Auf Arbeit

250.000 Euro kostet ein vollständig ausgerüsteter Crash-Test- Dummy. Er hält seinen Kopf dafür hin, dass Autos immer sicherer werden.
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Das Grundprinzip ist 20.000 Jahre alt. Irgendwann in der Jungsteinzeit kamen Menschen auf die Idee, Früchte nicht nur im Vorbeigehen zu sammeln, sondern gezielt anzubauen. Die Arbeit war geboren – und mit ihr gewisse Grundprinzipien: Arbeit ist nicht nur mit Mühe, sondern immer auch mit Arbeitsteilung, dem Einsatz von Werkzeugen, Entlohnungsmodellen und einer notwendigen Work-Life-Balance verbunden. Auch wenn Letztere im Neolithikum nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben mag.

Seither ist viel passiert. Das Steinmesser hat sich zum Schweißroboter weiterentwickelt – mit einschneidenden Folgen. Die Menschheit treibt globalen Handel, arbeitet in digitalen Infrastrukturen, diskutiert die Folgen der Automation  sowie die Rolle der Künstlichen Intelligenz. Sieben Milliarden Menschen brauchen Arbeit. In hundert Jahren werden es elf Milliarden sein. Wird es gelingen, alle gerecht in Lohn und Brot zu bringen? So einfach die Frage, so unterschiedlich fallen die Antworten aus.

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Schwarzseher oder überzeugte Optimisten – welche Vision überzeugt Sie?

SCHWARZ - Ein Schreckensszenario künftiger Arbeitswelten Ausblenden

2018 haben Roboter und autonome Systeme 29 Prozent der Arbeit in Deutschlands Produktionshallen erledigt. In fünf Jahren wird es die Hälfte sein. Industrie 4.0 zieht weiter in die Produktionshallen ein: die Vernetzung aller Produktionsanlagen über Computer. Sensoren übernehmen die Aufgabe des erfahrenen Auges, flexible Fertigungszellen die Arbeit von Meister und Lehrling. Funkende Chips melden die Position und den Zustand jedes Werkzeuges  und Produktes an den Zentralrechner, der entscheidet, wie und wo es weitergeht. Die renommierte Stiftung World Economic Forum sieht schon in den nächsten drei Jahren weltweit 75 Millionen Arbeitsplätze in Gefahr. In Deutschland sollen es annähernd vier Millionen sein. Ins gleiche Horn stößt die Studie der beiden Oxford- Forscher Frey und Osborne, nach der hierzulande „42 Prozent der Beschäftigten in Berufen mit hoher Automatisierungswahrscheinlichkeit arbeiten“ – Zitat Ende.

Der neue Chefeinkäufer heißt Salesvox4.0

Vom drohenden Jobverlust sind nicht nur Lagerarbeiter und ungelernte Hilfskräfte betroffen. Künstliche Intelligenz wird zukünftig auch in Büroetagen Entscheidungen treffen – vor allem im Rechnungswesen, im Verkauf und Vertrieb. Mehr noch: In Europa werden inzwischen ungefähr die Hälfte der Börsengeschäfte von Rechnern durchgeführt. Bisher waren die Algorithmen nur für wenige Kursabstürze verantwortlich, zuletzt im Februar 2018. In amerikanischen Anwaltskanzleien übernehmen Computer inzwischen erfolgreich die Rolle von Rechtsanwaltsfachangestellten und durchstöbern das Netz nach Präzedenzfällen. Und die bislang erfolgreichsten Operationsroboter mit dem Namen „daVinci“ operieren im Jahr über eine Million Patienten – nicht immer erfolgreich. So gab es schon zahlreiche Verletzungen und sogar Todesfälle.

Bei allen Anlaufschwierigkeiten: Die Maschinen werden kommen. Die Zahl der Industrieroboter hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt und beträgt heute weltweit ungefähr 1,4 Millionen Einheiten. Sie bringen nicht nur mehr Präzision in die Werkshallen, sondern auch jede Menge Probleme – zumindest für ihre menschlichen Kollegen. Im Kampf um den Arbeitsplatz gegen den digitalen Konkurrenten hilft nur gezielte Aus- und Weiterbildung. So prognostiziert die Wirtschaftswoche, dass 58 Prozent aller Arbeitnehmer „erhebliche Neu- und Weiterqualifizierungen benötigen – davon jeder Fünfte eine zusätzliche Ausbildung, die zwölf Monate oder länger dauert.“ Nicht jeder wird sich dieser Herausforderung stellen wollen oder können. Und so warnt auch schon eine Studie im Auftrag der Barmer-Krankenkasse vor den gesundheitlichen Risiken der Digitalisierung. „Aus der Mehrbelastung lassen sich in vielen Fällen Einschlafschwierigkeiten, Kopf- und Rückenschmerzen sowie emotionale Erschöpfung ableiten.“ Knapp ein Viertel der Befragten fühlt sich demnach im digitalen Umfeld ausgebrannt. Keine schöne neue Welt.

Doch es gibt auch eine andere Sicht auf die Dinge. Und dann sieht die Schwarzmalerei plötzlich weiß und positiv aus.

WEISS - Maschinen für mehr Menschlichkeit Einblenden

75 Millionen Arbeitsplätze weltweit in Gefahr – das ist nur die halbe Wahrheit. Denn die vorher zitierte WEF-Studie prognostizierte im gleichen Zeitraum 133 Millionen neue Stellen. „Besonders die Einführung neuer Technologien und andere sozioökonomische Entwicklungen wie der Aufstieg der Mittelschichten in Schwellenländern begünstigen neue Berufe“, erläutern die Autoren. Die neue Technologie bringt also nicht nur neue Jobs in den Bereichen IT-Administration und Mechatronik hervor, sondern infolge gesellschaftlicher Umbrüche auch ganz neue Arbeitsfelder; zum Beispiel im Dienstleistungsbereich. Die positiven Anzeichen gelten auch für Deutschland: In der Autoindustrie haben sich die Produktionsprozesse dank Robotik enorm verändert, aber unter dem Strich ist in dieser Branche die Zahl der Arbeitsplätze in den vergangenen zwölf Jahren um zehn Prozent gestiegen. So schnell lassen sich Menschen also nicht ersetzen: Dies gilt jedoch nicht für einfache Tätigkeiten, weil zum Beispiel die „Projekt- Programmierung“ eines Hilfsarbeiters zumeist nur einen einfachen Satz erfordert. Auch hochqualifizierte Berufe wie Ingenieure, Architekten, Richter, so prophezeien die Oxford-Forscher Frey und Osborne, werden auf lange Sicht gebraucht. Berufe, die Kreativität und soziale Kompetenz erfordern, entziehen sich sowieso dem Zugriff eines Computerchips. Erzieher, Musiker,  Tänzer, Yoga-Trainer, Schriftsteller und Psychologen wird es deshalb immer geben. Und vielleicht wird es Berufsbilder geben, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können: zum Beispiel Virtual- Smart-Home-Designer. Oder galaktische Reiseführer. Oder Roboter-Coaches.

Die Milchkanne: ein Zeichen der Zukunft

Mittlerweile gibt es sogar eine Renaissance der analogen Welt. Amazon hat in Berlin seinen ersten Laden eröffnet, in dem man und frau ganz altmodisch shoppen gehen kann. Die Anzahl der Bio- und Hofläden hat sich in den vergangenen sieben Jahren mehr als verdoppelt. Und das vielgepriesene autonome Fahren fasziniert derzeit nur wenige Fahrer. In Deutschland zumindest halten drei Viertel lieber selbst das Steuer in der Hand.

Und noch eines haben die Kassandrarufer der Digitalisierung nicht auf dem Bildschirm gehabt: den Menschen selbst. Die neue Generation der Millennials schert sich nämlich kein Bit um klassische Industriekarrieren, lebenslange Berufsleitern und herkömmliche Acht-Stunden- Jobmodelle. Der demografische Wandel stärkt ihr Selbstbewusstsein und damit können sie andere Prioritäten setzen: von der Work-Life- Balance bis hin zu menschlichen Arbeitsplätzen.

Als Digital Natives nutzen sie IT-Architekturen zum Beispiel als Chance für einen mobilen Arbeitsplatz, der ihnen viel mehr Freiheiten einräumt als das klassische Großraumbüro.

BUNT - Da wartet Arbeit auf Unternehmen Einblenden

Selbstbewusste Mitarbeiter, technologische Herausforderungen: Die Unternehmen sind gefragt. Arbeit welcher Art auch immer ist schließlich die Basis des Geschäftserfolges. Die Botschaft ist angekommen: Laut der IDG-Studie „Arbeitsplatz der Zukunft 2018“ steht dieser bereits im Fokus der Entscheider, noch vor der Personalentwicklung. Gefragt wurden in 1.500 Unternehmen: „Wo liegen die Herausforderungen, was sind mögliche Lösungsansätze?“ So viel vorab: Der moderne Arbeitsplatz ist mehr als die Vollausstattung aus dem Büroshop. Und der Firmenwagen als Lockmittel parkt endgültig auf einem hinteren Abstellplatz.

Die Unternehmen sehen als erste Herausforderung die Akzeptanz der Mitarbeiter – und liegen damit richtig. Rund drei Viertel aller Change-Projekte scheitern; oft genug an den Widerständen der Betroffenen. Akzeptanz  erreichen die Chefs nur durch eine offene Informationspolitik und vor allem durch eine Berücksichtigung der Mitarbeiterwünsche. Und da steht an Platz eins: flexible Arbeitszeiten für eine bessere Work-Life-Balance, gefolgt von  einer exzellenten IT-Ausstattung und drittens weniger Präsenzpflicht im Büro. Und das ist nicht nur bei der Generation X so, die  Präferenzen sind bei Berufseinsteigern wie auch  bei den über 40-Jährigen gleich. Allerdings mit unterschiedlichen Schwerpunkten: Die reichen von einem Sabbatical bis hin zu flexiblen Arbeitszeiten, wenn zu Hause das Kind kränkelt.

Habe fertig!

Wie radikal der Wechsel aussehen kann, zeigt unter anderem das Beispiel Tower Paddle Boards. Das amerikanische Unternehmen stellt Paddelbretter her. Das Besondere daran: Der Chef Stephan Aarstol geht jeden Tag um ein Uhr nach Hause – oder zum Paddeln. Und mit ihm die gesamte Belegschaft. Die fängt um acht Uhr an und arbeitet somit nur fünf Stunden pro Tag. Ganz so großzügig, wie es klingt, ist Aarstols Angebot jedoch nicht. Denn die kürzere Arbeitszeit soll zu effizienteren Ergebnissen führen. „Konzentriert und effektiv arbeiten wir nur zwei bis drei Stunden pro Tag. Den Rest verschwenden vor allem Büroarbeiter mit unnötigen E-Mails, Privatangelegenheiten, Surfen im Internet, Kaffeepausen und Tagträumen. Hört damit auf, Leute!“, meint der Chef. Sein Unternehmen wächst rasant. Aarstol hat ein Buch zum Thema veröffentlicht: „The five hour workday – how business can attract top talent, keep their employees happy, and crush their competition“.

GOLD - Arbeit für Nehmer Einblenden

Arbeit ist nur eine zwingende Notwendigkeit, um Brot, Butter und Marmelade kaufen zu können? Ganz so einfach ist es nicht. Für die meisten Menschen bedeutet Arbeit mehr als Geld und Gold. Sie strukturiert unseren Tag und unser Leben. Sie bringt uns mit Kollegen zusammen, mit denen wir gemeinsam Ziele erreichen können. Sie fordert uns und zeigt Grenzen auf. Und im Ehrenamt verzichten wir zwar auf Bezahlung, erhalten aber einen anderen Gegenwert: Wertschätzung. Und nicht zuletzt: Ohne Arbeit gibt es keine Freizeit – jedenfalls keine wertvolle.

Alexa, geh für mich zur Arbeit!

Künftige Beschäftigungswelten werden neue Herausforderungen an den einzelnen Arbeitnehmer stellen: Dazu zählt vor allem lebenslanges Lernen. Die Gründe dafür: Globalisierung, Wertewandel und der gesellschaftliche Konsens zu mehr Nachhaltigkeit sorgen für einen beständigen Wechsel und erfordern kontinuierliche Anpassung. Darüber hinaus ändert sich das technologische Umfeld. Das gilt sowohl für den Industrie-4.0-Arbeitsplatz als auch für das Smart Home und die Smart Cities, in denen wir leben. Kein Problem für die Digital Natives, die mit dem Internet of Things aufgewachsen sind – aber können Senioren im 4.0-Zeitalter mithalten? „Es hat sich nicht bestätigt, dass Ältere angeblich nicht mehr lernen wollen“, meint Martina Schmeink, Vorstand beim Demografie-Netzwerk Deutschland. Sie beklagt das Paradox, dass Manager über 45 Jahren ihre eigene Altersgruppe als nicht so kompetent im digitalen Kontext erachten – bei sich selbst aber eine Ausnahme sehen. Schmeink ist sich sicher: „Der Schatz der Erfahrung wird in Zukunft deutlich mehr Gewicht erlangen. Und: Die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen erhöht sich signifikant, wenn vorhandene Kompetenzen wertgeschätzt werden.“ Wer sich auf die neuen Beschäftigungswelten einlässt, kann mehr Freiheiten genießen. Dazu zählen zum Beispiel alternative Arbeitszeitmodelle, die sich langsam, aber sicher durch- setzen. Aber: Nicht jeder wünscht sich so viel Freiheit. Bedeutet sie doch auch Eigenverantwortung und Selbstdisziplin. Für die Unter- nehmen sind solche Modelle mit organisatorischem Mehraufwand verbunden. Doch auch sie profitieren: im Wettbewerb um Talente und durch motivierte Mitarbeiter.

GRÜN - Freiraum für Normen und Standards Einblenden

Mittwochmorgen, 8.30 Uhr, Berlin, Nähe DIN-Platz: Philipp Albrecht ist schon seit einer Stunde da. Heute steht eine wichtige Webkonferenz an, deshalb hat er sich zuerst von seinem Arbeitsplatz die Unterlagen für das Gespräch geholt, um dann im Konzentrationsraum in aller Ruhe zu lesen. Das hat nur eine halbe Stunde gedauert, es ist noch Zeit für einen Kaffee. In der Lounge stehen zwei Kolleginnen – sie tauschen sich übers Wetter aus und besprechen die anstehende Konferenz. Die Gesprächsstrategie ist klar, der Umgangston locker. Gemeinsam gehen sie zum Multimedia- Konferenzraum. Die Verbindung steht, die Begrüßung fällt herzlich aus. Das Thema heute: die „Normungsroadmap Innovative Arbeitswelt“. Am anderen Ende der Leitung erläutert ein Mitarbeiter des DGB seine Sicht auf die zukünftige Rolle der Sozialpartner bei der Gestaltung von Arbeitswelt. Nach gut einer Stunde ist die Telefonkonferenz beendet. Philipp Albrecht hat das Protokoll übernommen. Am eigenen Schreibtisch? Nein, lieber am Multifunktions- Arbeitsplatz in der Ecke. Erstens kann er da im Stehen arbeiten (das freut seinen Rücken), zweitens ist die Aussicht ins Grüne entspannend. Rechner ans Netzwerk anschließen – nach einer halben Stunde ist das Protokoll fertig, er geht zurück zum Arbeitsplatz. „Komm, lass uns noch mal zusammenfassen“, meint sein Kollege. Gute Idee! Sie finden in einem Gesprächseck noch zwei drehbare Polstersessel, machen es sich gemütlich und stimmen sich ab. „Ganz meine Meinung!“

Die Digitalisierung wird nie mehr so langsam verlaufen wie heute

Zukunftsmusik? Nein, zumindest nicht im zehnten Stock des DIN-Gebäudes in Berlin. Vor dem Umzug in eine Übergangsimmobilie demonstriert dort eine Pilotfläche, wie das gesamte DIN-Gebäude nach der Komplettsanierung in etwa zwei Jahren aussehen wird. Das neue Konzept nennt sich „Multispace“. Es bietet allen Mitarbeitern nicht nur einen festen Arbeitsplatz, sondern gleich mehrere. Damit kann jeder selbst entscheiden, ob er zusammen mit anderen in einer gemütlichen Ecke, am eigenen Schreibtisch oder in einem hermetisch abgeschirmten Zimmer arbeiten möchte; je nach anstehender  Aufgabe. Multispace wird die Kommunikation und Teamarbeit unterstützen – hausintern wie auch in Zusammenarbeit mit externen Fachleuten.

Möbel, Büros und Technik sind dabei nur die halbe Miete, genauso wichtig sind gegenseitige Rücksichtnahme und faire Spielregeln. Und natürlich die Vorbereitung der gesamten DIN- Belegschaft durch eine ganze Reihe von Workshops und Gesprächen. Etwa 30 Gebäudebotschafter sammeln darüber hinaus Fragen und Anregungen und diskutieren sie mit den Planern und Projektteams. Philipp Albrecht jedenfalls freut sich auf die Vorteile des neuen Raumkonzeptes: „Wir können uns jederzeit auf kurzem Weg austauschen. Man lernt schnell, womit sich die Kollegen anderer Bereiche beschäftigen, ist auf dem neusten Stand und kann sich einbringen.“

DIN-BLAU - Arbeit für eine bessere Arbeit Einblenden

Komplexe Prozesse wie die Definition moderner Arbeitsumfelder brauchen Leuchttürme, Wege und Leitplanken – sprich Normen, Standards und „Best Practices“. Da ist DIN vorne mit dabei: Die „Normungsroadmap Innovative Arbeitswelt“ analysiert die Arbeitswelten von morgen und betrachtet die aktuellen Forschungsergebnisse. Mit im Boot sind Experten aus Wirtschaft, Entwicklung, Wissenschaft und Politik. Sie arbeiten an konkreten Handlungsempfehlungen und bieten eine Übersicht relevanter Normen und Standards, die von den Veränderungen der Arbeitswelt betroffen sind.

Die Rolle des Menschen ist ein Schwerpunkt der Normungsroadmap – und damit die Berücksichtigung seines physischen und mentalen Leistungsvermögens. Das Arbeitsumfeld der Zukunft muss Unfälle und Gesundheitsschäden unter allen Umständen verhindern. Darüber hinaus können Mensch-Technik-Interaktionen zwar körperliche Belastungen vermindern – zum Beispiel durch den Einsatz von Robotern oder Exoskeletten. Bei ungeeigneter Gestaltung führen sie aber auch zu gegenteiligen Entwicklungen. Wenn der Mensch nur noch Zuarbeiter ist, entsteht durch einförmige Resttätigkeiten Monotonie. Mit anderen Worten: Sowohl Über- wie auch Unterforderung muss vermieden werden. Und nicht zuletzt muss die Produktion auf lange Sicht auch die Persönlichkeit, die Fähigkeiten und das Wissen des Arbeiters fördern. In diesem Sinne beschreibt beispielsweise die DIN EN ISO 6385:2016-12 sowohl die Anforderungen an eine menschengerechte Gestaltung von Arbeitsumgebung, Arbeitsraum und Arbeitsplatz und berücksichtigt gleichzeitig alle physikalischen, chemischen, biologischen, organisatorischen, sozialen und kulturellen Umfeldfaktoren.

Darüber hinaus beschäftigt sich die Normungsroadmap mit der Künstlichen Intelligenz von Maschinen und ihren unmittelbaren Auswirkungen auf die menschliche Arbeit. Einerseits muss KI so ausgelegt werden, dass sie den aktuellen Aufgaben der Menschen in den Organisationen folgt und dient. Andererseits erfordert sie entsprechende Weiterbildungsmaßnahmen, Schulungen und neue Wissensmanagement-Strategien.

Ergänzt werden diese Themen durch Ansätze für die unternehmerische und gesellschaftliche Governance. Gerade im Industrie-4.0-Umfeld muss sichergestellt sein, dass alle geltenden Gesetze, Verträge, Regeln und Normen zum Schutz der Mitarbeiter eingehalten werden. Das gilt beim Datenschutz ebenso wie direkt in der Produktion. Um den Praxisbezug sicherzustellen, beschreibt die Roadmap vier Use Cases aus den Bereichen Produktion und Dienstleistungen. Neben Handlungsempfehlungen für den Normungsbedarf sollen auch aktuelle unternehmerische und gesellschaftliche Herausforderungen betrachtet werden.