Presse
Hohe Beteiligung bei der EU-Konsultation zur europäischen Normungsverordnung
Die Europäische Kommission hat die Überarbeitung der europäischen Normungsverordnung (EU) Nr. 1025/2012 angestoßen. Das Zusammenspiel aus Gesetzgebung und Normung soll effizienter, agiler und digitaler werden, um aktuellen Herausforderungen wie Digitalisierung und geopolitischen Veränderungen besser zu begegnen.
Im Rahmen einer Online-Konsultation hat die EU-Kommission Ende 2025 relevante Stakeholder befragt, nun liegen die Ergebnisse vor: Das Vertrauen in das etablierte europäische Normungssystem ist hoch. Gleichzeitig gibt es breite Unterstützung dafür, die Verfahren zur Beauftragung, Bewertung und Listung harmonisierter europäischer Normen zu vereinfachen und zu beschleunigen.
599 Beiträge aus 32 Ländern wurden eingereicht, besonders aktiv waren Unternehmen und Wirtschaftsverbände. Deutschland war mit 112 Rückmeldungen das stärkste Teilnehmerland.
Agilität des europäischen Normungssystems
Ein zentrales Ergebnis der Konsultation: Die rechtzeitige Verfügbarkeit harmonisierter europäischer Normen muss verbessert werden.
Harmonisierte Normen unterstützen Unternehmen dabei, EU-Vorschriften effizient zu erfüllen. Dennoch berichten 66 % der Befragten, dass sie bereits Verzögerungen bei diesen Normen erlebt haben. 62% sehen vor allem Verbesserungspotential in den umfangreichen Prozessen der EU-Kommission zur Beauftragung, Bewertung und Listung von harmonisierten Europäischen Normen.
„Die Kommission muss hier dringend handeln und ihre Prozesse effizienter gestalten“, so Katja Krüger, Leiterin Regierungsbeziehungen bei DIN. „Die Befragung zeigt aber auch, dass die Stakeholder dem bestehenden System zutrauen, diese Herausforderungen anzugehen und innerhalb des Systems nachzuschärfen.“
Inklusivität des Normungsprozesses
Zwei Drittel der Befragten sind überzeugt, dass eine breite Einbindung verschiedener Interessensgruppen in der Normung am besten auf der nationalen Ebene gelingt, dicht gefolgt von der europäischen Ebene. Die internationale Ebene wird mit 55 % als am wenigsten inklusiv wahrgenommen.
„Inklusivität ist ein zentraler Pfeiler der Normung. Nur so werden alle relevanten Stakeholder angehört und die entwickelten Standards am Ende auch überall akzeptiert“, so Krüger.
Einig waren sich die Befragten darüber, dass es mehr Unterstützung für Expertinnen und Experten in der Normungsarbeit geben muss, sowohl bei der Ausbildung als auch mit Blick auf Informationen und Finanzierungsmöglichkeiten. Besonders KMU würden von besseren Angeboten zur Teilhabe und Weiterbildung profitieren.
Zugang zu Normen
Der Zugang zu Normen wird differenziert bewertet: Rund 40 % der Befragten sehen keine Schwierigkeiten, den rechtlich relevanten Inhalt von harmonisierten Normen auszumachen. Gleichzeitig besteht Unterstützungsbedarf bei der Verfügbarkeit in nationalen Sprachen sowie dem kostenfreien Zugang zu rechtlich relevanten Inhalten.
„Der grundsätzliche Wunsch nach kostenfreiem Zugang ist nachvollziehbar, würde aber das Normungssystem vor erhebliche Probleme stellen. Unabhängige Normung braucht eine sichere Finanzierung. Die größtenteils gemeinnützigen Normungsorganisationen nutzen den Verkauf der urheberrechtlich geschützten Normen, um ihre Arbeit, die Pflege der Dokumente sowie auch die breite Inklusivität und Digitalisierung der Normungsprozesse zu finanzieren. Ein kostenloser Zugang würde die Zukunftsfähigkeit des Normungssystems ganz grundsätzlich bedrohen“, erklärt Katja Krüger.
Europa als globalen Akteur in der Standardisierung stärken
65 % der Befragten sehen, dass die europäischen Mitgliedsstaaten internationale Normung ganz entscheidend mitgestalten. Um europäische Interessen und Werte global weiter zu stärken, sollte die EU strategische Partnerschaften mit fördern sowie Expertinnen und Experten aus KMU und Zivilgesellschaft strukturell besser bei der Teilnahme an Normungsprozessen unterstützen.
Wie es weitergeht
Die Ergebnisse der Konsultation fließen in eine Gesetzesfolgenabschätzung ein, die im Juni 2026 abschließend bewertet wird. Ein Legislativvorschlag zur neuen Normungsverordnung ist für das dritte Quartal 2026 angekündigt.
Erfahren Sie mehr
Welche konkreten Empfehlungen DIN für die Weiterentwicklung des europäischen Normungssystems gibt und wie wir die Zukunft der Normung gestalten wollen, lesen Sie in unserem Positionspapier.