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Wir schreiben einen unsichtbaren Code für unsere Zukunft
3 Fragen an Dr. Valerie Carl, Co-Founder & COO brAIniacs GmbH
© DIN
Normen und Standards: die oft unsichtbaren Regeln, die im Konsens vieler Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Bereichen entwickelt werden. Diese Regeln sorgen in Europa und weltweit dafür, dass Produkte und Dienstleistungen einheitliche Qualitätsstandards erfüllen, auf die wir uns verlassen können. Wie passen die vermeintlich „traditionellen“ Werte der Normungsarbeit zu Innovation, Agilität und Geschwindigkeit, die beispielsweise von technologischen Entwicklungen künftig gefordert werden?
Im Interview erklärt Dr. Valerie Carl, Co-Founder & COO der brAIniacs GmbH, warum es entscheidend ist, Normen früh genug mitzugestalten.
Wie gehen Tradition und Innovation in der Normung Hand in Hand?
Ich glaube, für mich ist Innovation und Tradition genau das Spannungsfeld, das Normung spannend macht – und auch ausmacht. Denn wir brauchen Traditionen wie Verlässlichkeit, Qualitätssicherung und Multi-Stakeholder-Konsens – also alles, wofür DIN steht –, um Innovation auch zu ermöglichen.
Schauen wir uns beispielsweise die KI an: Hier ist es nur dank gemeinsamer Datenformate und Schnittstellen möglich, dass Start-ups oder KMUs überhaupt mit Tech-Giganten konkurrieren.
Für mich demokratisiert Normung Innovation – und deswegen finde ich, dass es Hand in Hand geht.
Das bedeutet, dass man sowohl Werte wie Qualität oder Verlässlichkeit beibehält – also das, was der Normungsvertrag festlegt – und dass man eine langfristige Anlaufstelle hat. Und gleichzeitig modernere Methoden, Agilität und Digitalisierung nutzt, um Innovation zu fördern.
Wie wichtig ist es, bei Zukunftstechnologien wie zum Beispiel Künstlicher Intelligenz von Anfang an Standards zu setzen?
Ich glaube, wir wollen nicht, dass es erst zu Skandalen kommt, wie diskriminierender KI oder Sicherheitslecks, sondern wir wollen Technologien gleich so gestalten, dass auch tatsächlich Vertrauen in diese besteht. Ich glaube, wir wollen auch nicht, dass sich Marktmacht manifestiert, indem sich proprietäre Standards entwickeln.
Normierung kann hier einen Spielraum geben, um Innovation zu gestalten. Sie hilft uns, diesen Gestaltungsspielraum selbst zu schreiben, statt reguliert zu werden. Und gleichzeitig helfen die Normen regulierenden Behörden, sich nicht auf der Detailebene zu verlieren.
Deswegen ist es so wichtig, Normen von Anfang an zu denken und damit Standards für Technologie, Produkte und Dienstleistungen zu setzen.
Wie wichtig ist es, dass sich Unternehmen und Forschungseinrichtungen gerade jetzt engagieren?
Ich glaube, wir schreiben mit Normung einen unsichtbaren Code dafür, wie unsere Zukunft aussieht.
Deswegen halte ich es für extrem wichtig, dass hier alle Stakeholder zusammenspielen. Normung gestaltet zukünftige Werte: Wie können digitale Identitäten in der Zukunft aussehen? Wie sieht KI aus? Wie können wir künftig den Klima-Impact messbar machen?
Das ist gerade für Forschungsinstitute spannend: Wir können Zukunftsvisionen einbringen und das Idealbild aufzeigen. Und gleichzeitig bekommen wir die Rückmeldung aus der Praxis dazu, was überhaupt machbar und sinnvoll ist.
Für Unternehmen ist Standardisierung Strategie: Schreibt man beispielsweise als Start-up oder als KMU an Normen mit, kann man mit Großkonzernen auf Augenhöhe die Branche der Zukunft gestalten.
Entsprechend gilt: Entweder man arbeitet heute daran mit, oder man übernimmt gegebenenfalls morgen Normen, die andere erarbeitet haben.
Deswegen glaube ich auch, dass ein Querschnitt und damit Diversität wichtig ist: sowohl fachlich als auch in Bezug auf die Stakeholder. Letztlich geht es darum, dass alle zusammenarbeiten – an einem Konsens.
Der Code der Zukunft braucht Ihr Engagement
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