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DIN-Normenausschuss Bauwesen (NABau)

FAQ zum Thema Bauen und Normen

Deutschland steht angesichts umfangreicher Veränderungen vor großen Herausforderungen. Die Bauwirtschaft ist einer der größten Arbeitgeber der deutschen Volkswirtschaft. Der gesamte Bausektor benötigt verlässliche und aktuelle Rahmenbedingungen für das Planen, Bauen und Betreiben von Bauwerken. Normung leistet einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung dieser Rahmenbedingungen und stärkt den europäischen Binnenmarkt.

Normung und Normen sind auch Bestandteil der aktuellen Diskussionen zum Bauen und zu den Baukosten. An dieser Stelle möchten wir auf einige immer wieder gestellte Fragen zum Thema Baunormung eingehen.

Ihr Ansprechpartner

DIN e. V.

Sebastian Edelhoff

Saatwinkler Damm 42/43
13627 Berlin

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DIN-Prozesse

Wie verläuft der Entscheidungsprozess zur Besetzung der Normenausschüsse bei DIN? Ausblenden

Gemäß DIN 820-1 und der Richtlinie für Normenausschüsse entscheiden die Normungsgremien über ihre Zusammensetzung jeweils selbst.

Bei der Auswahl seiner Gremienmitglieder hat der einzelne Arbeitsausschuss insbesondere zu berücksichtigen, dass

  • seine Zusammensetzung den Besonderheiten seines Arbeitsgebietes angemessen ist;
  • die Erkenntnisse der Wissenschaft und der jeweilige Stand der Technik in die Normungsarbeit eingebracht werden,
  • die Kontinuität seiner Arbeit sichergestellt ist.

Entsprechend der DIN 820-1 ist bei der Zusammensetzung der Arbeitsausschüsse der Grundsatz zu berücksichtigen, dass die interessierten Kreise in einem angemessenen Verhältnis zueinander vertreten sind. In Streitfällen kann das Lenkungsgremium des zuständigen Normenausschusses, danach die Geschäftsleitung von DIN und letztlich das Präsidium von DIN angerufen werden.

Warum wird die personelle und institutionelle Zusammensetzung der jeweiligen Normenausschüsse von DIN bislang nicht veröffentlicht? Einblenden

Die fachliche Arbeit wird von durch die interessierten Kreise entsandten Experten geleistet, die dabei von hauptamtlichen Bearbeitern von DIN unterstützt werden. Die Experten sind Fachleute aus den interessierten Kreisen (z. B. Anwender, Behörden, Berufs-, Fach-, und Hochschulen, Handel, Handwerkswirtschaft, gesetzliche Unfallversicherungen, industrielle Hersteller, Prüfinstitute, Sachversicherer, selbständige Sachverständige, Technische Überwacher, Umweltschutzverbände, Verbraucher, Wissenschaft, gesellschaftspolitische Interessensverbände). Die Experten  müssen von den sie entsendenden Stellen (z. B. Ausbildungs- und Forschungsinstitutionen, Behörden, Unternehmen, Instituten, Verbänden, Vereinen) für die Arbeit in den Arbeits- und Lenkungsgremien autorisiert und entscheidungsbefugt sein.

Bei der Zusammensetzung der Arbeitsausschüsse ist der Grundsatz zu berücksichtigen, dass die interessierten Kreise in einem angemessenen Verhältnis zueinander vertreten sind. Die Normungsgremien und deren Lenkungsgremien haben die Aufgabe, die ausgewogene Besetzung der einzelnen Gremien zu überprüfen.

Die Zusammensetzung der Normenausschüsse auf Basis der interessierten Kreise wird der Öffentlichkeit auf den Webseiten der DIN-Normenausschüsse bereitgestellt. Dies gilt auch für den NABau, siehe https://www.din.de/de/mitwirken/normenausschuesse/nabau.

Eine Veröffentlichung der personellen Zusammensetzung der Normungsgremien ist nach DIN Regularien nicht vorgesehen, u. a. um zu vermeiden, dass Versuche unternommen werden, Experten bei der Meinungsbildung unsachlich zu beeinflussen. Unter Beachtung der EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) ist eine Veröffentlichung personenbezogener Daten nicht ohne weiteres möglich.

Welche Möglichkeiten zur (digitalen) Partizipation an der Normung gibt es? Einblenden

Normen entwickeln diejenigen, die sie später anwenden. Damit der Markt die Normen akzeptiert, sind eine breite Beteiligung, Transparenz und Konsens Grundprinzipien bei DIN. Jeder kann einen Antrag auf Normung stellen. Alle an einem Thema interessierten Kreise erhalten die Möglichkeit, mitzuwirken und ihre Expertise einzubringen. Ein formloser Antrag auf Mitarbeit im Normungsgremium kann an den jeweiligen Normenausschuss gestellt werden.

Vor der Verabschiedung werden die Norm-Entwürfe in der Regel für eine Dauer von zwei Monaten öffentlich gemacht und zur Diskussion gestellt (z. B. über das Norm-Entwurfs-Portal). Stellungnahmen von externen Einsprechern müssen im zuständigen Arbeitsausschuss beraten werden. Dabei sind die Stellungnehmenden zur Beratung einzuladen, damit sie ihre Stellungnahme gegenüber dem Arbeitsausschuss vertreten können.

Der Normungsprozess wird bei DIN bereits regelmäßig der technischen Entwicklung angepasst. Im frei zugänglichen Norm-Entwurfs-Portal werden alle Normentwürfe kostenfrei und digital im Rahmen einer öffentlichen Konsultation bereitgestellt und können dort direkt kommentiert werden.

Es ist den Gremienmitgliedern möglich, an Abstimmungen und Sitzungen digital teilzunehmen. Dabei nutzt DIN aktuelle Dokumentverwaltungssysteme und Abstimmungstools. Viele Sitzungen finden bereits als Webkonferenzen statt, bei weiteren Sitzungen ist die parallele virtuelle Teilnahme möglich. Mögliche Eintrittsbarrieren zur Beteiligung an der Normung wurden durch diese Möglichkeiten der digitalen Partizipation bereits weitgehend reduziert.

DIN hat außerdem entsprechende Aktivitäten zur digitalen Partizipation auf CEN/CENELEC- und ISO/IEC-Ebene mit initiiert und treibt diese voran.

Warum wird eine Norm erarbeitet, wie läuft der Normungsprozess ab und wer arbeitet daran mit? Einblenden

Normen sind das Ergebnis nationaler, europäischer oder internationaler Normungsarbeit. Normungsvorhaben werden auf formlosen Antrag der Fachöffentlichkeit und nach Genehmigung des jeweiligen Lenkungsgremiums initiiert. Normen werden von Ausschüssen bei DIN, bei den europäischen Normungsorganisationen CEN/CENELEC oder bei den internationalen Normungsorganisationen ISO/IEC nach festgelegten Grundsätzen, Verfahrens- und Gestaltungsregeln erarbeitet.

An der Ausschussarbeit können sich interessierten Kreise beteiligen, beispielsweise Hersteller, Verbraucher, Handel, Hochschulen, Forschungsinstitute, Behörden oder Prüfinstitute. Diese entsenden ihre Experten in die DIN-Arbeitsgremien, die in Normenausschüssen nach Fachgebieten organisiert sind. Durch die Entsendung von Experten in europäische bzw. internationale Gremien werden die deutschen Interessen bei CEN/CENELEC und ISO/IEC vertreten. Die Mitarbeiter von DIN organisieren die Normungsarbeit auf deutscher, europäischer und internationaler Ebene. Dadurch wird die Einheitlichkeit und Widerspruchsfreiheit des Deutschen Normenwerkes sichergestellt.

Normen entstehen im Konsens. Das heißt, die der Normungsarbeit von DIN zugrunde liegenden Regeln garantieren ein für alle interessierten Kreise faires Verfahren, dessen Kern die ausgewogene Berücksichtigung aller Interessen bei der Meinungsbildung ist. Der Inhalt einer Norm wird dabei mit dem Bemühen festgelegt, eine gemeinsame Auffassung zu erreichen, die allgemeine Zustimmung findet.

Weitere Informationen zur Entstehung einer Norm finden Sie hier: https://www.din.de/de/ueber-normen-und-standards/din-norm

Wie lang ist die durchschnittliche Gültigkeit einer Norm bis zu ihrer Überarbeitung? Einblenden

Das Verfahren zur regelmäßigen Überprüfung der Normen (alle fünf Jahre) ermöglicht ein stabiles Normenwerk, welches bei Bedarf an den technischen und regulatorischen Wandel angepasst wird. Normen im Baubereich werden nach durchschnittlich zehn Jahren überarbeitet oder zurückgezogen.

Warum wird eine Norm überarbeitet und was passiert mit einer ggf. bereits existierenden Norm im Falle einer Überarbeitung? Einblenden

Normen werden spätestens alle fünf Jahre auf Aktualität überprüft. Entspricht eine Norm nicht mehr dem Stand der Technik, so wird ihr Inhalt überarbeitet oder die Norm zurückgezogen. Außerhalb der regelmäßigen Überprüfung kann auf formlosen Antrag der Fachöffentlichkeit und nach Genehmigung des jeweiligen Lenkungsgremiums ein Normungsvorhaben zur Überarbeitung einer bestehenden Norm angestoßen werden. Bei einer erfolgten Überarbeitung ersetzt die aktualisierte Version die Vorgängerversion, welche damit zurückgezogen wird.

Ist DIN auch als Zertifizierer tätig? Einblenden

Das Deutsche Institut für Normung e.V. (DIN) ist als Zertifizierer nicht tätig und nimmt auch keine sonstigen Konformitätsbewertungen vor.

Wer sitzt im Präsidium von DIN? Einblenden

Die Zusammensetzung des DIN-Präsidiums ist öffentlich einsehbar unter: https://www.din.de/de/din-und-seine-partner/din-e-v/organisation/praesidium


Wer legt Prüfverfahren in Normen fest? Einblenden

Prüfnormen dienen der Sicherstellung der Einheitlichkeit, Vergleichbarkeit und der Sicherheit von Produkten und Dienstleistungen. Mit diesen Prüfverfahren werden z.B. die wesentlichen Merkmale, über die ein Bauprodukt verfügen soll, geprüft, um bestimmte Bauwerksanforderungen wie Standsicherheit, Brandschutz, Schall- und Wärmeschutz sowie Anforderungen an den Umwelt- und Gesundheitsschutz erfüllen zu können.

Prüfverfahren einer Norm werden in den Normungsgremien festgelegt und verabschiedet. Die entsprechenden Norm-Entwürfe werden im frei zugänglichen Norm-Entwurfs-Portal zur Kommentierung durch die Öffentlichkeit bereitgestellt. Die Fachöffentlichkeit kann somit auf die Praxistauglichkeit der Prüfverfahren Einfluss nehmen.

An wen können sich Personen oder Unternehmen mit Beschwerden über DIN oder einzelne Arbeitsweisen oder andere Aktivitäten von DIN wenden? Einblenden

Die nationalen, europäischen und internationalen Normungsregeln sind für die Öffentlichkeit zugänglich (https://www.din.de/de/ueber-normen-und-standards/din-norm). In Deutschland sind die Verfahrensregeln in der DIN 820 festgelegt. Bei Interessenskonflikten hat zunächst die Beratung im zuständigen Arbeitsausschuss zu erfolgen. Anschließend kann das Lenkungsgremium hinzugezogen werden. Sollte beispielsweise ein Stellungnehmer mit der Entscheidung des zuständigen Arbeitsausschusses über seine Stellungnahme nicht einverstanden sein, kann er sich an den Vorsitzenden des Normenausschusses wenden und Schlichtung beantragen. Sollte am Ende dieser Schlichtung noch immer kein Konsens gefunden worden sein, kann ein Schiedsverfahren unter Einbeziehung des DIN-Präsidiums einberufen werden.

Sonstigen Fragen und Anregungen können an den Beirat des jeweiligen Normenausschusses, die Leitung des DIN e.V. und das DIN-Präsidium gestellt werden.

Öffentliche Hand

Inwieweit sind Parlamente des Bundes und der Länder an der Entstehung von Normen beteiligt? Ausblenden

Normen werden in Normungsgremien erarbeitet. Bauordnungsrecht ist Sache der Fachverwaltungen der Länder. Daher beteiligen sich die Bauaufsichtsbehörden der Länder an einzelnen (bauaufsichtlich relevanten) Normen durch Mitarbeit in Normungsgremien von DIN. Das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) ist eine Kompetenzstelle aller Länder für bauaufsichtliche Belange. Auch das DIBt ist in verschiedenen Normungsgremien vertreten und bringt die Belange der Bauaufsicht ein.

Welche Mittel flossen in den letzten 10 Jahren aus dem Bundeshaushalt an das Deutsche Institut für Normung? Einblenden

Die Zuschüsse der öffentlichen Hand für alle Normungsbereiche, nicht nur im Baubereich, haben sich im Zeitverlauf erheblich vermindert, wie die nachfolgende Grafik für die vergangenen 10 Jahre zeigt. Im Jahr 2017 hatten alle öffentlichen Mittel (inklusive der Ländermittel) einen Anteil von etwa 9 % am Gesamtbudget von DIN e. V.



Inwieweit ist die öffentliche Hand bei DIN vertreten? Einblenden

Vertreter mehrerer Bundesministerien und Vertreter der Länder sind im Präsidium von DIN vertreten, welches die Grundsätze der Geschäfts- und Finanzpolitik von DIN festlegt und ihre Durchführung und Einhaltung kontrolliert.

Weiterhin ist das BMWi sowohl im Finanzausschuss von DIN als auch in verschiedenen Lenkungsgremien aktiv. Vertreter der Bundesregierung und der Länder sind in Beiräten der Normenausschüsse bis hin zu einzelnen Arbeitsausschüssen aktiv. Ein Austausch zwischen den für Normung zuständigen Stellen des BMWi und der Länder mit DIN findet auf verschiedenen Ebenen regelmäßig statt. Die Beteiligung der öffentlichen Hand im Normenausschuss Bauwesen wird in eigener Zuständigkeit zwischen Bund, Länder und Kommunen abgestimmt. Das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt), als Kompetenzstelle aller Länder für bauaufsichtliche Belange, ist in mehreren Gremien des NABau vertreten.

Das BMWi koordiniert darüber hinaus die nationalen und europäischen Normungsinteressen der Bundesressorts mit dem Kreis der Normungskoordinatoren und im Normungsausschuss der EU.

Die öffentliche Hand unterstützt ausdrücklich die Deutsche Normungsstrategie (https://www.din.de/de/din-und-seine-partner/din-e-v/deutsche-normungsstrategie) in der folgende Ziele formuliert sind:

  • Ziel 1: Der internationale und europäische Handel ist durch Normung und Standardisierung erleichtert.
  • Ziel 2: Normung und Standardisierung entlasten und unterstützen die staatliche Regelsetzung.
  • Ziel 3: Deutschland treibt weltweit Normung und Standardisierung in Zukunftsthemen durch Vernetzung von Interessensgruppen, den Aufbau neuer Prozesse und offener Plattformen zur Koordination voran.
  • Ziel 4: Wirtschaft und Gesellschaft sind die treibenden Kräfte in Normung und Standardisierung.
  • Ziel 5: Normung und Standardisierung werden insbesondere von Unter-nehmen als strategisches und attraktives Instrument genutzt.
  • Ziel 6: In der öffentlichen Wahrnehmung besitzt Normung einen hohen Stellenwert.

Rechtliche Aspekte

Inwieweit werden Normen durch Bezugnahme in Bundes- oder Landesgesetzen rechtsverbindlich und welche rechtliche Verbindlichkeit haben Normen, die in Bundes- oder Landesgesetzen keine Erwähnung finden? Ausblenden

Die Anwendung von Normen ist grundsätzlich freiwillig. Normen sind nicht bindend, das unterscheidet sie von Gesetzen. Rechtsverbindlichkeit können Normen erlangen, wenn Gesetze oder Rechtsverordnungen wie zum Beispiel EU-Richtlinien auf sie verweisen. Daneben können Vertragspartner die Anwendung von Normen auch in Vereinbarungen verbindlich festlegen.

Es wird auf folgende Seite verwiesen:

https://www.din.de/de/ueber-normen-und-standards/normen-und-recht/rechtsverbindlichkeit-durch-normen

Inwieweit sind Privatpersonen dazu verpflichtet Normen anzuwenden und somit zu erwerben, z.B. beim Hausbau? Einblenden

Die Anwendung von Normen ist grundsätzlich freiwillig. Normen sind nicht bindend, das unterscheidet sie von Gesetzen. Rechtsverbindlichkeit erlangen Normen, wenn Gesetze oder Rechtsverordnungen wie zum Beispiel EU-Verordnungen auf sie verweisen. Daneben können Vertragspartner die Anwendung von Normen auch in Vereinbarungen verbindlich festlegen.

Regelmäßig wird die technische Planung beim Bauen durch Privatpersonen an Dritte (z. B. Planer, Architekten, Bauausführende etc.) delegiert bzw. vergeben, die somit die Verantwortung für die Einhaltung der anzuwendenden Normen tragen.

Über die Beuth Verlag GmbH (https://www.beuth.de) können Normen kostenpflichtig erworben werden.

Alternativ hat jeder Interessierte die Möglichkeit über die Normen-Infopoints, Normen vor Ort kostenfrei einzusehen. Über die Webseite https://www.beuth.de/de/regelwerke/auslegestellen können alle Normen-Infopoints lokalisiert werden.

Die Beuth Verlag GmbH (https://www.beuth.de) hat darüber hinaus eine Reihe unterschiedlicher Angebote mit dem Fokus KMU kostengünstig in seinem Produktangebot. Beispielsweise sind für das „Normenportal Architektur“ (Online-Dienst)  zurzeit  Mittel ab € 294 p. a. aufzuwenden (Stand Januar 2019). Dieses Normenportal wurde in Zusammenarbeit mit den Länderarchitektenkammern, unterstützt durch die Bundesarchitektenkammer, als Service für ihre Mitglieder konzipiert. Es ermöglicht jederzeit den direkten Online-Zugriff auf rund 500  Normen.

Bauwesen und wirtschaftliche Aspekte

Wurde der Sonder-Präsidialausschuss bei DIN als Ergebnis der Baukostensenkungskommission (in 2015) eingesetzt und welche konkreten Ergebnisse liegen hier vor? Ausblenden

Der DIN-Sonderpräsidialausschuss Bauwerke wurde auf Basis eines Beschlusses des DIN-Präsidiums eingerichtet. In diesem Ausschuss sind Vertreter der öffentlichen Hand (Bund, Länder und Kommunen) sowie Vertreter der Wirtschaft (verschiedene Verbände) und Gesellschaft (z. B. Verbraucherrat) aktiv. Als wesentliches Ergebnis der Beratungen wurde die „Normungsroadmap Bauwerke“ veröffentlicht. Diese unter Beteiligung der breiten Fachöffentlichkeit erarbeitete Normungsroadmap beinhaltet die abgestimmte Sichtweise zu zentralen Themen der Baunormung. Die Aktivitäten zur Implementierung einer Folgekostenabschätzung in den Normungsprozess sind dabei neben anderen Maßnahmen ein wesentlicher Punkt zur Umsetzung der Forderungen der Baukostensenkungskommission.

Die Normungsroadmap Bauwerke formuliert folgende wesentliche strategische Forderungen:

  • Normung muss relevant und zielorientiert sein;
  • Normung muss transparent und leistbar sein;
  • Normung muss praxisgerecht und europäisch orientiert sein;
  • Normen müssen lesbar und anwendbar sein;
  • Normen müssen rechtssicher sein;
  • Normen müssen Wirtschaftlichkeit sicherstellen.

https://www.din.de/de/mitwirken/normenausschuesse/nabau/normung-soll-bauwerke-sicherer-und-das-bauen-wirtschaftlicher-machen-259756

Wie hat sich die Anzahl der baurelevanten DIN-Normen in den letzten 10 Jahren entwickelt? Einblenden

Das deutsche Normenwerk umfasst zurzeit etwa 3750 baurelevante Normen, die in den Normenausschüsse Bauwesen (NABau), Wasserwesen (NAW) und Heiz- und Raumlufttechnik sowie deren Sicherheit (NHRS) erarbeitet wurden. Diese Zahl beinhaltet rein nationale Normen und in das deutsche Normenwerk übernommene europäische und internationale Normen.

Die Anzahl der baurelevanten Normen hat sich in den letzten 10 Jahren wie folgt verändert:


Jahr

2008

2018

Differenz

davon europäisch

NABau

1910

2254

344

323

NAW

1005

1205

200

192

NHRS

237

295

58

57


Wie viele der bauwerksrelevanten Normen sind rein national, wie viele europäisch? Einblenden

Die Mehrzahl der in den letzten Jahren neu veröffentlichten Normen sind Europäische Normen. Diese gelten in allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union einheitlich, vgl. https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:52018XC0309(09).

Europäische Normen werden im privatwirtschaftlich organisierten Europäischen Komitee für Normung erarbeitet (CEN und CENELEC). Sie müssen nach deren Regeln von den nationalen Normungsorganisationen unverändert als nationale Normen übernommen werden. Entgegenstehende nationale Normen sind zurückzuziehen, um Doppelnormung zu vermeiden und gleiche Regeln im EU-Binnenmarkt zu schaffen. Einige nationale Normen werden aufgrund von Regelungsdefiziten in den europäischen Normen in Teilen, z.B. als Verwendungs- oder Bemessungsnormen, beibehalten.

Die folgende Grafik zeigt die bauwerksrelevanten Normen (Stand 2017) der beteiligten nationalen Normenausschüsse NABau, NAW und NHRS nach deren Herkunft.


Gibt es einen Zusammenhang zwischen einem Anstieg der Baukosten und Normen? Einblenden

Die durch Normen und Standards ermöglichte Rationalisierung trägt entscheidend zur Senkung der Entstehungs- und Unterhaltskosten im Bauwesen bei. Normen und Standards können jedoch in Einzelfällen, ebenso wie gesetzliche Regelungen, im Baubereich zu Folgekosten führen. Es gibt eine größere Zahl von Ursachen für steigende Baukosten. Dies hat auch die Baukostensenkungskommission bereits festgestellt. Hier sind neben den stark steigenden Grunderwerbskosten, die nach vielen schwachen Jahren durch die starke Baukonjunktur verursachte Knappheit von Handwerker- und Bauleistungen sowie steigende Anforderungen des Gesetzgebers, aber auch der Nutzer zu nennen.

Die InWIS-Studie "Instrumentenkasten für wichtige Handlungsfelder der Wohnungsbaupolitik" aus dem Jahr 2016 führt zu den Baukosten aus, dass zwei Drittel des Anstieges der Bauwerkskosten auf den Anstieg der Preise für Bauleistungen zurückzuführen sind:

"Die Bauwerkskosten (Kostengruppe 300 und 400 der DIN 276) für das Typengebäude sind seit dem 1. Quartal 2000 bis zum 1. Quartal 2016 um 49 Prozent gestiegen (vgl. Abbildung 6). Ein großer Teil davon – 31 Prozentpunkte oder rund zwei Drittel des Anstiegs – ist auf den Anstieg der Preise für Bauleistungen zurückzuführen. Bis zur Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar 2007 ist der Anstieg der Baupreise hinter der allgemeinen Entwicklung der Lebenshaltungskosten zurückgeblieben, danach haben sich Baupreise und Lebenshaltungskosten bis zum Jahr 2013 parallel verteuert. Während die Verbraucherpreise seit 2013 stagnieren, steigen die Preise für Bauleistungen dagegen kontinuierlich weiter an."

Aktuell (Ende 2018) wurde im Auftrag von DIN ein Gutachten zur Kostenrelevanz durchgeführt, bei dem exemplarisch drei Normen genauer betrachtet wurden. Im Ergebnis wurden lediglich geringfügig höhere oder geringere Erfüllungskosten verglichen mit den jeweiligen Vorgängernormen festgestellt.

Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung sieht die Einführung einer Folgekostenabschätzung für neue Baunormen vor. Dies wurde auf dem Wohngipfel gemeinsam mit den Ländern bekräftigt. Bund und Länder stimmen derzeit die Einrichtung einer unabhängigen Stelle zur Kostenbewertung von Baunormen nach dem Modell des Normenkontrollrates der Bundesregierung ab. Hiermit soll zukünftig mehr Transparenz geschaffen werden.

Ein Pilotprojekt der Bundesregierung zur Prüfung der Folgekosten von Baunormen soll noch in 2019 an den Start gehen.

Welche Rolle spielen Normen in der Musterbauordnung (MBO)? Einblenden

Die Musterbauordnung (MBO) selbst enthält keine Verweise auf DIN-Normen. Sie enthält aber in § 3 Vorgaben für allgemeine bauaufsichtliche Anforderungen, die durch Technische Baubestimmungen konkretisiert werden können (§ 85a MBO). Zu diesen Technischen Baubestimmungen gehören auch DIN-Normen.

Normen konkretisieren die durch den Gesetzgeber vorgegebenen Schutzziele für Sicherheit, Umwelt und Gesundheit, zeigen Produktanforderungen wie Mengen, Maße und Mischungsverhältnisse auf und beschreiben einheitliche Prüfverfahren, um die Einhaltung von Mindestanforderungen sicherzustellen.

Die Länderbauordnungen nehmen die Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB) in Bezug. Diese enthält die technischen Regeln für die Planung, Bemessung und Ausführung von Bauwerken und Regelungen für Bauprodukte. Innerhalb der MVV TB werden derzeit etwa 550 Normen in Bezug genommen.

Welchen volkswirtschaftlichen Nutzen haben Normen? Einblenden

Der gesamtwirtschaftliche Nutzen der Normung wurde wissenschaftlich zwischen 0,2 % (Kanada) und 0,9% (Deutschland) der Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes festgestellt, in Deutschland wurde ein Wert von über 16 Mrd. € p. a. ermittelt. Zum Nutzen der Normung sei auf die Studie „Der gesamtwirtschaftliche Nutzen der Normung“ hingewiesen, welche hier zu finden ist: https://www.din.de/de/ueber-normen-und-standards/nutzen-fuer-die-wirtschaft/nutzen-fuer-die-wirtschaft-69368

Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2018 kommt zu dem Ergebnis, dass in den nordischen Ländern 28 % des BIP-Wachstums zwischen 1976 und 2014 im Zusammenhang mit Normung und Standardisierung zu bringen sind: https://www.standard.no/en/toppvalg/about-us/new-study-standards-increase-economic-growth-and-help-companies-access-foreign-markets/summary-the-influence-of-standards-on-the-nordic-economies/#.XEHLoflKiCi

Wer überprüft eine Norm auf Kosten-Nutzen-Effizienz? Einblenden

Die Normungsgremien berücksichtigen sowohl bei der Erarbeitung, der Überprüfung und der Überarbeitung von Normen die wirtschaftlichen Gegebenheiten. Dies wird durch die ausgewogene Zusammensetzung der Gremien und die damit verbundene Einbringung unterschiedlicher Interessen sichergestellt.

Im Rahmen der bauaufsichtlichen Einführung von Normen, die im Zuständigkeitsbereich der Länder liegt, sind u.a. die Bauwerkssicherheit, der Gesundheits- und Umweltschutz sowie Wirtschaftlichkeitsaspekte Gegenstand der Prüfung. 

Die unter Beteiligung der breiten Fachöffentlichkeit erarbeitete „Normungsroadmap Bauwerke“ beinhaltet die abgestimmte Sichtweise zu zentralen Themen der Baunormung. Die Aktivitäten zur Implementierung einer Folgekostenabschätzung in den Normungsprozess sind dabei neben anderen Maßnahmen ein wesentlicher Punkt zur Umsetzung der aufgestellten Forderungen.

https://www.din.de/de/mitwirken/normenausschuesse/nabau/normung-soll-bauwerke-sicherer-und-das-bauen-wirtschaftlicher-machen-259756

Bund und Länder stimmen derzeit die Einrichtung einer unabhängigen Stelle zur Kostenbewertung von Baunormen nach dem Modell des Normenkontrollrates der Bundesregierung ab. Hiermit soll zukünftig mehr Transparenz geschaffen werden. Ein Pilotprojekt der Bundesregierung zur Prüfung der Folgekosten von Baunormen soll noch in 2019 an den Start gehen.