DIN Verbraucherrat

2017-09-29

Arbeiten an DIN SPEC 91360 für den Lebensmittelonlinehandel gestartet

Lieferung von Lebensmittel über den Onlinehandel
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Derzeit ist der Lebensmittelonlinehandel im Vergleich zum Lebensmitteleinzelhandel noch ein sehr kleiner Markt, jedoch erzielt der Onlinelebensmittelhandel jedes Jahr ein starkes Plus und wird damit als ein starker Wachstumsmarkt eingestuft.

Verbraucherseitig bestehen Vorbehalte aufgrund fehlender Transparenz, bspw. hinsichtlich der Herkunft der Ware, der Sicherheit, der Hygiene und der Kühlung beim Transport sowie gegenüber dem eingesetzten Verpackungsaufwand. Laut der Untersuchung der Verbraucherzentrale Brandenburg vom Januar 2017 „E-Food im Frischemarkt – Marktüberblick und Herausforderungen im deutschen Lebensmittel-Online-Handel“ stellt die Einhaltung die Einhaltung der in der Norm beschriebenen Temperaturen von kühlungsbedürftigen Produkten das größte Problem dar. Bei jedem zweiten Produkt, bei dem die Temperatur unmittelbar nach der Lieferung gemessen wurde, lag die Temperatur teils deutlich über dem Norm-Wert gemäß DIN 10508:2012-03 „Lebensmittelhygiene – Temperaturen für Lebensmittel“. Darüber hinaus sind nach der Marktuntersuchung notwendige Informationspflichten, wie Herkunftsangaben, nicht immer berücksichtigt und viel Verpackungsmüll mit geliefert worden. Positiv bei den Testkäufen waren die Bestellvorgänge und die pünktlichen Lieferungen. Zudem kommunizierten die Lebensmittel-Online-Händler kundenfreundlich und schnell.

Anfang September fand die Kick-Off Veranstaltung zur DIN SPEC 91360 "Temperaturkonzept zum Handling und Vorgehensweise beim Versand kühlpflichtiger Waren in gemischten Lebensmittelboxen" bei DIN statt. Das Ziel der DIN SPEC 91360 ist die Prozessbeschreibung und ein Anforderungskatalog hinsichtlich der speziellen Anforderungen an Verpackungsmittel, passive Kühlsysteme, Logistiksysteme und Logistikprozesse, Informationsmanagement. Dabei sollen die Prozesse der Abwicklung der Bestellungen, von der Versandvorbereitung über die Zustellung bis zur Rückführung der eingesetzten Mehrwegkästen, beschrieben werden.
Über den Lebensmittel-Onlinehandel werden kühlpflichtige und nicht-kühlpflichtige Lebensmittel mit unterschiedlichen Temperaturanforderungen (z. B. Tiefkühlkost, Fleisch, Obst, Nudeln) gleichzeitig versendet. Ein Hauptaspekt in der DIN SPEC 91360 wird die Beschreibung des Temperatur-Monitorings sein, um langfristig eine ununterbrochene Kühlkette gewährleisten und abbilden zu können. Dadurch soll die Lebensmittelsicherheit erhöht und das Vertrauen der Verbraucher an die Vertriebswege gesteigert werden. Die Spezifikation soll sich an die Lebensmittel-Onlinehändler richten, die verarbeitete, unverarbeitete, kühlpflichtige und kälteempfindliche Lebensmittel an die Endverbraucher versenden (B2C). Sie dient nicht als Empfehlung für Händler, die frisch zubereitete Speisen, z. B. durch Lieferservice von Restaurants, anbieten und verschicken. Darüber hinaus gilt sie nicht für Händler im gewerblichen Bereich (B2B).

Das Interesse an der Mitarbeit ist mit über 30 Sitzungsteilnehmern sehr groß. Das Konsortium besteht aus Lebensmittelhändlern, Kühlsystementwicklern, Logistikern, Verpackungstechnikern, Wirtschaftsverbänden, einer Forschungseinrichtung und einem Prüfinstitut. Von Verbraucherseite nahm an der ersten Sitzung eine Mitarbeiterin der VR-Geschäftsstelle teil.
Der Geschäftsplan sieht vor die Spezifikation im März 2018 zu veröffentlichen.

Aktuell wird im Auftrag des DIN-Verbraucherrates eine Untersuchung zum Thema: „Lebensmittelonlinehandel mit Frischeprodukten – Normungsaspekte aus Verbrauchersicht“ durchgeführt. Das Ziel der Untersuchung ist herauszustellen, welche konkreten Normungsanforderungen aus Verbrauchersicht an die Branche gerichtet werden sollen.
Die Ergebnisse der Studie sollen in die Erarbeitung der DIN SPEC 91360 einfließen.

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