Presse

2026-07-06

Verantwortungsvolle KI braucht klare Strukturen und gemeinsame Standards

Matthias König
© Matthias König

Mehr als jedes dritte Unternehmen in Deutschland setzt bereits Künstliche Intelligenz ein. In vielen Unternehmen entstehen die Regeln für ihren Einsatz jedoch erst im laufenden Betrieb. Ob Zuständigkeiten klar definiert sind und Entscheidungen nachvollziehbar dokumentiert werden, wird häufig erst sichtbar, wenn Kunden, Auditoren oder der Betriebsrat genauer hinschauen. Wie Unternehmen tragfähige Strukturen aufbauen können und welche Rolle Normen dabei spielen, erklärt Dr. Matthias König, Mitgründer und Geschäftsführer der auf KI-Governance und Compliance spezialisierten Unternehmensberatung KvJ Consulting, im Interview.  

Herr König, was genau macht KvJ Consulting und warum engagieren Sie sich bei DIN? 

Wir helfen Unternehmen dabei, die Voraussetzungen zu schaffen, um KI verantwortungsvoll einzusetzen. Das heißt einerseits: Compliance mit dem EU AI Act. Zum anderen bauen wir die Strukturen, Rollen und Prozesse auf, die ein Unternehmen braucht, um KI-Systeme nachvollziehbar zu steuern – von der Einführungsentscheidung bis zum laufenden Betrieb. Auslöser sind oft der EU AI Act, KI-spezifische Risiken oder erste Erfahrungen mit fehlender Governance: Ohne klare Strukturen geraten Systeme, Entscheidungen und Verantwortlichkeiten schnell aus dem Blick. Denn spätestens externe Prüfungen durch Auditoren, Betriebsrat oder Kunden machen diese Lücken sichtbar. Wir verbinden also organisatorische Governance mit technischer Tiefe – von Entscheidungsstrukturen und Verantwortlichkeiten bis zu Test- und Validierungskonzepten für prüffähige KI-Systeme. Die DIN-Mitgliedschaft bedeutet für uns, dort zu sein, wo die Standards entstehen. Wir wollen Normen nicht nur als fertige Vorgaben empfangen, sondern so mitgestalten, dass sie in der Praxis wirklich anwendbar sind. 

Warum ist Standardisierung in Ihren Augen essentiell für eine zukunftsfähige Digitalarbeit für Unternehmen aller Größe und Branche? 

Ohne gemeinsame Standards ist in einem nicht-genormte Raum jede Antwort eine teure, nicht vergleichbare Einzellösung, die besonders für KMU kaum leistbar ist. Normen schaffen eine gemeinsame Sprache, senken Einstiegshürden und machen Vertrauen skalierbar, etwa durch anerkannte Zertifikate mit Gewicht bei Kunden, Investoren und Behörden. Im KI-Kontext ist Standardisierung besonders dringlich: Der EU AI Act setzt Anforderungen, doch ihre technische und organisatorische Umsetzung bleibt ohne harmonisierte Normen oft offen. ISO 42001, der Standard für Managementsysteme für Künstliche Intelligenz, ist ein wichtiger Schritt; gebraucht werden nun operative Standards für Testmethoden, Lifecycle-Management und laufende Überwachung, mit dem Ziel, Gesundheit, Sicherheit und Grundrechte zu schützen. 

Was sind für Sie die Vorteile der Mitarbeit in der Normung? 

Wir wollen mitgestalten, weil wir täglich sehen, wo rechtliche Anforderungen in der Umsetzung unklar bleiben. Dieses Praxiswissen gehört in den Normungsprozess – und genau dort wollen wir es einbringen. Darüber hinaus ist die Normungsarbeit der beste Weg, um zu verstehen, wohin sich regulatorische Anforderungen entwickeln. Für eine Praxis wie unsere ist das keine taktische, sondern eine Qualitätsfrage. Wer Mandanten sagt, wie ein AI Management System aufzubauen oder ein Hochrisiko KI-System zu testen ist, muss wissen, wie die Anforderungen zu verstehen sind. 


Sie möchten ebenfalls Standards für Zukunftstechnologien mitgestalten, sich mit Fachleuten vernetzen und frühzeitig Einblicke in aktuelle Normungsthemen erhalten? Dann informieren Sie sich über die DIN-Mitgliedschaft

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