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Internationale Standards entscheiden über digitale Souveränität
DIN und DKE legen Strategiepapier vor: Europa muss Normungsprozesse konsequenter mitgestalten
Wer digitale Systeme souverän betreiben will, muss die technischen Regeln mitschreiben, nach denen sie funktionieren. Ein neues Strategiepapier von FOCUS.digital, dem Strategiekreis von DIN und DKE, zeigt: Europas Einfluss auf internationale Standards für KI, Datenräume und Cybersicherheit reicht bislang nicht aus. Das erschwert die Umsetzung europäischer Regulierung und hat Folgen für Wettbewerbsfähigkeit und Marktzugang.
Technische Standards werden zum Wettbewerbsfaktor
Normen legen fest, wie digitale Systeme miteinander kommunizieren, Daten austauschen und Sicherheitsanforderungen erfüllen. Sie schaffen gemeinsame technische Grundlagen für interoperable digitale Infrastrukturen und entstehen in internationalen Gremien wie ISO, IEC und ITU. Für Europa wird diese technische Standardisierung zunehmend zu einer strategischen Frage.
„Erst die Formulierung von Standards und Einbindung von Open Source schaffen Vertrauen und digitale Souveränität. Beides zusammen bildet die Grundlage für Resilienz sowie die erfolgreiche Umsetzung regulatorischer Anforderungen, etwa aus dem AI Act oder dem Cyber Resilience Act, in der Praxis“, sagt Dr. Jochen Friedrich (IBM Deutschland Research & Development GmbH), Vorsitzender von FOCUS.digital.
Der Strategiekreis berät den Vorstand von DIN und die Geschäftsleitung der DKE zu strategischen Fragen der digitalen Standardisierung. Es arbeiten Vertreter*innen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft mit, darunter IBM, Siemens, Ericsson und Infineon sowie BSI, Bitkom, GI und DFKI.
Europäische Interessen früher einbringen
„Global anerkannte Standards reduzieren das Risiko, dass einzelne Akteure ganze Märkte für sich behaupten können. Für europäische Unternehmen ist die Beteiligung an internationaler Normung deshalb weit mehr als eine technische Frage – sie ist ein strategischer Wettbewerbsfaktor“, sagt Prof. Dr. Dieter Wegener (Siemens AG), ebenfalls Vorsitzender von FOCUS.digital.
Das Papier empfiehlt unter anderem:
- mehr europäische Expertinnen und Experten in internationale Normungsgremien zu entsenden,
- regulatorische Anforderungen frühzeitig mit internationalen Standards zu verzahnen,
- offene und interoperable digitale Infrastrukturen zu stärken und
- Open-Source-Referenzimplementierungen gezielt zur Umsetzung von Standards einzusetzen.
Internationale Standards für KI, Cybersicherheit und digitale Infrastrukturen entstehen vor allem in Gremien von ISO und IEC. DIN und DKE bringen hier die deutschen Positionen in die internationale Normung ein – denn dort entscheidet sich, ob europäische Anforderungen international berücksichtigt und technologisch wirksam werden.