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Geschlechtergleichstellung im Unternehmen umsetzen
DIN EN ISO 53800 als Leitfaden für die Praxis
Weltweit beschäftigen sich Unternehmen mit der Frage, wie sich faire und gleiche Bedingungen für alle Beschäftigten schaffen lassen. Denn auch wenn Gleichstellung vielerorts auf der Agenda steht, zeigen Studien weiterhin deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern – etwa bei Einkommen, Arbeitszeiten und der Verteilung von Sorgearbeit. Eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, dass auch in Deutschland noch Aufholbedarf herrscht: Frauen verdienen aktuell durchschnittlich 4,10 Euro pro Arbeitsstunde weniger als Männer.
In der Praxis wird schnell klar, wo die Probleme liegen. Es fehlt an klaren Strukturen, an einem gemeinsamen Verständnis und oft auch an einer Orientierung für die nächsten Schritte. Viele Organisationen stehen vor ganz konkreten Fragen: Wo fangen wir an? Was hat Priorität? Und woran erkennen wir, ob wir wirklich vorankommen?
Mit der DIN EN ISO 53800 liegt jetzt ein international abgestimmter Leitfaden vor. Er zeigt, dass Normen nicht nur im technischen Bereich, sondern auch bei zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen Orientierung schaffen. Zum April 2026 ist die deutsche Fassung veröffentlicht worden. Damit wird der Leitfaden für viele Unternehmen leichter zugänglich und anwendbar.
Warum sich ein strukturierter Ansatz für Unternehmen auszahlt
Gleichstellung wirkt sich direkt auf die Leistungsfähigkeit der Organisation aus. Wer das Thema systematisch angeht, verbessert nicht nur interne Abläufe. Ein klarer Rahmen hilft auch dabei, Personal zu gewinnen und zu binden, die Zusammenarbeit im Team zu stärken und Führung bewusster zu gestalten. DIN EN ISO 53800 unterstützt dabei, diese Effekte nicht dem Zufall zu überlassen, sondern gezielt in konkreten Handlungsfeldern zu unterstützen.
Typische Fragen aus dem Unternehmensalltag greift der Leitfaden direkt auf:
- Wie lassen sich Strukturen gestalten, die Diskriminierung vorbeugen?
- Wie können Unternehmen Prozesse nutzen, um Benachteiligungen frühzeitig zu erkennen?
- Wie gelingt es, Gleichstellungsziele in bestehende Abläufe zu integrieren?
Der Leitfaden ermöglicht es, die Aktivitäten und Investitionen des eigenen Unternehmens oder der eigenen Organisation zu betrachten – beispielsweise hinsichtlich eines geschlechtergerechten, inklusiven Designs der eigenen Produkte und Dienstleistungen. Darüber hinaus lenkt er den Blick über das eigene Unternehmen hinaus, denn Geschlechtergleichstellung spielt auch bei der Zusammenarbeit mit externen Partnern eine Rolle, etwa bei der Auswahl von Dienstleistern oder in der Gestaltung von Lieferketten.
Gleichstellung entsteht im Dialog
Zur Veröffentlichung der deutschen Fassung kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft bei einer Veranstaltung von DIN und der Bundesstiftung Gleichstellung zusammen. Im Mittelpunkt standen konkrete Fragen zur Anwendung und Umsetzung im Unternehmensalltag. Thu Trang Bähr ist die zuständige Projektmanagerin bei DIN und erklärte auf dem Panel: „Von diversen Teams profitieren letztendlich alle im Unternehmen, denn Vielfältigkeit öffnet den Raum für neue Perspektiven und führt am Ende auch zu besseren Arbeitsergebnissen. Der Leitfaden gibt hier wichtige Denkanstöße und eine klare Methodik – und er ist nicht zur einmaligen Anwendung gedacht, sondern darauf ausgelegt, eine kontinuierliche Verbesserung von Gleichstellung im Unternehmen voranzutreiben.“
Wer Gleichstellung im eigenen Unternehmen strukturiert angehen möchte, findet in dem Leitfaden der DIN EN ISO 53800 eine belastbare Grundlage.
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