DIN Verbraucherrat

2017-12-22

Für mehr Haltbarkeit und Kreislaufführung

Im neuen NA 172-00-14 GA geht es um Materialeffizienz und Ökodesign. Die gemeinnützige Organisation MURKS? NEIN DANKE! e.V. ist über den Verbraucherrat dort vertreten. Uns liegt an mehr Haltbarkeit und steter Kreislaufführung von Produkten und Stoffen. Wir bringen dafür unsere Expertise für alle Facetten der geplanten Obsoleszenz in die Normung ein.

Eine zentrale Herausforderung ist die gesellschaftlich gebotene Kreislauforientierung an den Anfang der Ressourcengewinnung und deren Erstverwendung zu setzen. Der Wirkung von Haltbarkeit auf Materialeffizienz kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu. Je haltbarer Stoffe und Produkte erzeugt und verwendet werden, umso geringer ist der künftige Materialbedarf.
Produkte sind Systeme von Werkstoffen, Komponenten und Funktionen. Daraus ergibt sich eine differenzierte Sicht auf die Anforderungen an Haltbarkeit. Die in der Produktentwicklung geplante Nutzungsdauer ist gesellschaftlich von hoher Relevanz. Sie wird jedoch nur an den ökonomischen Zielen der Hersteller und Vertriebspartner ausgerichtet (geplante Obsoleszenz).

Mit einer differenzierten Sicht auf das Produktsystem ergeben sich neue Anforderungen an die Haltbarkeit von Werkstoffen, Komponenten und Funktionen. Diese sind für eine Berücksichtigung der vier Kreislaufphasen Puffern-Herstellen-Nutzen-Zerlegen gesondert auszulegen. Haltbarkeit ist zudem modular auszurichten. Lediglich die Produktnutzungsdauer zu adressieren, greift für eine nachhaltige Sicht zu kurz. Materialien mit hoher Kritikalität und geringer Rückgewinnbarkeit sollten maximal haltbar verwendet werden. Wo zeitnah Neuentwicklungen zu erwarten sind, sollten Modularität und Recycling durch leichte Austauschbarkeit gefördert werden. Es sind ebenso vier Stufen der Haltbarkeit einer kreislaufgeführten Stoffnutzung zugrunde zu legen.

Die Haltbarkeit bis zum ersten Schaden (H1) bestimmt bei vielen Konsumgütern bereits das Ende der Nutzung, da eine Reparatur konstruktiv nicht ermöglicht oder für Kunden und Werkstätten behindert wird. Die Haltbarkeit bis zum Ende der ersten Nutzung (H2) ist für nahezu alle Konsumgüterhersteller bereits die maximal zugrunde gelegte Nutzungserwartung. Diese liegt im Schnitt nur noch bei drei bis fünf Jahren und wird oft kürzer ausgelegt. Folgenutzungen werden nicht gefördert oder mitgedacht. Das Ende der letzten Nutzung (H3) ist daher eine wesentliche Orientierungsmarke für nachhaltige Produktentwicklung. Die Nutzbarkeit der im Produkt eingesetzten Module und Materialien (H4) wird oft nur auf die Erstnutzung ausgelegt. Zyklenfeste Stoffe und Recyklate, deren leichte Trennung und für künftige Weiterverwendungen geeignete Eigenschaften sind immer noch kein Paradigma in einer sonst auf zukunftssichere Innovationen ausgelegten Wirtschaft. Normen können hier einen erheblichen Beitrag für eine wirksame Änderung hin zu mehr Haltbarkeit und Kreislaufführung vorantreiben.


Wir danken Herrn Stefan Schridde von Murks? NEIN DANKE! e. V. für diesen Beitrag!

Porträt von Stefan Schridde

 

Herr Stefan Schridde ist seit Februar 2017 als ehrenamtlicher Verbraucherratsvertreter im NA 172-00-14 GA „Gemeinschaftsarbeitsausschuss NAGUS/DKE: Ökodesign, insbesondere Materialeffizienz von energieverbrauchsrelevanten Produkten“ für den DIN-Verbraucherrat tätig.