Presse

2026-06-18

Europäische Normung fit für die Zukunft machen

Ein Interview mit CEN-Präsidentin Ulrika Francke

Portrait von Ulrika Francke
© CEN, Ulrika Francke

Mit Ulrika Francke steht erstmals eine Frau an der Spitze von CEN, dem Europäischen Komitee für Normung. Sie übernimmt das Amt in einer Zeit, in der das europäische Normungssystem vor grundlegenden Veränderungen steht: Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und neue gesetzliche Anforderungen erhöhen den Druck, Prozesse weiterzuentwickeln und schneller zu werden. 

Francke bringt Erfahrungen aus der Privatwirtschaft, der nationalen Normung und internationalen Führungspositionen mit. Im Interview spricht sie über ihren Weg in die Normung, die Bedeutung von Vielfalt und Geschlechtergerechtigkeit sowie darüber, wie sich das europäische Normungssystem für die Zukunft aufstellen muss. 

Sie haben bereits eine lange und vielseitige Karriere hinter sich und wurden nun zur Präsidentin von CEN gewählt. Können Sie uns etwas über Ihren persönlichen Weg in die Normung erzählen? 

Als ich Geschäftsführerin eines Beratungsunternehmens war, hatten wir Mitarbeitende, die in verschiedenen Normungsgremien mitgewirkt haben. Wir haben den Wert und die Bedeutung von Normen verstanden, aber für uns als Beratungsunternehmen war dieses Engagement mit erheblichen Kosten verbunden. Das führte zu Gesprächen mit SIS, dem Schwedischen Institut für Normung, über das Normungssystem. 

Als ich dann in den Vorstand von SIS gewählt wurde, setzte ich mich intensiver damit auseinander, wie das Normungssystem funktioniert und welche unterschiedlichen Interessengruppen daran beteiligt sind. Das war der Ausgangspunkt für mein tieferes Engagement in der Normung. 

Im Laufe der Zeit habe ich dann Aufgaben auf nationaler und internationaler Ebene übernommen, darunter auch das Amt der ISO-Präsidentin in den Jahren 2023 und 2024. 

Sie sind die erste Frau an der Spitze von CEN. Warum ist es aus Ihrer Sicht wichtig, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und die Gleichstellung der Geschlechter in der Normung zu fördern? 

Normen prägen Produkte, Dienstleistungen und Märkte. Wenn Normen die Bedürfnisse von Gesellschaft und Wirtschaft widerspiegeln sollen, brauchen wir Menschen mit unterschiedlichen Fachkenntnissen, Erfahrungen und Perspektiven, die gemeinsam an ihrer Entwicklung arbeiten. Deshalb halte ich eine vielfältige Zusammensetzung der Gremien für besonders wichtig. Nur so können Normen entstehen, die für alle funktionieren. 

Die europäische Normung befindet sich derzeit an einem Wendepunkt. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Herausforderungen und wie wird sie sich in den kommenden Jahren weiterentwickeln? 

Als ISO-Präsidentin habe ich einen noch umfassenderen Blick auf das globale Normungssystem gewonnen und erkannt, wie wichtig es ist, dieses System und unsere Expertinnen und Experten zu schützen. Gleichzeitig ist mir dabei immer deutlicher geworden, dass sich das Normungssystem insgesamt verändert. Das bedeutet, dass sich auch die europäische Normung weiterentwickeln muss. Neue gesetzliche Anforderungen und Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz stellen uns zum Beispiel vor neue Herausforderungen. Wir müssen uns modernisieren, stärker digitalisieren und insgesamt schneller werden. Normen werden auch künftig gebraucht, aber wir als Organisationen müssen die Bedürfnisse von Wirtschaft und weiteren Interessengruppen noch stärker berücksichtigen. 

Zusätzlich dürfen wir nicht vergessen, dass Handel international und nicht ausschließlich europäisch ist. Deshalb wird auch die enge Zusammenarbeit mit ISO und IEC weiterhin wichtig bleiben. 

Ein wichtiger Baustein für die Zukunftsfähigkeit der Normung ist beispielsweise die Entwicklung von SMART Standards. Sie wandeln klassische Normen in maschinenlesbare, maschinenanwendbare und digital übertragbare Daten um. Dadurch lassen sie sich nahtlos in automatisierte Systeme und digitale Arbeitsabläufe integrieren. An dieser Entwicklung arbeiten wir gemeinsam auf globaler Ebene. 

Die CEN-Jahresversammlung findet im Juni in Zypern statt. Welche Erwartungen haben Sie an die Veranstaltung, und welche Ergebnisse erhoffen Sie sich? 

Ich hoffe, dass wir in Zypern Entscheidungen treffen werden, die als Grundlage für unsere zukünftige Entwicklung dienen. Verschiedene Arbeitsgruppen beschäftigen sich derzeit mit den einzelnen Bausteinen und hoffentlich werden diese Ansätze während des kommenden Jahres konkrete Formen annehmen. Das wird viel Arbeit erfordern – nicht nur auf Ebene von CEN und CENELEC, sondern auch für die nationalen Normungsorganisationen und die Europäische Kommission. 

Gleichzeitig ermutigt mich das große Engagement innerhalb unserer Gemeinschaft, die Zukunft gemeinsam zu gestalten. Wir wissen, dass wir uns weiterentwickeln müssen, und genau daran arbeiten wir im gesamten europäischen Normungssystem. Indem wir unser Fachwissen und unser Engagement bündeln, können wir ein noch stärkeres, agileres und zukunftsfähiges System schaffen – zum Nutzen von Wirtschaft und Gesellschaft. 

Ihr Fachwissen zählt: Gestalten Sie die Zukunft der europäischen Normung mit 

Deutsche Expertinnen und Experten vertreten über DIN die nationalen Interessen in den Gremien von CEN, CENELEC und ETSI und wirken dort an der Erarbeitung Europäischer Normen mit. Bringen Sie jetzt ihr Wissen ein und gestalten Sie Normen, die europaweit Innovation und Wettbewerbsfähigkeit stärken. Normung mitgestalten

Erfahren Sie mehr zu Ulrika Francke im News-Beitrag bei CEN


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