Aus der Normungspraxis: Die Syntegon Technology GmbH, Crailsheim vormals Bosch Packaging Technology

Interview mit Klaus Ullherr, Senior Product Manager

Klaus Ullherr, Senior Product Manager
© Syntegon Technology GmbH

Weil Verpacken mehr bedeutet als Produkte einzutüten: Syntegon Technology geht bei der Entwicklung ihrer Abfüllmaschinen millimetergenau auf die Anforderungen der Packmittel ein.

„Mich fasziniert das hohe fachliche Niveau in den Normungsgremien – eine bessere Zusammenarbeit kann ich mir nicht wünschen.“

Klaus Ullherr

Das Interview

Warum und seit wann engagieren Sie sich in der Normung?
Wir bei Syntegon sind Spezialisten im Nest-Spritzen Geschäft. Das sind vorsterilisierte Spritzen, für die wir seit 2006 die Abfüllmaschinen herstellen. Für uns kam damit ganz neu die sterile Umverpackung der Spritzen hinzu; für mich der Impuls, in die Normung zu gehen. Denn ab diesem Zeitpunkt gab es ein direktes Zusammenspiel von Packmittel und Maschine. Und das konnte nur durch genormte Packmittel reibungslos ablaufen. Man kann sich leicht vorstellen, was für Probleme nicht genormte Bauteile dabei machen würden. Deshalb: Von der Normung profitieren wirklich alle Beteiligten: die Maschinenhersteller, die Packmittelhersteller und die Kunden, zumeist Pharmafirmen.

In welchen Normungsgremien sind Sie vertreten?
Ich bin im Normenausschuss NaMed in der Untergruppe 063 „Medizin für Primärpackmittel“ aktiv und im Spiegelgremium bei ISO, in der „Working Group for Parenterals“.

Welche Normungsthemen sind in der Corona-Krise für Ihr Unternehmen in den Vordergrund gerückt?
Eigentlich haben sich in Bezug auf Normen keine Besonderheiten ergeben. Jetzt profitieren wir von der Arbeit, die wir schon lange vor Corona geleistet haben. Langwierige Abstimmungsprozesse entfallen, da auf genormte Packmittel zurückgegriffen werden kann, die in der Regel auch schnell zur Verfügung stehen.

Wie hat die Corona-Pandemie Ihre persönliche Gremienarbeit beeinflusst?
Ein Wermutstropfen war leider, dass wir unser großes, für den März geplantes Get-together von DIN und ISO bei uns am Standort in Crailsheim absagen mussten. Der Termin fand virtuell statt und so wird das auch jetzt im November sein. Da wir uns zum Teil aber schon lange kennen, überbrücken wir diese Situation ohne größere Probleme. Ansonsten sind Meetings am Bildschirm inzwischen Alltag. Wir hoffen aber, dass wir das persönliche Meeting in 2021 bei uns in Crailsheim nachholen können.

Was ist Ihnen bei der Normungsarbeit besonders wichtig?
Bei der Normung müssen wir alle gemeinsam ein dickes Brett bohren. Um eine Übereinstimmung zu finden, wie beispielsweise zu den Abmessungen einer Verpackungskomponente, ist das Verständnis der Sachverhalte zwischen Maschinen- und Packmittelherstellern und auch den Pharmazeuten enorm wichtig. Zum Glück sind hier echte Experten am Werk, die auf Augenhöhe miteinander kommunizieren. Das vereinfacht die gemeinsame Wissensarbeit für alle Beteiligten, gibt Sicherheit und hilft bei der Risikominimierung.

Konnten Sie schon Normen auf den Weg bringen?
Ja, die ISO 11040-7, eine Umverpackungsnorm. Die würde ich sogar als unser Masterpiece bezeichnen. Darin habe ich mich sehr für die Festlegung der Dimensionierung der Verpackung von Nest-Spritzen eingesetzt. Wenn ein Hersteller in diesem Bereich nur winzige Veränderungen vornimmt, kann die gesamte Abfüll-Linie ins Stocken geraten, weil Komponenten nicht mehr zusammenpassen. Diese Norm ist tatsächlich auch als Fachliteratur nutzbar, da das ganze System und die Prozesse sehr gut beschrieben sind.

Welche Vorteile hat Syntegon bzw. haben Ihre Produkte dadurch am Markt?
Unser Engagement in den Normungsgremien wird von unseren Kunden wahrgenommen und geschätzt. Syntegon erfährt dadurch eine positivere Außenwirkung in der Branche.

An welchen Netzwerkveranstaltungen nehmen Sie teil – was vermissen Sie bei DIN?
Für mich ist die Gremienarbeit gleichzeitig ein Experten-Netzwerk. Der inhaltliche und fachliche Austausch bei DIN ist hervorragend. Jetzt wurden auch die Prozesse in der Normenentwicklung verkürzt, was ich persönlich sehr begrüße.

Welchen Tipp geben Sie Unternehmen, die in der Normung aktiv werden wollen?
Man braucht Durchhaltevermögen, aber das gilt für Unternehmer*innen ja generell. Die Abläufe bei DIN zu verstehen ist anfänglich nicht ganz leicht, aber es gibt sich. Eine Stärke und gleichzeitige Schwierigkeit der Normungsprozesse ist der Konsens – am Ende müssen einer Norm sämtliche Beteiligte zustimmen. Das dauert, hat dann aber wirklich Bestand und Verbindlichkeit.

Welche Zukunftsthemen kommen auf Ihre Branche zu? Wie können Normen dabei helfen?
Da gibt es einiges. Wir spüren, dass sowohl neue Packmittel als auch neue Player auf den Markt drängen. Verursacht wird das durch die Entwicklungen in der Biotech-Industrie. Der Wettbewerb wächst. Im Bereich der individuellen Medizin tut sich ebenfalls viel: die Produkte werden immer ausdifferenzierter. Wir müssen in der Lage sein, auf jede neue Packmittel-Form zu reagieren. Schließlich muss jedes Behältnis, jeder Stopfen, jedes Verschluss-System auf der Maschine funktionieren. Dafür werden wir gebraucht.

Ihr Kontakt

DIN e. V.

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E-Mail: inside@din.de
Tel: 030 2601-2020

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Maschine für die pharm. Abfüllung in Spritzen, Vials und Karpulen im Nest
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Syntegon Division Pharma in Crailsheim
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Über Syntegon

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Unternehmensgröße: Hauptsitz der Syntegon Technology GmbH ist Waiblingen, der Hauptsitz des Produktbereiches Pharma ist am Standort Crailsheim 
Branche: Pharma und Food
Mitarbeiterzahl: 6.100
Jahresumsatz: 1,3 Milliarden Euro in 2019
international tätig: Europa, Amerika, Asien/Pazifik, Afrika, Mittlerer Osten