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Wie abhängig ist Ihr Unternehmen von Open Source?
curl ist eine dieser Technologien, die fast überall vorkommen und trotzdem kaum jemand kennt. Die Open-Source-Software überträgt Daten über Netzwerke und steckt heute in mehr als 20 Milliarden Geräten weltweit.
Dass Unternehmen solche Software nutzen, ist längst normal geworden. Weniger selbstverständlich ist, dass sie genau wissen, welche Komponenten für ihre Produkte oder Systeme unverzichtbar sind. Noch schwerer lässt sich oft beantworten, wer diese Software weiterentwickelt und welche technischen Entscheidungen dabei fallen. Sichtbar wird die Abhängigkeit, wenn sich Schnittstellen ändern, Systeme nicht mehr zusammenspielen oder eine wichtige Komponente weiterentwickelt wird. Plötzlich geht es nicht mehr nur um den Code, sondern darum, welche technischen Regeln gelten und wer sie mitprägt.
Open Source braucht internationale Anschlussfähigkeit
Für Unternehmen zählt, ob eine Technologie mit bestehenden Systemen kompatibel bleibt, gängige Schnittstellen unterstützt und sich auch international einsetzen lässt.
Internationale Standards schaffen dafür gemeinsame technische Grundlagen. Sie legen Anforderungen und Schnittstellen fest und tragen dazu bei, dass Systeme interoperabel bleiben und Lösungen über einzelne Anbieter und Märkte hinweg funktionieren. Gerade für europäische Unternehmen ist das wichtig. Eigene technologische Lösungen helfen wenig, wenn sie außerhalb Europas kaum anschlussfähig sind. Gleichzeitig sollte Europa technische Regeln nicht erst dann übernehmen, wenn sie anderswo längst entstanden sind.
Gerade Open-Source-Fachleute bringen dafür praktische Erfahrung mit. Sie sehen, wie sich Spezifikationen im Code verhalten, wo Schnittstellen Probleme bereiten und welche Anforderungen sich tatsächlich umsetzen lassen. Adriana Groh, Geschäftsführerin der Sovereign Tech Agency, verdeutlicht: „Viele der Technologien, auf denen Europas digitale Infrastruktur beruht, entstehen in Open-Source-Projekten. Die Expertise aus diesen Projekten muss dort vertreten sein, wo internationale Standards erarbeitet werden.“
In internationalen Standardisierungsprozessen sind die Expertinnen und Experten bislang allerdings vergleichsweise selten vertreten. Eine Befragung der Sovereign Tech Agency unter 168 Open-Source-Maintainer*innen zeigt mögliche Gründe: 74 % nannten den Zeitaufwand als Hürde, 63 % Reise- und Teilnahmekosten.
Open-Source-Wissen in die Normung bringen
Wie abhängig ein Unternehmen von Open Source ist, lässt sich nicht allein an der Zahl eingesetzter Komponenten ablesen. Wichtig ist, welche davon für das eigene Geschäft kritisch sind und wie sich diese Technologien weiterentwickeln. Wer das weiß, kann besser einschätzen, bei welchen technischen Entwicklungen das eigene Unternehmen genauer hinschauen oder selbst mitgestalten sollte. Dafür muss aber auch das Wissen derjenigen in die Standardisierung gelangen, die diese Technologien entwickeln und implementieren.
DIN arbeitet bereits daran, Open-Source-Wissen früher in internationale Standardisierungsprozesse zu bringen. Gemeinsam mit der Sovereign Tech Agency erprobt DIN neue Zugänge, damit Fachleute aus Open-Source-Projekten ihre Erfahrung stärker in Organisationen wie IETF, W3C und ISO einbringen können. Denn auch die Normung muss Formen finden, die besser zur Arbeitsweise von Open-Source-Communities passen.
Auch funktionierender Beispielcode kann dabei helfen: An ihm lässt sich früh prüfen, ob technische Anforderungen in der Praxis tatsächlich umsetzbar sind.
Weiterlesen: Christoph Winterhalter zu Open Source und digitaler Souveränität
Warum Open Source und Normung stärker zusammenfinden müssen, welche Rolle internationale Anschlussfähigkeit spielt und was Unternehmen selbst tun können, zeigt DIN-Vorstandsvorsitzender Christoph Winterhalter ausführlicher in seinem aktuellen LinkedIn-Newsletter.