DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik in DIN und VDE
IEC 60300-1
Zuverlässigkeitsmanagement - Teil 1: Zuverlässigkeitsmanagementsysteme
Dependability management - Part 1: Dependability management systems
Einführungsbeitrag
Die erste Ausgabe, 1993, von IEC 60300-1, die auch Bestandteil der Normen der Reihe ISO 9000 (ISO 9000-4 "Qualitätsmanagement und Qualitätssicherungsnormen - Teil 4: Leitfaden für das Zuverlässigkeitsmanagement") war, ist vollständig überarbeitet in zweiter Ausgabe erschienen.
Abgesehen davon, dass die Veröffentlichung der ersten Ausgabe zehn Jahre zurückliegt, wurde die Überarbeitung von IEC 60300-1 auch dadurch notwendig, weil die Weiterbearbeitung der ehemaligen Doppel-Logo-Norm bei der Phase-II-Revision der Normen der Reihe ISO 9000 seitens des ISO/TC 176 "Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung" aufgekündigt worden war.
Die wesentlichen Änderungen in der zweiten Ausgabe von IEC 60300-1 sind:
- Das Zuverlässigkeitsmanagementsystem wird als Teil des umfassenden Managementsystems einer Organisation gesehen.
- Die Struktur und Terminologie wurden denen der ISO-9000:2000-Normen angeglichen.
- Im Anwendungsbereich werden technische Systeme jeder Art berücksichtigt.
In diesem Teil der Normen der Reihe IEC 60300 sind das Konzept und die Grundsätze für Zuverlässigkeitsmanagementsysteme beschrieben. Behandelt werden Zuverlässigkeitsthemen im Produktlebenszyklus hinsichtlich Planung, Ausführung, Messungen, Analyse und Verbesserung. Unter Zuverlässigkeit wird hierbei die Verfügbarkeit und die diese beeinflussenden Faktoren: Funktionsfähigkeit, Instandhaltbarkeit und Instandhaltungsbereitschaft verstanden.
Die Norm wurde für Organisationen erarbeitet, die ein Zuverlässigkeitsmanagementsystem einführen und/oder aufrecht erhalten wollen. Sie enthält eine allgemeine Anleitung, um die Zuverlässigkeit von Produkten (einschließlich Hardware, Software, Instandhaltungaktivitäten und Schnittstellen zum Nutzer) wirkungsvoll managen zu können. Hauptziel ist es sicherzustellen, dass die Zuverlässigkeit des betrachteten Produktes durch die Anwendung der erforderlichen Prozesse des Zuverlässigkeitsmanagements erreicht wird. Diese Prozesse sind allgemeingültig und anwendbar in allen Organisationen, Lebenszyklusphasen und Vertragssituationen, unabhängig vom jeweiligen Produkt.
Die Norm soll dazu dienen, die Zusammenarbeit aller beteiligten Kreise (Lieferant, Organisation, Kunde) zu erleichtern und das gegenseitige Verstehen der Zuverlässigkeitserfordernisse und den Nutzen der Zuverlässigkeit zu fördern, damit die übergreifenden Zuverlässigkeitsziele erreicht werden.
Sie enthält Ausführungen über
- das Zuverlässigkeitsmanagementsystem
- die Verantwortung der Leitung
- das Management von Ressourcen
- die Produktrealisierung
- die Messung, Analyse und Verbesserung.
Die Norm IEC 60300-1 gilt bis zum Jahr 2010. Die Veröffentlichung der Deutschen Fassung ist in Vorbereitung.
IEC 60300-1 wird ergänzt durch die Norm IEC 60300-2, die ausführliche Hinweise für die Planung und Einführung von Zuverlässigkeitsprogrammen zur Erfüllung spezieller Produktbelange enthält. Die Überarbeitung von IEC 60300-2 ist zurzeit im FDIS-Stadium. Mit der Veröffentlichung der Norm wird im Frühjahr 2004 gerechnet.