DIN Verbraucherrat

2018-08-20

Fahrradhelme für E-Bikes – Europäische Spezifikation wird erarbeitet

E-bike
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© fotolia / XL_Microgen

Elektrofahrräder sind sehr populär. Die Verkaufszahlen steigen stetig. Allein im Jahr 2017 wurden in Deutschland über 720.000 Elektrofahrräder verkauft. Der Anteil am Gesamtfahrradmarkt beträgt mittlerweile rund 19%.

Im Windschatten der Pedelecs, die den Fahrer mit max. 250 W bis zu 25 km/h Höchstgeschwindigkeit elektrisch unterstützen, fährt die Klasse der sogenannten E?Bikes. Ihr Anteil am Gesamtmarkt macht derzeit etwa 1% aus.

E-Bikes, oder auch Speed-Pedelecs genannt, sind mit bis zu 500 Watt starken Elektromotoren ausgestattet, die eine unterstützte Höchstgeschwindigkeit von bis zu 45 km/h ermöglichen. Fahrer dieser Fahrzeuge benötigen mindestens eine Mofa-Prüfbescheinigung und müssen mindestens 15 Jahre alt sein. E-Bikes gelten zudem im rechtlichen Sinne nicht als Fahrräder, sondern gehören zur Klasse der Kleinkrafträder mit geringer Leistung und benötigen ein Versicherungskennzeichen und eine Betriebserlaubnis. Durch eine unterstützte Höchstgeschwindigkeit von bis zu 45 km/h (auch bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit genannt) gilt nach Ansicht des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) für die Fahrer dieser Fahrzeuge eine Helmpflicht. Der Gesetzgeber fordert das Tragen eines geeigneten Helmes.

Die Frage ist nun: welcher Helm ist geeignet?

Da E-Bikes offiziell Kleinkrafträder sind, müssen Mopedhelme (entsprechend UN-ECE R22) wie bei anderen Kleinkrafträdern getragen werden. Anders als Mopedfahrer sind E-Bike-Fahrer jedoch während des Fahrens körperlich aktiv – es muss immer noch in die Pedale getreten werden.

Dies führt für E-Bike-Fahrer zu Problemen, da Motoradhelme vergleichsweise schwer sein können und üblicherweise nicht über eine ausreichende Belüftung verfügen. Darüber hinaus kann die Trageposition des Helmes abweichen, wodurch der Tragekomfort für E?Bike-Fahrer eingeschränkt sein kann.

Diese Problematik wurde vom Niederländischen Normungsinstitut (NEN) aufgegriffen. Unter Beteiligung von Fahrrad- und Helmherstellern wurde eine nationale Spezifikation für Helme von E-Bike-Nutzern erarbeitet und mittlerweile veröffentlicht (NTA 8776). Die Spezifikation basiert auf der DIN EN 1078 "Helme für Radfahrer und für Benutzer von Skateboards und Rollschuhen". Die Anforderungen wurden jedoch den Gegebenheiten angepasst. Es wurde von einer höheren Durchschnittsgeschwindigkeit ausgegangen und dementsprechend wurden die Prüfkräfte für den Aufprall erhöht. Des Weiteren ist der durch den Helm abgedeckte Kopfbereich vergrößert. Insbesondere die gefährdeten Schläfen und der Nackenbereich sind nun deutlich besser geschützt.

Seit Januar 2017 ist es in den Niederlanden offiziell zulässig, einen Helm gemäß NTA 8776 anstatt eines UN-ECE R 22 konformen Mopedhelms zu tragen.

Auf europäischer Ebene wurde im CEN/TC 158 „Head protection“ beschlossen, eine europäische Spezifikation zu Helmen für E-Bike-Nutzer zu erarbeiten.

Die Arbeiten haben mittlerweile begonnen. Um die Anforderungen der Spezifikation festzulegen, werden derzeit sowohl die niederländische Spezifikation NTA 8776 als auch die DIN EN 1078 zu Helmen für Fahrradfahrer ausgewertet. Die Anforderungen der NTA 8776 wurden durch Untersuchungen der Niederländischen Organisation für angewandte naturwissenschaftliche Forschung (TNO) bestätigt. In der europäischen Arbeitsgruppe wird derzeit eine Liste mit notwendigen Anpassungen und neu aufzunehmenden Anforderungen erstellt. Aus Verbrauchersicht stellt die NTA 8776 eine gute Grundlage dar, jedoch müssen zusätzliche Aspekte aufgenommen werden. Hierzu zählen u.a. eingebauter Visor/Sonnenschutz, Anbringung von Zubehör (z.B. Action Cam), Schutz gegen kalten Wind sowie ausreichende Wahrnehmung von Umgebungsgeräuschen.

Die Verbrauchervertretung wird sich dafür einsetzen, dass nach Veröffentlichung der europäischen Spezifikation andere europäische Länder dem Vorbild der Niederlande folgen und die Nutzung eines Helmes entsprechend der Spezifikation zulassen.


 

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