NA 005

DIN-Normenausschuss Bauwesen (NABau)

2021-07-26

Norm zum barrierefreien Bauen veröffentlicht

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Die DIN EN 17210 beschreibt als erste Europäische Norm Anforderungen an Barrierefreiheit im Bauwesen.

Alle Menschen haben ein Recht auf Teilhabe am öffentlichen Leben und an der Gesellschaft. Die Barrierefreiheit der gebauten Umwelt ist eine wichtige Voraussetzung damit auch Menschen mit Behinderung und ältere Personen dieses Recht wahrnehmen können.  Die nun vorab veröffentlichte Norm DIN EN 17210 trägt dazu bei: Das Dokument unterstützt öffentliche Auftraggeber, Architekten, Ingenieure, und nicht zuletzt private Bauherren bei der Planung und Errichtung barrierefreier Bauwerke und Außenanlagen. Die Norm legt funktionale Anforderungen an deren Zugänglichkeit und Nutzbarkeit fest und empfiehlt unter anderem geeignete Bauelemente, Innenausstattungen und Gestaltungskomponenten. Dabei bezieht die DIN EN 17210 Barrierefreiheit in allen Stufen der Planung, Beschaffung, Gestaltung und Konstruktion mit ein. Die Norm enthält keine technischen Leistungsdaten – diese liefert beispielsweise die Normenreihe DIN 18040, die derzeit überarbeitet wird, auch, um die Anforderungen der DIN EN 17210 zu konkretisieren. Darüber hinaus haben Anforderungen aus nationalen Gesetzen und Verordnungen, wie beispielsweise zu Arbeitsstätten oder zum Brandschutz, Vorrang gegenüber der DIN EN 17210.

Nutzbar für öffentliche Ausschreibungen

Die in der Norm aufgeführten funktionalen Anforderungen an Barrierefreiheit beziehen sich zum Beispiel auf die baulichen Aspekte von Fußgängerbereichen in Außenanlagen und Stadträumen, auf Zu- und Eingänge von Gebäuden und auf Verkehrsflächen im Gebäudeinneren. Des Weiteren werden Anforderungen mit Bezug auf die Nutzung von Einrichtungen in Gebäuden, auf das Verlassen von Gebäuden unter normalen Umständen sowie im Evakuierungsfall genannt. Die in der DIN EN 17210 beschriebenen Anforderungen und Empfehlungen sind qualitativ formuliert und beschreiben zu erreichende Ziele – beispielsweise benötigt ein barrierefreier Sanitärraum unter anderem stets einen Waschtisch, muss ausreichend große Bewegungsflächen aufweisen und sich im Notfall von außen öffnen lassen. Die Anforderungen und Empfehlungen lassen sich als Vergabekriterien für öffentliche Aufträge nutzen sowie für andere Zwecke, etwa als Grundlage für Rechtsvorschriften zur Barrierefreiheit. Die Norm schreibt dabei nicht vor, auf welche Art und Weise diese funktionalen Anforderungen erfüllt werden sollen – das wird an anderer Stelle konkretisiert. In Deutschland erfolgt dies über die Normenreihe DIN 18040, die voraussichtlich binnen 36 Monaten überarbeitet wird. Dipl.-Ing. Günther Weizenhöfer, Obmann des zuständigen deutschen Ausschusses Barrierefreies Bauen bei DIN, ehrenamtlicher Vertreter des DIN-Verbraucherrats und Teamleiter Pre Sales Development bei GEZE GmbH, gibt einen Ausblick auf die anstehenden Arbeiten: „Die DIN EN 17210 ist ein großes Signal für mehr Barrierefreiheit in Europa, vor allem für Länder, die bislang wenige Anforderungen an Barrierefreiheit normativ geregelt haben. Der zuständige deutsche Ausschuss wird diese Impulse bei der jetzt notwendigen Überarbeitung der Normenreihe DIN 18040 inhaltlich im Detail diskutieren und bewerten.“

Praktisches Nachschlagewerk

Für maximalen Nutzwert der Norm werden themenspezifische Anforderungen – für Menschen mit Seheinschränkungen der visuelle Kontrast, für blinde Menschen das Thema der taktilen Auffindbarkeit (beispielsweise mit dem Langstock) – nicht nur einmalig in einem Abschnitt angesprochen, sondern überall dort, wo sie auch in der Praxis vorkommen können. In diesem Fall werden visuelle Kontraste und taktile Auffindbarkeit also auch in Kapiteln zu Wegeführung, Plätze, Gehwegen, oder Verkehrsflächen in Innenräumen thematisiert. Ebenfalls hilfreich für den Anwender: Viele Abbildungen verdeutlichen die Inhalte. Die DIN EN 17210 ist mit mehr als 300 Seiten damit ein praktisches Nachschlagewerk, das sämtliche Aspekte barrierefreien Bauens abdeckt.

Die DIN EN 17210 „Barrierefreiheit und Nutzbarkeit der gebauten Umwelt – Funktionale Anforderungen“ ist ab August 2021 gültig und beim Beuth Verlag über www.beuth.de erhältlich.

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