TÜV NORD GROUP, Reaktortechnik und Strahlenschutz, Hannover

Interview mit Jürgen Feldmann, Sachverständiger für Strahlenschutz im Bereich Röntgentechnik

Jürgen Feldmann
Jürgen Feldmann
© TÜV Nord

Weil verlässliche Grenzwerte vor Schäden schützen: TÜV NORD GROUP leuchtet das weite Feld
des Strahlenschutzes in der medizinischen Röntgendiagnostik aus.

„Normen und Standards sind wichtig, dennoch müssen wir aufpassen, Dinge nicht überzuregulieren.“
 

Das Interview

Warum und seit wann engagieren Sie sich in der Normung?
Am Anfang, 2008, war ich zunächst als Gast dabei. Im Jahr 2010 habe ich dann für einen Kollegen, der auf dem Weg in den Ruhestand war, die Mitarbeit beim DIN übernommen. Die Normen betreffen mein Arbeitsgebiet, den Strahlenschutz, ganz direkt. Hier möchte ich natürlich aktiv mitgestalten und Normenentwürfe verbessern. Auch der Informationsaustausch mit Fachleuten aus anderen Richtungen interessiert mich sehr.

In welchen Normungsgremien sind Sie vertreten?
Die Arbeitsgruppe Strahlenschutz im Normenausschuss Radiologie „NAR“, in dem ich mitarbeite, wurde erst vor zwei Jahren von DIN übernommen. Vorher handelte es sich um einen externen Normungsarbeitskreis. Seitdem wir Teil von DIN sind, haben sich unsere Prozesse stark verbessert.

Welche Normungsthemen sind in der Corona-Krise für TÜV NORD GROUP in den Vordergrund gerückt?
Bei meiner Arbeit habe ich bisher kaum Auswirkungen der Corona-Pandemie wahrgenommen. Für Kollegen und Kolleginnen in anderen Bereichen sind neue Themenfelder hinzugekommen, wie etwa die Prüfung von Atemschutzmasken.

Wie hat die Corona-Pandemie Ihre persönliche Gremienarbeit beeinflusst?
Ich finde, dass wir jetzt effektiver arbeiten als vorher. Die Besprechung von Themen fällt präziser aus, die schriftliche Dokumentation ist umfangreicher. Das hebt die Qualität unserer Ergebnisse. Trotzdem fehlt mir auch der persönliche Kontakt. Im direkten Gespräch entstehen
mehr Ideen.

Was ist Ihnen bei der Normungsarbeit besonders wichtig?
Normen müssen erfüllbar sein. Wir dürfen nicht vergessen, dass Normen keine Gesetze sind, sondern freiwillig angewendet werden. Wenn wir die Schraube zu fest anziehen, also extrem hohe technische Standards festlegen, hebeln wir die Loyalität gegenüber den Normen aus. Beispiel Hygieneregeln: Was in einem Operationssaal wichtig und sinnvoll ist, funktioniert womöglich in einer Hausarztpraxis nicht.

Konnten Sie schon Normen auf den Weg bringen?
Aktuell wirke ich federführend an der Überarbeitung der DIN 6815 für die Überprüfung des Strahlenschutzes bei medizinischen Röntgenanlagen mit. Unser Entwurf wurde veröffentlicht, und bis zum 14. Oktober erwarten wir die Rückmeldungen und Einsprüche der anderen Experten.

Welche Vorteile hat Ihr Unternehmen dadurch am Markt?
TÜV NORD als Ganzes betrachtet, ist mit über 14.000 Mitarbeitenden ein globaler Dienstleister für Technologie und Sicherheit. Strahlenschutz ist einer von vielen Bereichen. Meine Normungsarbeit bringt vor allem Vorteile für meinen konkreten Arbeitsbereich. Darüber hinaus profitieren wir von dem regen Informationsaustausch bei DIN.

An welchen Netzwerkveranstaltungen nehmen Sie teil – was vermissen Sie bei DIN?
Ich konzentriere mich vor allem auf die Gremienarbeit und nutze dort die Möglichkeiten zum Austauschen und Netzwerken. Insgesamt bin ich mit und bei DIN sehr zufrieden und vermisse nichts.

Welchen Tipp geben Sie Unternehmen, die in der Normung aktiv werden wollen?
Ich empfehle, zunächst als Gast in einen Normenausschuss zu gehen – nicht nur einmal, sondern mehrmals. So bekommt man ein Bild über die Arbeitsweisen. Außerdem sollte man sich im Vorfeld überlegen, was man erreichen möchte und welches Ziel man anstrebt.

Welche Zukunftsthemen kommen auf Ihre Branche zu? Wie können Normen dabei helfen?
Digitalisierung und Automatisierung werden in der Prüfwerterfassung immer wichtiger; ganze Arbeitsgebiete oder Aufgabenfelder wandeln sich dadurch. Wenn ich in die Glaskugel schauen könnte, würde ich sehen, dass der Druck auf die Absenkung von Dosisgrenzwerten zunimmt. Irgendwann werden wir mit kleineren Grenzwerten leben müssen. Wie diese dann auch für ältere Produkte gelten, lässt sich in Normen definieren.


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Messung der Ortsdosisleistung eines Durchleuchtungsgeräts
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