DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik in DIN und VDE
IEC 60947-1
Niederspannungsschaltgeräte - Teil 1: Allgemeine Festlegungen
Low-voltage switchgear and controlgear - Part 1: General rules
Einführungsbeitrag
Diese fünfte Ausgabe, 2007, über "Allgemeine Festlegungen" der Produktnorm für die Niederspannungsschaltgeräte in Stromkreisen bis zu 1 000 V Wechselspannung und 1 500 V Gleichspannung ersetzt die vierte Ausgabe, die 2004 veröffentlicht wurde.
Die fünfte Ausgabe der Norm vereinheitlicht alle Regeln und Anforderungen, die auf jeweilige Niederspannungsschaltgeräte anwendbar sind, um zu vermeiden, dass nach unterschiedlichen Normen geprüft wird. Für jedes Niederspannungsschaltgerät sind zwei Hauptnormen notwendig, um alle Anforderungen und Prüfungen festzulegen, die "Allgemeinen Festlegungen" und die "Jeweilige Gerätenorm". Um bei einer Gerätenorm eine allgemeine Regel anzuwenden, muss in der Gerätenorm ausdrücklich durch die Angabe eines entsprechenden Abschnitts darauf Bezug genommen werden.
Mit der fünften Ausgabe wurden umfangreiche Regelungen eingeführt, die ab sofort auch auf die einzelnen Produkte wirken, wenn aus der Produktnorm Bezüge undatiert auf einzelne Abschnitte existieren.
Im Wesentlichen wurden folgende Änderungen vorgenommen:
Abschnitte 7.1.1 und 7.1.2 "Materialien":
Diese Abschnitte wurden grundlegend neu geordnet, ohne jedoch die prinzipielle Aussage zu verändern. Wie bisher steht zur Glühdrahtprüfung alternativ die Brennbarkeitsprüfung nach Anhang M zur Verfügung. Allerdings wurde im Anhang M die Tabelle M.2 ergänzt, in der HWI- und AI-Kennwerte für Materialien angegeben werden, die nicht in die Kategorie der Tabelle M.1 fallen. Mit einem Beispiel und zusätzlichen Anmerkungen wird die Anwendung der Tabellen M.1 und M.2 verständlich gemacht.
Anhang R "Anwendung der Metallfolie bei der Hochspannungsprüfung an Teilen, die während der Betätigung und Einstellung zugänglich sind":
In der Anmerkung 1 des Abschnitts 8.3.3.4.1 unter 1) wird auf den Anhang R verwiesen. Dieser informative neue Anhang soll zukünftig eine einheitlich Anwendung der Metallfolie bei der Hochspannungsprüfung garantieren. In mehreren Darstellungen wird deutlich gemacht, wie die Metallfolie zukünftig bei der Typprüfung aufzubringen ist.
Abschnitt 8.4 "EMV-Prüfungen":
Die Typprüfungen für die elektromagnetische Störaussendung und Störempfindlichkeit (Tabelle 23) wurden vollständig überarbeitet und dabei der Fachgrundnorm IEC 61000-6-2 angepasst. Dazu wurde die Beschreibung der Akzeptanzkriterien in Tabelle 24 besser den technischen Gegebenheiten der Niederspannungsschaltgeräte angeglichen.
Mit den neuen Bildern 18 bis 23 werden detaillierte Beschreibungen für den Prüfaufbau der einzelnen EMV-Prüfungen neu in die Norm eingeführt.
Tabelle 7a "Zusammenhang zwischen Leitungsquerschnitt und Leitungsdurchmesser":
Die mit dieser Ausgabe neue Tabelle 7a enthält theoretische Werte für die Leitungsdurchmesser unterschiedlicher gebräuchlicher Leitungstypen in Relation zu den Nennquerschnitten.
Anhang L "Anschlusskennzeichnung":
Mit dem zum Anhang L ergänzten Abschnitt L.6 werden Anschlusskennzeichnungen für extern an Schaltgeräte angeschlossene elektronische Schaltkreise, Bauteile und Kontakte in die IEC-Norm übernommen. Diese Regelungen waren bis jetzt in Europäischen Normen enthalten, die jetzt zurückgezogen werden sollen.
Anhang O "Umweltaspekte (informativ)":
Der gesamte Anhang O ist redaktionell überarbeitet worden. Als Basis dafür diente die neue Ausgabe des IEC Guide 109.
Anhang Q "Sonderprüfungen - Feuchte Wärme, Salznebel, Schock und Schwingungen":
Das Ziel dieses Anhangs ist, das Verhalten von Schalt- und Steuergeräten unter dem Einfluss unterschiedlicher klimatischer Bedingungen zu betrachten, die sich von den üblichen Umgebungsbedingungen nach Abschnitt 6.1 unterscheiden. Zu sechs verschiedenen Umgebungsklassen werden mit steigender Schwierigkeit Prüfsequenzen und Prüfparameter vorgegeben, die als Sonderprüfung entweder freiwillig vom Hersteller festgelegt oder zwischen Kunde und Hersteller zu vereinbaren sind. Beabsichtigt war, mit den Kategorien D, E und F im Anhang Q die von den nationalen Zulassungsbehörden harmonisierten Prüfungen für die Schiffbauzulassung für die Niederspannungsschaltgeräte anzupassen und zu standardisieren. Es ist jedoch durchaus davon auszugehen, dass für einzelne Länderzulassungen auch weiterhin individuelle und von den Regelungen in Anhang Q abweichende Forderungen zu erfüllen sind.
Anhang S "Digitale Ein- und Ausgänge":
Der normative Anhang gibt alle für die Niederspannungsschaltgeräte erforderlichen Regelungen für das Zusammenspiel mit den Speicherprogrammierbaren Steuerungen nach IEC 61131-2 unverändert wieder. Die Übernahme dieser Regelungen erfolgte unter der Vorgabe, dass in der Reihe IEC 60947 alle Regelungen für die Auslegung von Schaltgeräten weitgehend enthalten sein müssen.
Diese Ausgabe der Norm IEC 60947-1 wurde vom IEC/SC 17B "Niederspannungsschaltgeräte" unter Mitwirkung des K 431 "Niederspannungsschaltgeräte und -kombinationen" erarbeitet. Eine entsprechende Überarbeitung von DIN EN 60947-1 mit der Klassifikation VDE 660-100 ist derzeit in Arbeit und wird in Kürze erscheinen.