DIN-Normenausschuss Grundlagen der Normungsarbeit (NAGLN)
IEC 62368-1
Einrichtungen für Audio/Video, Informations- und Kommunikationstechnik - Teil 1: Sicherheitsanforderungen
Audio/video, information and communication technology equipment - Part 1: Safety requirements
Einführungsbeitrag
Am 17. Januar 2014 wurde das Abstimmungsergebnis zum Entwurf der zweiten Ausgabe von IEC 62368-1 auf der IEC-Homepage mit dem Dokument 108/521/FDIS bekannt gegeben. Über 90 % der Stimmen von den weltweit abstimmungsberechtigten IEC-Mitgliedern befürworteten den Entwurf. Als Folge wurde im Februar 2014 die zweite Ausgabe der Internationalen Norm IEC 62368-1 veröffentlicht. Diese Norm legt Sicherheitsanforderungen für Audio- und Video-Geräte, Musikinstrumente, Unterhaltungselektronik, Informationstechnik, Bürogeräte und Kommunikationstechnologie-Geräte für eine elektrische Versorgungsspannung bis zu 600 V fest. IEC 62368-1 ist dafür vorgesehen, die beiden Normen IEC 60065 und IEC 60950-1 zu ersetzen, und wird damit zu einer Sicherheitsnorm, die weltweit die meisten der vorgenannten Produkte betrifft.
Die neue Norm ist aber keine Konsolidation der beiden langjährig etablierten Normen, sondern ein komplett neuer Ansatz für eine Produktsicherheitsnorm. Sie weicht vom bisherigen präskriptiven Ansatz der bisherigen Produktsicherheitsnormen ab und basiert auf einem neuen "Gefahrenbasierten Ansatz", der in der frühen Produktentwicklungsphase eine flexiblere Anwendung von verschiedenen Sicherheitskonzepten ermöglicht. Gegenüber den aktuellen angewendeten Sicherheitsnormen IEC 60950-1 (DIN EN 60950-1 (VDE 0805-1:2011-01)) und IEC 60065 (DIN EN 60065 (VDE 0860:2011-10)) gibt IEC 62368-1 dem Produktentwickler mehr Freiheiten in der Auswahl von Maßnahmen für die Produktsicherheit. Außerdem wird mit IEC 62368-1 nur noch eine Norm für zwei verschiedene Produktkategorien benötigt. Schon seit längerem ist die Abgrenzung, ob ein Fernseher ein reines Audio-/Video-Gerät ist oder vielmehr nicht doch als modernes IT-Gerät betrachtet wird, nicht mehr eindeutig zu bestimmen. Neue Technologien können bei IEC 62368-1 leichter eingefügt werden. Eine Herausforderung an die zukünftigen Anwender der Norm wird sein, dass die verwendete Terminologie von den bisherigen Sicherheitsnormen abweicht und ein ganz neues Verständnis gefordert wird, um die Norm umzusetzen.
Mit der neuen gefahrenbasierten Produktsicherheitsnorm werden die Energiequellen eines Produktes klassifiziert, damit, falls erforderlich, ein Schutzmechanismus eingesetzt werden kann, der die Gefahr eindämmt und auf eine ungefährliche Stufe reduziert.
Die folgenden Gefahren durch Energiequellen werden klassifiziert:
((Bild)) ((Tabelle))
Die Klassifizierung der Energien erfolgt jeweils in drei Stufen:
- 1. Stufe: Ungefährlich: ES1, PS1, MS1, TS1 und RS1
- 2. Stufe: Enthält Gefährdungspotenzial: ES2, PS2, MS2, TS2 und RS2
- 3. Stufe: Sehr gefährlich: ES3, PS3, MS3, TS3 und RS3
In einem zweiten Anlauf ist die Norm mit drei Monaten Verzug auch in Europa angenommen worden. In dem Vorwort der Norm werden als der letzte Termin, zu dem bestehende nationale Normen zurückgezogen werden müssen, fünf Jahre nach der jetzigen Ratifizierung angegeben. Der Grund für die Verlängerung der Übergangszeit von drei auf fünf Jahre ist, dass das Grundprinzip dieser Norm komplett neu (Gefahrenbasierter Ansatz) ist. Dieses neue Prinzip wurde bisher noch nicht in einer Sicherheitsnorm eingesetzt. Hersteller und Testhäuser benötigen, um ausreichende Erfahrungen mit der Norm zu erhalten, eine längere Lernphase. Durch den neuen Ansatz der neuen Norm ist ebenfalls ein Umdenken bei den Produktentwicklern notwendig, um die Möglichkeiten von Sicherheitskonzepten umzusetzen und anzuwenden. Auch bei den Produktverifizierungen ist es notwendig, durch Ausbildung die neuen auf Gefahren basierten Schutzmaßnahmen richtig zu beurteilen. Aus diesem Grund empfiehlt CENELEC die Übergangszeit von fünf Jahren. Es bleibt aber abzuwarten, ob die Europäische Kommission diese Empfehlung auch so übernimmt und in dem "Official Journal" publiziert.
Die Norm hat Anforderungen für die europäischen Konformitätskriterien, die entweder von der Produktfunktion abhängig oder allgemein vorgeschrieben sind. Weiterhin ist die Norm kompatibel mit dem IECEE CB-Verfahren und den nationalen Zertifizierungsprogrammen.