Wasserstoffstrategien in Deutschland und Europa

Die Wasserstoffstrategien in Deutschland und Europa haben das Ziel, den Markthochlauf dieser Technologie zu beschleunigen und eine grüne Wasserstoffwirtschaft zu etablieren. Kurz- und mittelfristig sollen sie wichtige Konjunkturimpulse setzen und langfristig zur Dekarbonisierung sowie zum klimafreundlichen Umbau der Wirtschaft beitragen. Auch die Normung spielt in den Konzepten eine wesentliche Rolle.

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EU-Wasserstoffstrategie

Die Europäische Kommission hat im Juli 2020 im Rahmen der Umsetzung des European Green Deals die EU-Wasserstoffstrategie vorgestellt. Sie zielt darauf ab, die Wasserstofferzeugung zu dekarbonisieren. Wasserstoff kann dort zur Vermeidung von CO2-Emissionen beitragen, wo der Einsatz von Strom ineffizient ist. Darüber hinaus soll Wasserstoff in Sektoren genutzt werden, in denen er fossile Brennstoffe ersetzen kann. Der Aufbau eines innovativen europäischen Marktes für Wasserstoff ist daher ein wichtiger Baustein auf dem Weg Europas hin zu einem klimaneutralen Kontinent.

Die EU-Wasserstoffstrategie läuft parallel zur Strategie für die Integration der Energiesysteme und wird verschiedene Handlungsstränge zusammenführen, von Forschung und Innovation über Produktion und Infrastruktur bis hin zu internationalen Partnerschaften, damit alle Sektoren vollständig zur Dekarbonisierung beitragen können. Sie soll außerdem zur Erholung von den wirtschaftlichen Auswirkungen von COVID-19 beitragen.

Im Rahmen der Europäischen Wasserstoffstragie sind weitergehende Maßnahmen festgelegt worden, so z. B. eine Investitionsagenda für den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur (vgl. S. 22f der EU-Wasserstoffstragie). Priorität hat die Entwicklung von erneuerbarem Wasserstoff, der hauptsächlich aus Wind- und Solarenergie hergestellt wird. Kurz- und mittelfristig werden jedoch auch andere Formen von kohlenstoffarmem Wasserstoff benötigt, um die Emissionen aus der bestehenden Wasserstoffproduktion zu reduzieren. Um die Förderung auf die saubersten verfügbaren Technologien auszurichten, arbeitet die EU-Kommission an der Einführung einer umfassenden Terminologie und Zertifizierung, um erneuerbare und andere Formen von Wasserstoff zu definieren.

Grafik-Politisches-Wasserstoff

Normung in der Europäischen Wasserstoffstrategie

Normen und Standards spielen eine wesentliche Rolle in der Europäischen Wasserstoffstrategie, beispielsweise in Form von Qualitätsstandards für mehr Interoperabilität sowie harmonisierten Europäischen Normen. In multilateralen Foren soll die Entwicklung internationaler Normen und Nachhaltigkeitskriterien gefördert werden. Die Zusammenarbeit soll dabei u. a. auch durch internationale Normungsgremien ausgeweitet werden.

Nationale Wasserstoffstrategie

Die Nationale Wasserstoffstrategie wurde im Juni 2020 vom Bundeskabinett beschlossen. Sie beinhaltet ein Aktionsprogramm mit Maßnahmen für den Aufbau einer grünen Wasserstoffwirtschaft, für die künftige Erzeugung, den Transport, die Nutzung und Weiterverwendung von Wasserstoff. Entsprechende Innovationen und Investitionen sollen der Wirtschaft und dem Klimaschutz einen wesentlichen Schub geben.

Ziel der Bundesregierung ist es, grünen Wasserstoff zu nutzen, für diesen einen schnellen Markthochlauf zu unterstützen sowie entsprechende Wertschöpfungsketten zu etablieren. Bis 2030 sollen in Deutschland Erzeugungsanlagen von bis zu 5 GW Gesamtleistung einschließlich der dafür erforderlichen Energiegewinnung errichtet werden. Spätestens bis 2040 sollen weitere 5 GW zugebaut werden.

Da die Erzeugungskapazitäten von Erneuerbaren Energien in Deutschland begrenzt sind, werden der Wasserstoffimport sowie internationale Energiepartnerschaften eine zentrale Rolle spielen. So soll zeitnah der Aufbau eines auf Nachhaltigkeit ausgerichteten globalen Wasserstoffmarktes erfolgen. Über Machbarkeitsstudien sollen wirtschaftlich geeignete Standorte in der Welt für die nachhaltige Wasserstoffwirtschaft eruiert werden.

Eine Vielzahl weiterer Maßnahmen wurde festgelegt, so z. B. Investitionskostenzuschüsse für die Umstellung von konventionellen fossilen Technologien auf treibhausgasarme Verfahren in der Industrie, etwa durch das BMU-Förderprogramm „Dekarbonisierung in der Industrie“. In einer neuen ressortübergreifenden Forschungsoffensive „Wasserstofftechnologien 2030“ wurden die Forschungsmaßnahmen an Wasserstoff-Schlüsseltechnologien strategisch gebündelt.  

Normung in der Nationalen Wasserstoffstrategie

Normen und Standards spielen eine wesentliche Rolle in der Nationalen Wasserstoffstrategie, so z. B. im Rahmen der Entwicklung und Begleitung von Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstandards sowie der internationalen Harmonisierung von Standards bezüglich Mobilitätsanwendungen für Wasserstoff- und Brennstoffzellensysteme (z. B. Betankungsstandards, Wasserstoff-Qualität, Eichung, Wasserstoff-Kfz Typengenehmigung, Zulassung von Schiffen etc.). Dazu gehört auch die Unterstützung der Entwicklung von europäischen Regulierungen, Codes und Standards in den verschiedenen Anwendungsbereichen, die die Weichen für den internationalen Markt stellen und einen Markthochlauf in Deutschland in Übereinstimmung mit der Energiewende garantieren. Parallel intensiviert Deutschland den Austausch mit anderen Ländern zu gemeinsamen Standards, um einer Universalisierung in internationalen Organisationen den Weg zu ebnen.


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