen Wettbewerbsfähigkeit“ brachten DIN und DKE die Perspektive der Normung und Standardisierung in die Debatte ein. Auf dem Podium diskutierten Sibylle Gabler (DIN), Dieter Wegener (DKE), Uwe Rüddenklau (Infineon), Claudia Keibler-Willner, Netzwerkmanagerin bei SAXFUSION und Gitta Connemann, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, über die Rolle von Standards in einer zunehmend von geopolitischen und technologischen Veränderungen geprägten Welt.
Standards für neue Technologien als strategischer Hebel
Technologische Souveränität entsteht zunehmend dort, wo globale Spielregeln für neue Technologien festgelegt werden. Themen wie Cybersicherheit, Industrial AI und der Digitale Produktpass zeigen, dass es längst nicht mehr nur um Innovationen selbst geht – sondern auch um die Standards, die ihren Einsatz ermöglichen und skalieren. Wer diese Standards frühzeitig setzt, gestaltet Märkte.
Im Zentrum stand dabei die Frage, wie Digitale Souveränität wurde in der Paneldiskussion vor allem als Frage der Wahlfreiheit diskutiert – also als Fähigkeit, technologische Optionen offen zu halten und Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern zu vermeiden.
„Immer mehr Staaten nutzen Standardisierung gezielt als Teil ihrer Technologie- und Industriepolitik. Europa muss seine Interessen dort ebenso konsequent einbringen – besonders bei den Technologien, die unsere Wettbewerbsfähigkeit künftig prägen werden“, sagte Sibylle Gabler, Mitglied der Geschäftsführung von DIN.
Auch aus technischer und industrieller Perspektive wurde deutlich, dass Standards heute weit über klassische Normung hinausgehen. Sie definieren Schnittstellen, ermöglichen Interoperabilität und sorgen dafür, dass Innovationen über Unternehmens-, Länder- und Marktgrenzen hinweg skalierbar werden.
„Wer technologisch führen will, muss Normung strategisch denken – und international gestalten.“ betonte Prof. Dr.-Ing. Dieter Wegener, Vizepräsident der DKE.
Standards als Infrastruktur digitaler Wertschöpfung
Im Zusammenhang mit Zukunftstechnologien wie Industrial AI wurde diskutiert, welche Rolle Standards und Datenräume für die industrielle Anwendung spielen.
Dabei wurde klar: Standards sind nicht erst am Ende der Innovationskette relevant, sondern bereits in der Übergangsphase von wissenschaftlicher Erkenntnis zu industrieller Anwendung.
„Die Forschung schafft Wissen, die Industrie schafft Wertschöpfung – und dazwischen sind die Standards die Brücke“, sagte Claudia Keibler-Willner.
Sicherheit und Resilienz werden zum Wettbewerbsfaktor
Die Diskussion machte deutlich, dass technologische Innovation allein nicht ausreicht. Der wirtschaftliche Erfolg neuer Technologien hängt auch davon ab, ob Unternehmen ihnen vertrauen können. „Themen wie Cybersicherheit sind längst kein reines Compliance-Thema mehr, sondern ein Wettbewerbsfaktor. Unternehmen müssen darauf vertrauen können, dass digitale Produkte, Systeme und Lieferketten sicher funktionieren. Standards schaffen dafür eine gemeinsame Grundlage“, sagte Uwe Rüddenklau, Director of Standardization bei Infineon.
Gleichzeitig wurde im Gespräch klar, dass neue regulatorische Anforderungen insbesondere im Mittelstand häufig zunächst als zusätzliche Belastung wahrgenommen werden.
Dazu sagte Gitta Connemann:
„Normung wird oft als Bürokratie wahrgenommen, dabei ist sie ein Instrument, das Innovation ermöglicht und Wettbewerbsfähigkeit stärkt.” Dabei sei es entscheidend, Unternehmen mitzunehmen und Überforderung zu vermeiden.
Standards frühzeitig mitgestalten
Die Diskussion auf dem Tag der Industrie machte deutlich: Europas Wettbewerbsfähigkeit entscheidet sich nicht allein in Forschung, Entwicklung oder Produktion. Sie entscheidet sich auch dort, wo technische Regeln für neue Technologien entstehen. Gitta Connemann stellte dabei die starke europaweite, aber auch internationale Position Deutschlands heraus.
Wer internationale Normen präge und einer Segmentierung der Normenlandschaft entgegenwirke, verschaffe Unternehmen einen klaren Wettbewerbsvorteil auf globalen Märkten.
Connemann ergänzte abschließend:
„Wir haben es in der Hand, eine starke deutsche Position, die wir in der Normung haben, und zwar europaweit, manchmal auch weltweit, zu stärken, zu halten, entsprechend auszubauen oder eben neu zu definieren und frühzeitig auch Zukunftsthemen entsprechend aufzunehmen."
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