NA 022

DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik in DIN und VDE

Norm [AKTUELL]

IEC 60300-2
Zuverlässigkeitsmanagement - Teil 2: Leitfaden zum Zuverlässigkeitsmanagement

Titel (englisch)

Dependability management - Part 2: Guidelines for dependability management

Einführungsbeitrag

Die Norm IEC 60300-2:1995-12 ist vollständig überarbeitet worden und liegt nun in zweiter Ausgabe vor. Der Leitfaden unterstützt bei der Anwendung von IEC 60300-1:2003-06 "Zuverlässigkeitsmanagement - Teil 1: Zuverlässigkeitsmanagementsysteme; Deutsche Fassung DIN EN 60300-1".

Abgesehen davon, dass die Veröffentlichung der ersten Ausgabe fast zehn Jahre zurückliegt, wurde die Überarbeitung vor allem deswegen notwendig, weil ISO/TC 176 "Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung" die gemeinsame Weiterführung der ehemaligen Doppel-Logo-Norm ISO 9000-4/IEC 60300-1 aufgekündigt hatte. Seitens des IEC/TC 56 "Zuverlässigkeit" ist versucht worden, bei der Überarbeitung der Kernnormen zum Zuverlässigkeitsmanagement dem engen Zusammenhang von Qualitätsmanagement und Zuverlässigkeitsmanagement auch weiterhin Rechnung zu tragen.

Die wesentlichen Änderungen in der zweiten Ausgabe von IEC 60300-2 sind:

  • Das Zuverlässigkeitsmanagementsystem wird als Teil des umfassenden Managementsystems einer Organisation gesehen.
  • Struktur und Terminologie wurden denen der ISO-9000:2000-Normen angeglichen.
  • Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen die Prozessschritte zur Beherrschung der Zuverlässigkeit.
  • In einer Reihe von Anhängen werden zusätzliche Hinweise gegeben, um die Anwendung zu erleichtern.

Zuverlässigkeit wird entsprechend IEV-Kapitel 191 "Zuverlässigkeit und Dienstgüte" als zusammenfassender Ausdruck zur Beschreibung der Verfügbarkeit und ihrer Einflussfaktoren Funktionsfähigkeit, Instandhaltbarkeit und Instandhaltungsbereitschaft [191-02-03] der jeweiligen Betrachtungseinheiten verwendet.

Zuverlässigkeit ergibt sich nicht automatisch und nicht von allein. Vielmehr muss sie mittels geeigneter Maßnahmen in ein Produkt hineinentwickelt, gefertigt und anschließend aufrechterhalten werden. Sie ist eine technische Disziplin, die zielgerichtet und kostenbewusst gehandhabt werden muss. Hierzu werden in der Norm Hilfestellungen angeboten.

Die einzelnen Hauptabschnitte behandeln in Anlehnung an die Struktur von ISO 9001 und ISO 9004 das Zuverlässigkeitsmanagementsystem, die Verantwortung der Leitung, das Ressourcenmanagement, die Produktrealisierung sowie die Messung, Analyse und Verbesserung des Zuverlässigkeitsmanagementsystem selbst und der darunter entwickelten und produzierten Produkte.

Zur Beherrschung der Zuverlässigkeit werden die folgenden Prozessschritte empfohlen:

  • Zuverlässigkeitsziele festlegen
  • Ausmaß der erforderlichen Zuverlässigkeitsarbeiten analysieren
  • Strategie und Tätigkeiten, die für das Erreichen der Zuverlässigkeitsziele notwendig sind, festlegen
  • ausgewählte Zuverlässigkeitsprogrammaufgaben ausführen

  • Ergebnisse der durchgeführten Zuverlässigkeitsprogrammaufgaben analysieren
  • erreichte Zuverlässigkeit im Hinblick auf weitere Verbesserung beurteilen.

Das Konzept des Produktlebenszyklus wird eingeführt, um zuverlässigkeitsgerichtete Tätigkeiten entsprechend ihrer Bedeutung zum jeweils besten Zeitpunkt zu planen und umzusetzen. Auf diese Weise verbindet die Norm Managementprozessschritte mit zugehörigen Zuverlässigkeitsnormen zur Förderung ständiger Verbesserung.

Entsprechend der vielfach geübten Praxis wird für das Leiten und Lenken der für die Zuverlässigkeit verwendeten organisatorischen Strukturen, Verantwortlichkeiten, Verfahren, Prozesse und Ressourcen auch die Benennung "Zuverlässigkeitsprogramm" verwendet.

Es wird empfohlen, Zuverlässigkeitsprogramme individuell nach Komplexität der betrachteten Produkte und nach Nutzerbedarf durch Auswahl geeigneter Zuverlässigkeitsprogrammaufgaben zuzuschneiden ("tailoring process").

Anhang A enthält die Beschreibung von 32 Bausteinen für Zuverlässigkeitsprogramme (Zuverlässigkeitsprogrammaufgaben). Sie sind in sechs Gruppen, die so genannten Zuverlässigkeitselemente, gegliedert. Auf vorhandene Normen des IEC/TC 56, die das jeweilige Thema vertiefen, wird hingewiesen.

Im Anhang B sind die Phasen des zugrunde gelegten Produktlebenszyklus: Konzept- und Definitionsphase/Entwicklungsphase/Fertigungsphase/Installationsphase/Betriebs- und Instandhaltungsphase/Entsorgungsphase beschrieben.

Im Anhang C sind die 32 Bausteine in Form einer Matrix den Lebenszyklusphasen der betrachteten Produkte zugeordnet. Es wird darüber informiert, welche Zuverlässigkeitsprogrammaufgabe in welchen Lebenszklusphasen mit Vorteil angewendet wird.

Im Anhang D wird vermittelt, für welche Zuverlässigkeitsprogrammaufgaben in welchen Prozessschritten Normen des IEC/TC 56 existieren, die das jeweilige Thema vertiefen.

Anhang E enthält einen Fragenkatalog, der bei der Ermittlung von Eignung, Angemessenheit und Wirksamkeit des Zuverlässigkeitsmanagements behilflich sein kann.

Anhang F enthält Anleitungen für die Auswahl von Zuverlässigkeitsprogrammaufgaben, abgestimmt auf Komplexität der Produkte und Nutzerbedarf.

Die IEC-Norm gilt bis zum Jahr 2010. Eine Deutsche Fassung ist in Vorbereitung. (Ein Vorläufer ist als DIN 48481 erschienen.)

Ausgabe 2004-03
Originalsprache Englisch , Französisch
Preis Auf Anfrage
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