Die ZwickRoell GmbH & Co. KG, Ulm

Interview mit Dipl.-Ing. Erik Berndt, Branchenmanager – Medizintechnik- und Pharmaindustrie

Dipl.-Ing. Erik Berndt, ZwickRoell
© ZwickRoell GmbH & Co. KG

Weil Gesundheitsschutz weltweit verlässliche Standards braucht: ZwickRoell stellt alle einschlägigen Materialien, Technologien und Innovationen auf den Prüfstand.

„In der Corona-Krise hat DIN seine Verantwortung sofort wahrgenommen und Normen für medizinische Ausrüstung kostenlos abgegeben. Wenn ich nicht schon dabei wäre, daraufhin hätte ich einen Mitgliedsantrag gestellt.“

Das Interview

Warum und seit wann engagieren Sie sich in der Normung?
Bei ZwickRoell hat die Normungsarbeit seit 20 Jahren Tradition. Unsere Branchenspezialisten
wirken in mehr als 15 Normenausschüssen mit. Das liegt daran, dass wir als Prüfspezialisten
für verschiedenste Industrien Werkstoffe prüfen, wie z.B. für Kunststoff, Gummi, Metall und
andere. Ich selbst bin seit 2016 für den Bereich Medizintechnik und Pharma dabei.

In welchen Normungsgremien sind Sie vertreten?
Aktuell arbeite ich in den DIN-Fachausschüssen „Injektionssysteme“ sowie „Katheter und
Drainagen“ mit. Aber Normung hat ja eine globale Dimension, deshalb bin ich über DIN auch
bei ISO eingestiegen und wurde dort in den Technischen Ausschuss 84 berufen.

Welche Normungsthemen sind in der Corona-Krise für Ihr Unternehmen in den Vordergrund gerückt?
Die Anfragen zu Maskenprüfungen sind bei uns explodiert. DIN und ISO haben in der Corona-Krise wirklich schnell reagiert und die Normen für Masken, Beatmungsgeräte und Handschuhe kostenlos freigegeben. Entsprechend zügig hat ZwickRoell als Hersteller von Prüfgeräten die Normen auf technische Relevanz überprüft und konnte direkt die Hersteller für diese dringend benötigten Produkte zu den Prüfanforderungen beraten.

Wie hat die Corona-Pandemie Ihre persönliche Gremienarbeit beeinflusst?
Leider gibt es seit Monaten keine Präsenzveranstaltungen. Auch fehlt mir das informelle Gespräch und der Austausch mit Fachleuten aus anderen Bereichen. Aber so geht es ja allen. Der Zeitdruck durch den Einstieg von neuen Herstellern für Masken hat für mich neue Belastungen gebracht. Ich musste mich intensiv und mit viel Zeitaufwand in das Thema einarbeiten.

Was ist Ihnen bei der Normungsarbeit besonders wichtig?
Normen werden immer spezieller und zugleich abstrakter. Ich halte die Verständlichkeit von Normen aber für essenziell. Deshalb achte ich als Techniker grundsätzlich bei mechanischen Prüfungen darauf, dass diese richtig beschrieben sind. Und ich kämpfe auch dafür, dass diese Angaben als Information in der Norm bleiben, zuletzt zum Beispiel bei Insulinkarpulentestungen.

Konnten Sie schon Normen auf den Weg bringen?
Ja, im Katheterbereich bei DIN. Und bei ISO ist die 11608 Normenserie für Injektionssysteme gut unterwegs. Allerdings kann es wegen der häufigen Überarbeitungen von Normen bis zur Veröffentlichung recht lang dauern. Zum Beispiel hatte sich in die ISO 7886-1 für Einmalspritzen der Widerspruch zwischen dem metrischen System und dem imperialen System mit Inch, Foot usw. eingeschlichen. Diesen gravierenden Fehler konnte ich buchstäblich in letzter Minute aus der Norm entfernen.

Welche Vorteile hat Ihr Unternehmen bzw. haben Ihre Produkte dadurch am Markt?
Die Learnings aus unseren Prüfvorgängen sind extrem wichtig für die gesamte Branche. Dabei lassen sich die Bereiche Medizintechnik und Pharma längst nicht mehr trennen. Das zeigen Innovationen, wie die Onbody-Drug-Delivery-Systeme: von Wearables für den Alltag bis hin zu Drug-eluting-Stents für die Gefäßchirurgie. Solche Produkte machen die Anforderungen an unsere Prüfvorgänge stetig komplexer. Daran angepasst entwickeln wir unsere eigenen Produkte weiter und statten sie mit neuen Sensortechniken, Schnittstellen und anderen digitalen Features aus.

An welchen Netzwerkveranstaltungen nehmen Sie teil – was vermissen Sie bei DIN?
Dafür reicht meine Zeit leider nicht. Aber insgesamt profitiere ich bei DIN von der guten Vernetzung, den vielfältigen Informationen und der großen Flexibilität in der Mitgliederbetreuung. Sehr vorteilhaft finde ich zudem, dass DIN für geänderte Normen im Bereich Gesundheit jetzt auch einen „Änderungsmelder“ als Excel-Tabelle zum Download bereit stellt. Die Tabelle kommt als Quartals-Upade. Seitdem es diesen Service gibt, vermisse ich wirklich nichts bei DIN.

Welchen Tipp geben Sie Unternehmen, die in der Normung aktiv werden wollen?
Trotz des Aufwands lohnt es sich, dabei zu sein – für jeden persönlich und für das Unternehmen. Denn der Mehrwert einer Mitgliedschaft liegt im Networking und in
erstklassigen Kontakten.

Welche Zukunftsthemen kommen auf Ihre Branche zu? Wie können Normen dabei helfen?
Die Digitalisierung spielt natürlich eine wesentliche Rolle. So sind Wearables und Autoinjektionssysteme die Themen von morgen. Für die Überprüfung der Bluetooth-Vernetzung der Devices haben wir Prüfanlagen gebaut. Diese entschlüsseln die Datenübertragung aus dem Device und überprüfen, wie valide sie sind. So können wir
beispielsweise feststellen, ob ein Insulin-Pen, bei dem der Patient seine Insulineinheiten selbst einstellt, die gewünschten Mengen normgerecht abgegeben hat. Ein Zuviel oder Zuwenig kann tödliche Folgen haben. Das gilt es zu verhindern.


Ihr Kontakt

DIN e. V.

Mitgliederservice

E-Mail: inside@din.de
Tel: 030 2601-2020

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Über ZwickRoell

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Unternehmensgröße:  Kompetenzstandorte in Großbritannien, Österreich, China
Branche: Medizintechnik-Pharma (MedPharm)
Mitarbeiterzahl: 1.600 weltweit, 1000 in Ulm
Jahresumsatz: 237 Millionen Euro
international tätig: 56 Länderorganisationen und Vertriebsgesellschaften weltweit