Die Werner & Mertz GmbH, Mainz

Interview mit Immo Sander, Leiter der Verpackungsentwicklung

Immo Sander
© Werner & Mertz

Weil Kunststoffverpackungen wieder verwendet werden sollten: Die Werner & Metz GmbH bringt mit ihrer Recyclat-Initiative neuen Schwung in die Kreislaufwirtschaft.

„Den wertvollen Sekundärrohstoffen im Gelben Sack, die bisher in der thermischen Verwertung landen oder minderwertigen Anwendungen zugeführt werden, wollen wir mit Hilfe von DIN zu einem höheren Status verhelfen.“

Das Interview

Warum engagieren Sie sich in der Normung?
Werner & Mertz ist Vorreiter im Recycling und bei dem Einsatz von Kunststoff-Recyclat. Seit 2012 beschäftigen wir uns intensiv damit und produzieren unsere Frosch Reinigerflaschen zu 100 % aus Post Consumer Recyclate (PCR). In den PET-Flaschen setzen wir dabei 20 %, in den HDPE-Flaschen sogar 100 % des hochwertigen Materials aus dem Gelben Sack ein. Wir möchten die Kreislaufwirtschaft und das Konzept „Cradle to Cradle®“ weiter stärken. Deshalb haben wir uns 2019 entschieden, Mitglied bei DIN zu werden.

In welchen Normungsgremien arbeiten Sie mit?
Unser Unternehmen ist im DIN-Normenausschuss Kunststoffe und dort speziell im Arbeitsausschuss Recycling von Kunststoffen in der Kreislaufwirtschaft aktiv.

Gibt es noch mehr Kolleg*innen in DIN Gremien?
Aktuell bin ich hier noch als Einziger unterwegs.

Wie viel Zeit investieren Sie persönlich?
Da ich erst kurze Zeit dabei bin, waren es ca. drei Arbeitstage, das werden 2020 sicher mehr, ich schätze ca. fünf Tage im Jahr.

Was ist Ihnen bei der Normungsarbeit wichtig?
Wir bei Werner & Mertz haben sozusagen eine „grüne DNA". Daraus leiten sich konsequent alle unsere Ziele und Werte ab. Für das Recycling von Papier und Glas gibt es bereits etablierte Standards. Dasselbe wollen wir für Kunststoffe erreichen, und dafür sind Normen der effektivste Hebel. Hier liegt unser Fokus auf dem mechanischen statt auf dem chemischen Recycling. Recyclingkunststoffe sind heute zwar noch teurer als neue Kunststoffe, auf die keine Steuer erhoben wird. Aber die Ökobilanz ist deutlich besser. Wenn mehr Unternehmen mitmachen, werden die Stückkosten für Recyclatprodukte deutlich sinken und es rechnet sich.

Konnten Sie schon Normen auf den Weg bringen?
Nein. Fragen Sie mich bitte in einem Jahr nochmal, dann sind wir bestimmt einen guten Schritt weiter gekommen.

Welche Vorteile kann Werner & Mertz aus seinem Engagement ziehen?
Seit dem Start unserer Recyclat-Initiative im Jahr 2012 hat sich enorm viel entwickelt. So konnten wir unseren Jahresumsatz fast verdoppeln, was ein deutliches Zeichen für wachsendes Vertrauen beim Handel und beim Verbraucher ist. Auch sind wir sehr stolz auf den Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), den Herr Reinhard Schneider 2019 unter anderem für unsere ganzheitliche und nachhaltige Produktion entgegennehmen durfte.

Welchen Tipp geben Sie Unternehmen, die in der Normung aktiv werden wollen?
Den Gedanken, dass Normen langweilig sind, und dass ein Engagement für die Normung nicht ins Tagesgeschäft passt, sollten Unternehmer*innen über Bord werfen. Viel sinnvoller ist es, Normen für sich als Marktinstrument zu begreifen und mit zu gestalten. Mit Normen kann man nicht nur Marktstandards setzen, sie helfen auch bei rechtlichen Auseinandersetzungen. Unter anderem stützen sich Gutachter auf Normen in Streitfällen.

Welche Zukunftsthemen kommen auf Ihre Branche zu? Wie können Normen dabei helfen?
Eine echte gelebte Kreislaufwirtschaft für Kunststoffverpackungen funktioniert nur mit hochwertigen Recyclaten. Wir arbeiten daran, dass Verpackungsmaterialien den Kreislauf nicht verlassen, ein zweites, drittes, viertes usw. Leben bekommen. So lässt sich in Zukunft auch das weit verbreitete Downcycling in minderwertige Produkte verhindern. Wenn sich also das „Cradle to Cradle®“ Prinzip in einer Norm für das Kunststoffrecycling wieder finden würde, wäre das ein großer Schritt in Richtung Nachhaltigkeit und Umweltschutz in der Industrie.


Ihr Kontakt

DIN e. V.

Mitgliederservice

E-Mail: inside@din.de
Tel: 030 2601-2020

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Über Werner & Mertz

Werner & Mertz GmbH, Mainz Ausblenden

Unternehmensgröße:  Zwei Produktionsstätten in Mainz und in Hallein (Österreich)
Branche: Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel (WPR)
Mitarbeiterzahl: 1000
Jahresumsatz: 400 Millionen Euro
international tätig: Spanien, Frankreich, BeNeLux, Österreich, Polen, Italien und über den Export weltweit