Presse

2026-04-08

MINT-EC trifft Normung

Warum die Normung junge Stimmen braucht

Portrait von Amelie Leipprand
© Dan Zoubek

Normung lebt von Beteiligung. Denn zukunftsfähige Normen und Standards entstehen dort, wo unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen. Genau hier setzt DIN an und öffnet die Normung gezielt für junge Menschen.

Im gemeinsamen Videowettbewerb von MINT-EC und DIN bekamen Jugendliche die Aufgabe, die Rolle von Normen für die Circular Economy zu erklären – mit beeindruckenden Ergebnissen

Welche Erfahrungen dabei gemacht wurden und was sich daraus für die Zukunft ableiten lässt, erklärt Amelie Leipprand im Interview. Sie engagiert sich bei den DIN Young Professionals und arbeitet daran, neue Zielgruppen für die Normung zu gewinnen.

Was hast du aus dem Wettbewerb mitgenommen und wie geht es weiter?

Was besonders hängen geblieben ist, ist die Energie der Teilnehmenden. Die Schülerinnen und Schüler hatten nur wenige Informationen zum Einstieg und haben sich trotzdem mit großem Interesse und viel Eigeninitiative in das Thema eingearbeitet. Sie haben sich auf die Normung eingelassen und was dabei herausgekommen ist, kann sich sehen lassen.

Der Wettbewerb war als Pilotprojekt angelegt und soll künftig regelmäßig stattfinden. Die Zusammenarbeit mit dem MINT-EC hat uns sehr gut gefallen. Durch die Organisation haben wir Zugänge zu MINT-Schulen bekommen und damit zu einer Zielgruppe, die bisher kaum Berührung mit Normung hatte.

Mit welchen Projekten versucht ihr, junge Leute zu erreichen?

Der Videowettbewerb war das erste Projekt, bei dem wir mit dieser Altersgruppe zusammengearbeitet haben. Sonst arbeiten wir viel mit Professorinnen und Professoren zusammen, um das Thema Studierenden näherzubringen. Denn häufig stellen wir selbst bei den Lehrenden fest: Normen werden zwar angewendet, der dahinterliegende Prozess ist vielen aber nicht bewusst. Da setzen wir an.

Ein Beispiel ist die Teilnahme von Studierenden an Sitzungen von Normenausschüssen. Nachdem sie eine inhaltliche Einführung bekommen haben, arbeiten sie in einer Sitzung mit und erleben den Prozess unmittelbar. Das Großartige daran ist, dass beide Seiten positive Erfahrungen daraus mitnehmen. Die Studierenden sind überrascht, wie stark Diskussion und Austausch den Prozess prägen. Gleichzeitig bringen sie neue Fragen und Perspektiven ein, die auch die Gremienarbeit bereichern.

Ein ähnliches Format ist im November auch mit Schulen geplant, unter anderem gemeinsam mit dem MINT-EC.

Was waren die Unterschiede zwischen Schülerinnen und Schülern und Studierenden?

Da viele noch nicht wissen, in welche Richtung sie später gehen wollen, waren die Schülerinnen und Schüler viel offener als die Studierenden. Das zeigt sich auch in den Fragen, die sie stellen, und in den Ideen, die sie einbringen. Diese Perspektive ist für die Normung sehr wertvoll. Wir wollen deswegen auch die Youth Ambassadors einrichten. Vergleichbare Modelle gibt es schon in Polen oder der Slowakei. Da sind wir gezielt auf zwei Schüler*innen zugegangen und haben uns mit ihnen über ihre Ideen ausgetauscht. Wir werden sie als Teil unserer Delegation mit zur ISO General Assembly nehmen.

Warum ist die Arbeit mit jungen Menschen für DIN wichtig?

Normung wird oft erst spät kennengelernt. Sie kommt im Kanon der Allgemeinbildung nicht vor. Im Studium oder in der Ausbildung wird sie oft im sperrigen, kritischen Kontext kennengelernt, was in einer negativen Einstellung ihr gegenüber resultiert.

Unsere Arbeit mit jungen Menschen setzt hier an. Wir müssen ihnen zeigen, dass wir für sie da sind und sie selbst Normen nutzen können. Wenn sie mit den Ergebnissen unzufrieden sind, können sie diese ändern. Sie können am Entscheidungstisch sitzen und direkt Einfluss nehmen.  

Langfristig stärkt das das gesamte System: Anforderungen werden besser verstanden, Diskussionen fundierter geführt und Ergebnisse praxisnäher entwickelt.

Was würdest du dir für die Zukunft der DIN Young Professionals wünschen?

Die Normung ist keine Bubble sondern eine durchlässige Membran. In einer idealen Welt wissen das alle. Ich stelle mir vor, wie dieses Haus zu einem summenden, brummenden Bienenstock wird. Pro Quartal könnte ein Normenausschuss die Türen für Studierende oder Schüler*innen öffnen. Ich glaube, dass das eine großartige Möglichkeit wäre, Normung neu zu erzählen.

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