2026-06-02

Quantifizierung von Umweltauswirkungen bei der Wiederverwendung von Produkten & Teilen

Call for Experts für geplantes Normungsvorhaben

Beschreibung von ECO Design für nachhaltige Produkte
© AdobeStock: artrachen

Wenn Produkte oder Bauteile wiederverwendet werden sollen, reicht die gute Absicht nicht aus. Entscheidend ist, ob sich ihr weiterer Einsatz belastbar bewerten lässt: Welche Umweltwirkungen werden vermieden, welche Aufwände entstehen – und welche Daten liegen dafür überhaupt vor?

Genau hier setzt das geplante Normungsvorhaben zur Quantifizierung von Umweltauswirkungen bei der Wiederverwendung von Produkten und Teilen an. In der DIN-Koordinierungsstelle Umweltschutz (KU) entsteht derzeit in einem offenen Stakeholder-Prozess ein erster Entwurf für einen Normungsantrag. Gesucht werden Fachkreise, die den methodischen Ansatz mitgestalten möchten.

Warum Wiederverwendung belastbare Bewertungsgrundlagen braucht

Die Kreislaufwirtschaft ist ein zentrales Ziel der Umweltpolitik. Im deutschen Kreislaufwirtschaftsgesetz steht die Abfallvermeidung an erster Stelle der Abfallhierarchie, gefolgt von Vorbereitung zur Wiederverwendung, Recycling, sonstiger Verwertung und Beseitigung. Damit Wiederverwendung in der Praxis stärker genutzt werden kann, braucht es jedoch mehr als politische Zielsetzungen.

Entscheidend ist eine belastbare Methode, mit der sich Potenziale erkennen, vergleichen und bewerten lassen. Für Unternehmen, öffentliche Stellen, Wertstoffhöfe, Aufarbeiter und weitere Beteiligte geht es dabei um konkrete Fragen: Welche Produkte oder Komponenten liegen in welchen Mengen vor? Welche Daten sind vorhanden? Welche Auswertungen sind möglich? Und welche Maßnahmen sind ökologisch wie wirtschaftlich sinnvoll?

Was das geplante Normungsvorhaben leisten soll

Ziel des Vorhabens ist nicht die Normung von Produkteigenschaften. Entwickelt werden soll ein planerisches Vorgehensmodell, mit dem sich Umweltauswirkungen der Wiederverwendung von Produkten und Produktteilen quantifizieren lassen.

Die Methode soll vor allem dabei helfen, Daten systematisch zu erfassen, zu strukturieren und auszuwerten. Dazu gehören Daten von:

  • Herstellern
  • Handel
  • Verbrauchern und Verbraucherinnen
  • Wertstoffhöfen
  • Aufarbeitern

So können Wiederverwendungsoptionen nachvollziehbarer bewertet werden. Im Mittelpunkt steht nicht nur die ökologische Wirkung, sondern auch die Frage, welche Kosten entstehen und welche wirtschaftlichen Effekte sich ableiten lassen.

Anschluss an Ökobilanz und bestehende Normung

Damit Ergebnisse vergleichbar und belastbar werden, soll die geplante Methodik an vorhandene Ansätze der Ökobilanz und des Carbon Footprint anschließen. Relevante Grundlagen sind unter anderem die ISO 14040, die ISO 14044, die ISO 14067 und die IEC 63366.

Für die Praxis ist dieser Anschluss zentral: Unterschiedliche Bewertungsansätze können zu unterschiedlichen Ergebnissen führen, selbst wenn ähnliche Produkte oder Komponenten betrachtet werden. Eine gemeinsame methodische Grundlage macht nachvollziehbarer, wie Umweltwirkungen berechnet, Daten genutzt und Ergebnisse bewertet werden.

Welche Fragen die Methode beantworten kann

Der Schwerpunkt liegt auf Datenmanagement und Datenauswertung. Die geplante Methodik soll zeigen, wie vorhandene Daten so aufbereitet werden können, dass daraus belastbare Entscheidungsgrundlagen entstehen.

Dazu zählen insbesondere Fragen wie:

  • Wie groß ist das CO₂-Einsparpotenzial bestimmter Wiederverwendungsoptionen?
  • Welche Kosten entstehen durch höhere Wiederverwendungsquoten?
  • Welche wirtschaftlichen Effekte ergeben sich für neue Geschäftsmodelle?
  • Welche Auswirkungen können sich für Verbraucherinnen und Verbraucher ergeben?

Die Methode ist grundsätzlich generisch angelegt und soll für verschiedene Abfallströme nutzbar sein.

Fachkreise frühzeitig einbinden

Das Vorhaben befindet sich derzeit auf der Stufe eines ersten Entwurfs für einen Normungsantrag. In den nächsten Schritten geht es darum, den methodischen Ansatz weiter zu schärfen, bestehende Normen und Datenquellen sinnvoll einzubinden und die Anforderungen gemeinsam mit den beteiligten Fachkreisen zu konkretisieren.

Wer sich frühzeitig einbringt, kann mitgestalten, welche methodischen Grundlagen später für die Bewertung von Wiederverwendung herangezogen werden. Gerade weil das Vorhaben verschiedene Akteure entlang des Produkt- und Datenflusses betrifft, ist Praxiswissen aus unterschiedlichen Bereichen gefragt.

Interessierte Fachkreise können sich nach einmaliger kostenfreier Registrierung auf der Kollaborationsplattform DIN.ONE über die Details informieren. Bei Interesse an einer Mitarbeit oder bei Fragen wenden Sie sich gern an die Geschäftsstelle: annekatrin.mayer@din.de.

Ihr Kontakt

DIN e. V.
Annekatrin Mayer

Am DIN-Platz
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