Innovationen beschleunigen

Die europäische Initiative „Standards + Innovation“ will Forschern und Innovatoren die Vorteile von Normung und Standardisierung für ihre Arbeit näherbringen. Das FIR an der RWTH (Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen) zeigt als anwendungsnahes Forschungsinstitut, wie das in der Praxis aussieht.

Am FIR werden Forschungsergebnisse in anwendbare Standards überführt.
© FIR an der RWTH Aachen

Standardisierung fördert Innovationen: Indem Forscher und Entwickler ihre Ergebnisse in Normen und Standards überführen, vereinfachen sie deren Markteinführung, denn sie schaffen Akzeptanz und Vertrauen. Mit dem Projekt BRIDGIT2 wollten zehn nationale Normungsgremien der Mitgliedsstaaten von CEN und CENELEC, darunter auch DIN, diese und weitere Vorteile bekannter machen. Daraus entstanden ist die Initiative „Standards + Innovation“, die auf ihrer Website über den Nutzen von Normen und Standards informiert sowie hilfreiche Unterstützungsangebote bereitstellt, beispielsweise ein E-Learning. Daneben gibt es zahlreiche Erfolgsgeschichten von Universitäten und Unternehmen zu entdecken, die an der Schnittstelle von Forschung und Standardisierung arbeiten.

Anwendbare Ergebnisse

Eine dieser Erfolgsgeschichten kommt aus dem FIR an der RWTH Aachen. FIR steht dabei für „Forschungsinstitut für Rationalisierung“, wird aber heute gern als „Forschung, Innovation, Realisierung“ interpretiert. Die gemeinnützige, branchenübergreifende Forschungs- und Ausbildungseinrichtung schafft mit anwendungsnaher Forschung die organisationalen Grundlagen für die digital vernetzten industriellen Unternehmen der Zukunft. Die Ergebnisse der praxisrelevanten Forschungsprojekte des FIR sollen Unternehmen in ihrem Transformationsprozess unterstützen und ihre zukünftige Wettbewerbsfähigkeit sicherstellen. Deshalb legt das Institut auch einen besonderen Fokus darauf, Erkenntnisse aus der Forschung in anwendbare Standards zu überführen und sie nicht ausschließlich in wissenschaftlichen Arbeiten und Zeitschriften zu veröffentlichen. „Forschungspapiere haben nur einen begrenzten praktischen Nutzen und auch Prototypen, die in Projekten entstehen, sind irgendwann veraltet. Ein Standard bleibt dagegen auch in Zukunft ein brauchbarer Leitfaden“, erklärt FIR-Geschäftsführer Volker Stich. Das FIR bildet als clusterleitendes Institut im Cluster Smart Logistik auf dem RWTH-Aachen-Campus eine Brücke zwischen Forschung und Industrie: Von den rund 500 Mitarbeitern im Cluster kommen drei Viertel aus der Industrie und ein Viertel aus der angewandten Forschung. Sie alle arbeiten hier unter einem Dach. „Grundlagenforschung ist notwendig, aber sie spricht keine Sprache, die sich direkt auf die Praxis übertragen lässt. Wir sind quasi der Übersetzer, der in den Forschungsergebnissen das tatsächliche Potenzial für ihre Anwendung findet“, erörtert Stich die Rolle des FIR und der Center im Cluster Smart Logistik. Sobald die Ergebnisse eines Projekts marktreif sind, übergibt das FIR sie in die Praxis. Idealerweise gründet sich im Projektverlauf ein von der Forschungseinrichtung unabhängiges Unternehmen, das die Innovation dann auf den Markt bringt. Auf diese Weise ist bis heute schon rund ein Dutzend Start-ups entstanden.

Standards für die Integration von 5G

5G ist eines der zurzeit zentralen Forschungsfelder am FIR: „Alle reden darüber, aber niemand weiß, wie man das Potenzial der Technologie nutzen soll“, so Stich. „In unserer 5G-Modellfabrik testen wir gemeinsam mit Industriepartnern verschiedene Anwendungen. Dabei wollen wir die Potenziale von 5G für die produzierende Industrie identifizieren, mögliche Anwendungsfälle testen sowie die Technologie mit alternativen Übertragungswegen vergleichen. In diesem Zusammenhang gilt es auch herauszufinden, welche Standards fehlen. Beispielsweise können wir autonome Fahrzeuge mit 5G steuern, doch wie physische Objekte tatsächlich mit den Signalen interagieren, ist ein reines Versuchsfeld.“ Aus den Erkenntnissen dieser Versuche leiten die Forschungsteams Bedarfe für Standards ab.

Beschleunigung durch Standards

Zurzeit gibt es am FIR fünf bis sechs Forschungsprojekte, deren Ergebnisse am Ende in Standards überführt werden sollen. Für den erfolgreichen Verlauf versucht das FIR, DIN bereits in einer sehr frühen Phase einzubeziehen. „Wir regen in den Teams immer an, die zu erarbeitenden Ergebnisse auf die Entwicklung einer DIN SPEC oder einer anderen öffentlich zugänglichen Spezifikation auszurichten. DIN kann die dafür notwendigen Akteure zusammenbringen und den Prozess organisieren“, sagt Stich. Er ist überzeugt: „Standardisierung beschleunigt auch den Innovationsprozess selbst. Einen Standard zu haben bedeutet, dass jemand ein Problem bereits gelöst hat – so muss man selbst keine Zeit mehr investieren und ein Beschleunigungspotenzial entsteht.“ Geschwindigkeit ist für Stich aber noch nicht der größte Vorteil von Standardisierung: „Die Welt ist komplex geworden. Und Standards helfen uns, diese Komplexität zu managen.“

Webtipp: Weitere Erfolgsgeschichten aus Forschung und Innovation durch Standardisierung gibt es auf der Website von „Standards + Innovation“: www.standardsplusinnovation.eu

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Dr.

Christian Goroncy

Saatwinkler Damm 42/43
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