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2026-01-12

SMART Standards: ISO und IEC digitalisieren die Normung

Portrait von Sebastian Kriegsmann
Sebastian Kriegsmann, Head of Digital Infrastructure and IT-Services (CIO) bei DIN
© DIN

Wie lassen sich Normen in einer Welt anwenden, in der Produkte digital entwickelt, Prozesse automatisiert gesteuert und Anforderungen maschinell geprüft werden?  

Technische Normen sind bislang überwiegend für Menschen geschrieben. Für digitale Systeme, automatisierte Prüfungen oder den Einsatz in Entwicklungs- und Planungstools ist diese Form jedoch nur eingeschränkt geeignet. Unter dem Schlagwort SMART Standards arbeitet die internationale Normung deshalb seit mehreren Jahren daran, Normeninhalte konsequent zu digitalisieren.  

Warum digitale Normung neue Formen braucht 

SMART Standards strukturieren Normeninhalte in klar definierte, logisch verknüpfte Einheiten. So entstehen Normen, die sich automatisiert auswerten, prüfen und anwenden lassen. Das SMART-Ökosystem eröffnet neue Möglichkeiten für unterschiedliche Akteursgruppen: 

  • Industrieunternehmen integrieren digitale Normen in Entwicklungs-, Produktions- und Qualitätsprozesse und erhöhen so Effizienz und regulatorische Sicherheit. 
  • Regulierungsbehörden profitieren von konsistenten, digital verknüpften Schnittstellen zwischen Normung und Regulierung. 
  • Normungsorganisationen nutzen automatisierte Werkzeuge entlang des gesamten Normenentwicklungszyklus. 
  • Anwender*innen erhalten Normen, die passgenauer auf ihre Anforderungen zugeschnitten und leichter nutzbar sind. 

Internationale Governance für digitale Standards 

Um digitale Normen weltweit abgestimmt entwickeln zu können, haben die International Organization for Standardization (ISO) und die International Electrotechnical Commission (IEC) ihre Governance-Strukturen seit dem dritten Quartal 2025 grundlegend weiterentwickelt. Für DIN ist dies ein zentraler Schritt – denn nur international einheitliche Strukturen ermöglichen digitale Normen mit globaler Wirkung. 

Die Neuausrichtung umfasst unter anderem: 

  • das Joint Steering Committee (JSC) als strategisches Steuerungsgremium, 
  • eine Single Delivery Unit (SDU) zur Koordination der technischen Umsetzung von SMART-Komponenten und 
  • mehrere Advisory Groups zur Erstellung, Verwaltung und Nutzung digitaler Normeninhalte. 

Die neu geschaffenen Advisory Groups begleiten alle Prozessschritte von der Erstellung bis zur Nutzung digitaler Normeninhalte („SMART from the start“). Sie definieren die fachlichen Anforderungen an die SMART-Komponenten, die von der Single Delivery Unit technisch umgesetzt werden. So ist sichergestellt, dass die ISO- und IEC-Mitglieder in die Weiterentwicklung von SMART eingebunden sind und die benötigten Komponenten koordiniert und zügig realisiert werden.  

Dass ISO und IEC nun noch enger zusammenarbeiten, ist auch aus Sicht der internationalen Führungsebene ein wichtiger Impuls. Sergio Mujica, Generalsekretär der ISO, betont: 

„Bei SMART geht es darum, den Nutzenden die Navigation durch unsere Standards zu erleichtern, den Inhalt zu verstehen und ihn in ihrem Kontext, in ihrer eigenen Organisation, umsetzen zu können.“ 

DIN als aktiver Gestalter der digitalen Normung 

DIN ist maßgeblich an der Entwicklung und Umsetzung dieser neuen Strukturen beteiligt. Sebastian Kriegsmann, Mitglied der Geschäftsleitung von DIN, leitet die Content Management Advisory Group. Eine ihrer ersten Aufgaben ist die Entwicklung einer SMART Extension für die Online Standards Development Plattform (OSD). Sie ist die technische Grundlage für eine durchgängig digitale Normenentwicklung. Expertinnen und Experten können Normen dort kollaborativ, transparent und direkt im strukturierten Format erarbeiten – vom ersten Entwurf bis zur Veröffentlichung. So entstehen Normen von Anfang an in einem harmonisierten, maschinenlesbaren Format.  

Sebastian Kriegsmann betont: 

„Eine Zusammenarbeit so vieler internationaler Organisationen braucht klare Strukturen, denn Standards entfalten ihren Mehrwert nur, wenn wir Inhalte von Beginn an international abgestimmt entwickeln. Wir arbeiten bei DIN konkret daran, SMART in OSD zu integrieren und wollen unseren Prototypen für die OSD-Plattform auch ISO, IEC und CEN-CENELEC sowie schrittweise anderen Normungsorganisationen bereitstellen. Damit wollen wir 2026 an den Start gehen.“ 

Internationale Zusammenarbeit als Voraussetzung 

Die Beiträge aus Deutschland – von der Initiative Digitale Standards (IDiS) von DIN und DKE über Pilotprojekte bis hin zu Tools und methodischen Ansätzen – liefern wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung digitaler Normung und zeigen, wie praxistaugliche Lösungen entstehen können. Unerlässlich ist dabei der internationale Schulterschluss: Der systematische Austausch von Erfahrungen, Modellen und technischen Ansätzen im Bereich SMART Standards ist notwendig, um digitale Lösungen weltweit nutzbar zu machen.

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Sebastian Kriegsmann

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