Offen für alle

Im zweiten Quartal dieses Jahres erscheint die DIN SPEC 3105 „Open-Source-Hardware“. Sie legt den Grundstein für Normung und Standardisierung in diesem Bereich und somit auch für den Aufbau einer funktionierenden Circular Economy. Dabei erscheint die DIN SPEC selbst unter Open-Source-Lizenz.

Open Sign
Hardware, deren Baupläne für alle öffentlich zugänglich gemacht werden, bietet Kunden und Herstellern viele Vorteile.
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Open Source ist ein wichtiges Zukunftsthema. Bekannt ist der Begriff bisher vor allem im Software-Bereich, in dem die Programme mit dem offenen Quellcode, der von allen bearbeitet werden kann, bereits seit vielen Jahren entwickelt und genutzt werden. Anders sieht das im Bereich Open-Source-Hardware (OSH) aus: Hier besteht Nachholbedarf, denn OSH ist zentral für den Aufbau einer funktionierenden Circular Economy. Deshalb ist das Thema „Open Source“ auch in der deutschen Normungsstrategie verankert: Gemeinsam mit der DKE (Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik in DIN und VDE) analysiert DIN in Pilotprojekten, wie Normung und Open-Source-Projekte effektiv zusammenarbeiten können.

Beidseitige Vorteile

Die Open Source Hardware Association definiert OSH als „Hardware, deren Baupläne öffentlich zugänglich gemacht wurden, so dass alle sie studieren, verändern, weiterverbreiten sowie darauf basierende Hardware herstellen und verkaufen können.“ Dieses Vorgehen bietet sowohl Kunden als auch Herstellern viele Vorteile. Erstere sind nicht mehr an spezifische Anbieter von Ersatzteilen gebunden, sondern können diese frei wählen. Herstellern ermöglicht OSH, ihre Produkte mit denen anderer Hersteller sinnvoll zu verknüpfen und so noch besser auf die Kundenbedürfnisse zuzuschneiden. Zudem sparen sie Kosten, wenn die Weiterentwicklung eines Produkts innerhalb einer Open-Source-Community erfolgt, statt in der eigenen Entwicklungsabteilung. Auch das Kundenfeedback wirkt effizienter, wenn man es direkt auf die Baupläne beziehen und es bei konkreten Lösungsvorschlägen berücksichtigen kann.

Teilhabe der Kleinen

Anbieter und Entwickler von OSH profitieren von Normung und Standardisierung: Sie vereinfacht den Technologieaustausch zwischen den Marktteilnehmern, Forschungsinstituten und OSH-Initiativen. Auch Akteure mit bisher zu geringen finanziellen Mitteln, wie KMUs, Start-ups, Schulen oder Unternehmen und Gründer in Entwicklungs- und Schwellenländern, können sich so besser einbringen. Standards schaffen zudem eine Basis, auf der auch kleine Entwickler mit etablierten Unternehmen zusammenarbeiten können. Communitys und Werkzeuge für die OSH-Entwicklung existieren bereits, jedoch gibt es noch keine offiziellen Standards, denen sie folgen können. Zudem sind Nutzungslizenzen für Produkte zwar vorhanden, werden in der Praxis jedoch kaum korrekt umgesetzt.

Grundlagen schaffen

Aktuell gibt es in einigen Bereichen bereits Kenntnis zu Funktions- und Bauweisen von Open-Source-Produkten, mit der diese im Sinne einer Circular Economy wiederverwertet oder angepasst werden können, es fehlt jedoch zum Teil an einer industriell nutzbaren Infrastruktur. Die DIN SPEC 3105 geht nun den ersten Schritt, um das zu ändern. Sie besteht aus zwei Teilen. Die DIN SPEC 3105-1 trägt den Titel „Open-Source-Hardware – Teil 1: Anforderungen an die technische Dokumentation.“ Sie definiert grundlegende Begriffe und klare Anforderungen an die technische Dokumentation, mit denen der Infrastrukturaufbau unterstützt werden kann. Damit macht die DIN SPEC 3105-1 OSH-Produkte kompatibler, vergleichbarer sowie qualitativ hochwertiger und schafft zugleich die Grundlage für weitere Normungsarbeit, wie etwa den Metadatenstandard für OSH.

Die DIN SPEC 3105-2 „Open-Source-Hardware – Teil 2: Peer-Zertifizierung“ baut darauf auf und definiert ein in der Praxis nutzbares Verfahren, mit dem OSH-Produkte transparent und dezentral zertifiziert werden können. So kann das Vertrauen in offene Technologien erhöht werden. Damit baut die DIN SPEC 3105-2 die Brücke von der Entwicklergemeinschaft zu Industriepartnern und etablierten Einrichtungen. Für Martin Häuer, Initiator der DIN SPEC und Vorstandsmitglied und Projektleiter beim Open Source Ecology Germany e. V. hat das Thema großes Potenzial: „Mit der DIN SPEC 3105 möchten wir den Ausbau der Infrastruktur für OSH vorantreiben, um das, was in der Softwarewelt schon seit Jahrzehnten etabliert ist, nun für Wissenschaft und Industrie nutzbar zu machen. So, wie man eine Schraube nicht mehr neu erfinden muss, wenn man eine Maschine entwickelt, könnte das mit sehr vielen physischen Modulen funktionieren.“

Offene Normung

Auch die Normungsarbeit selbst soll künftig vom Open-Source-Gedanken profitieren. Deshalb erscheint die DIN SPEC 3105 in einem Pilotprojekt selbst unter Open-Source-Lizenz. Dafür nutzt DIN die Creative-Commons-Lizenz CC-BY-SA 4.0. Sie erlaubt die Nutzung, Verbreitung und Veränderung der Inhalte unter derselben Lizenz unter der Bedingung, dass der Lizenzgeber genannt wird – in diesem Fall DIN. Außerdem müssen Weiterentwicklungen unter derselben oder einer kompatiblen Lizenz weitergegeben werden. Man spricht dabei auch vom Copyleft-Mechanismus.

Die DIN SPEC 3105 steht auf www.din.one zur Verfügung, einer Kooperationsplattform für den gemeinsamen Austausch zum Thema  Normung und Standardisierung. Konkret bedeutet das, dass die DIN SPEC 3105 in ihrer ersten Version unter den etablierten Regeln entwickelt wurde, die Community nun aber online Änderungsvorschläge einbringen und gemeinsam bewerten kann. Sobald die Community dann ausreichend substanzielle Änderungen vorgenommen hat, kann eine neue Version der DIN SPEC bei DIN eingebracht und veröffentlicht werden.

Ihr Ansprechpartner

DIN e. V.

Andreas Lamm

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