Nachhaltige Haltung

Wer über Produktkonformität, Schadstoffdeklaration oder Circular Economy redet, kommt am IT-Dienstleister iPoint-systems nicht vorbei. Nachhaltigkeit ist die DNA des Unternehmens.

Martina Prox ist Expertin für Nachhaltigkeitsstrategie bei ifu Hamburg, das zur iPoint Group gehört.
© Götz Schleser

Das Gespür für den richtigen Markt hat die iPoint-systems GmbH groß gemacht. Gründer Jörg Walden erkannte schon 2001, dass entlang der Lieferkette der Nachweis von Produktkonformität immer wichtiger wird. Lange bevor vermehrt gesetzliche oder freiwillige Regularien Hersteller in Zugzwang brachten, entwickelte iPoint Lösungen für eine digitale Dokumentation entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Aus einem Flickenteppich verschiedenster interner und externer Systeme und einer Vielzahl an manuellen Eingriffen entsteht ein transparenter plattformbasierter digitaler Workflow. Lösungen, die die Einhaltung aktueller Normen und Richtlinien rechtssicher und effizient ermöglichen.

Als Anbieter von Lösungen für die Automobilbranche gelang iPoint mit dem Inkrafttreten der Altfahrzeugverordnung (ELV) der Durchbruch. Zusätzlichen Schub auch in anderen Branchen brachten Verordnungen und Richtlinien wie REACH, RoHS, WEEE zu Konfliktmineralien und andere Vorgaben im Bereich umweltbezogener und sozialer Produktkonformität sowie Nachhaltigkeit. iPoint-systems unterstützt Hersteller und deren Lieferanten unter anderem dabei, gesetzlich geforderte Dokumentationen rechtssicher, schnell und automatisiert zu erstellen und zu pflegen.

So entwickelte sich das heutige umfassende Angebot an Dienstleistungen und Softwareprodukten. Das aktuelle Lösungsportfolio unterstützt und automatisiert die Datensammlung im gesamten Wertschöpfungsnetzwerk und sorgt dafür, dass die Reporting-Anforderungen der Regulierungsbehörden an die Unternehmen eingehalten werden. Nach dem Kauf der ifu Institut für Umweltinformatik Hamburg GmbH Ende 2017 beschäftigt der IT-Dienstleister iPoint-systems heute mehr als 170 Mitarbeiter an weltweit 14 Standorten. Mehr als 250 renommierte Firmen zählen zum treuen Kundenstamm – von Aston Martin über Bosch und Caterpillar bis hin zu Roche, Voith und Volvo. Sie eint ein Ziel: nachhaltige Produkte über das fokussierte Zusammenspiel eines nachhaltigen Wertschöpfungsnetzwerks in den Markt zu bringen.

Neues Denken in Kreisläufen

„Dabei setzen wir mit unserem Lösungsportfolio auf das Modell der Circular Economy“, sagt Jörg Walden, Gründer und Geschäftsführer der iPoint-systems GmbH. „Dieser Ansatz sieht kein absolutes Ende für ein Produkt oder einen Prozess vor. Stattdessen bietet dieses geschlossene System Unternehmen und der Gesellschaft die Chance, wirklich nachhaltige Produkte herzustellen und die eingesetzten Rohstoffe über die Nutzungsdauer hinaus wiederzuverwenden, wiederzuverwerten und in einen technischen oder biologischen Kreislauf zurückzuführen.“

Martina Prox, schon als Werkstudentin 1995 beim ifu gestartet, ist auch in der gemeinsamen neuen Welt unter dem Dach der iPoint Group zu Hause: „Sich in einem Unternehmen zu engagieren, das Nachhaltigkeit in seiner DNA hat, begeistert mich jeden Tag wieder.“ Die studierte Kulturwissenschaftlerin verantwortet den Bereich Nachhaltigkeitsstrategie im Unternehmen – und ist in zahlreichen Normungsausschüssen aktiv. Für den Softwareanbieter und seine Kunden aus der Automobil-, Elektronik-, Medizintechnikbranche und weiteren der diskreten Fertigungsindustrie, steht derzeit ein Thema im Fokus: Kreislaufwirtschaft, englisch Circular Economy. Martina Prox relativiert: „Der Begriff Kreislaufwirtschaft wird noch viel zu häufig mit Fokus auf Abfall und Entsorgungswirtschaft benutzt. Das ist viel zu kurz gedacht.“ Denn es geht in der Circular Economy nicht darum, erst am Ende des Produktlebenszyklus an Wiederverwertbarkeit und Rückgewinnen von Rohstoffen zu denken. iPoint erwartet hier einen fundamentalen Paradigmenwechsel. Hersteller müssen jedes neue Produkt von Anfang so designen, dass dieses kreislauffähig wird.

Circular Economy erfordert ein neues Mindset

Der Switch zur Circular Economy bietet viele Chancen für Produktanbieter. Obwohl ein völlig neues Mindset gefragt ist. Und das auf teilweise unbekanntem Terrain. Denn bis dato war das Denken in Kreisläufen keine Disziplin in Ausbildung, Forschung und Lehre. Alle Beteiligten in Unternehmen müssen sich neu aufstellen und neu denken, um der Herausforderung gerecht zu werden. Bei der Circular Economy geht es im Kern um die Transparenz und Nachverfolgbarkeit eines Produkts vom Design bis zu seiner Wiederverwertung. Prox ist überzeugt: „Bei der hier herrschenden Komplexität hilft Normung ungemein dabei, Orientierung zu schaffen und zu behalten. Zudem trainiert das Konsensprinzip die Kooperationsfähigkeiten aller Beteiligten und stärkt die Vernetzung der nationalen und internationalen Stakeholder.“ Normungsarbeit bringt alle gemeinsam nach vorne. Bestes Beispiel sind die Arbeiten im neuen technischen Komitee ISO/TC 323 „Circular Economy“ der Internationalen Standardisierungsorganisation (ISO). Unter anderem werden hier Kriterien harmonisiert, die die Zirkularität von Produkten messbar machen durch geeignete Indikatoren und zugehörige Berechnungsverfahren. Martina Prox: „Gerade bei innovativen Themen kommt es aber auch auf Geschwindigkeit und Agilität an. In den aktuell aktiven Normungsgremien tragen wir dem damit Rechnung, dass der Fokus auf der Rahmensetzung, einer einheitlichen Sprache und grundlegenden Prinzipien liegt und konkrete Best-Practice-Beispiele noch informativen Charakter haben.“

Hersteller stehen unter Druck

Neben dem CO2-Fußabdruck oder der Volldeklaration von enthaltenen Substanzen fordert die nachhaltige Circular Economy Transparenz in Bezug auf die Herkunft und Rückverfolgbarkeit von Inhaltsstoffen sowie auf die umweltbezogenen und sozialen Produktionsbedingungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Zudem ist der Hersteller über den gesamten Lebenszyklus für das Produkt – einschließlich dessen Recycling oder Wiedereinführung in einen technischen oder biologischen Kreislauf – verantwortlich. Die Hersteller stehen unter Druck. Durch die Diskussion um den Klimawandel ist Nachhaltigkeit in der Mitte der Gesellschaft und damit auch in den Vorstandsetagen angekommen. Dabei ist nicht die Frage ob, sondern wann die Neuausrichtung passiert. Martina Prox: „Abhängig von den Innovationszyklen der einzelnen Branchen wird die Umsetzung in unterschiedlichen Tempi vollzogen werden. Die schnelllebige Elektroindustrie beispielsweise sehe ich als Taktgeber.“

Alle Branchen eint die Vorgehensweise: Konsequent gelebte Circular Economy erfordert die Digitalisierung des kompletten Produktlebenszyklusmanagement- Prozesses in einem digital gesteuerten Lösungsansatz – der Domäne von iPoint. Martina Prox: „Wir wissen, dass Unternehmen schnellstmöglich handeln müssen. Das wird nur mit Softwaretools funktionieren, in die tagesaktuelle Parameter und Originaldaten von Lieferanten schnell und einfach einfließen.“ Großes Plus dabei: Wenn sich der digitale Prozess in der Umweltbewertung von Produkten durchsetzt, kann kein Hersteller mehr schummeln – beispielsweise in Bezug auf den CO2-Fußabdruck oder die Volldeklaration von enthaltenen Substanzen.

Der Aufwand, beispielsweise für Datenrecherche und das Erstellen von Ökobilanzen, muss, so der Ansatz von iPoint, massiv sinken. Das leisten seine Tools und Softwarebausteine. Martina Prox: „Wir wollen, dass die Umweltbewertung über den gesamten Produktlebenszyklus einfach und fälschungssicher möglich wird, damit sich Materialkreisläufe schließen und Verschwendung beendet wird.“ iPoint setzt dabei auf seinen Erfahrungsschatz, aber auch auf innovative Tools wie die Blockchain, die nun den Sprung vom Hype in den Mainstream geschafft hat. Die fälschungssichere Blockchain wird zunehmend für die Sammlung, Verwaltung und Berichterstattung von Nachhaltigkeitsdaten und die Bewertung des „Impacts“ von Unternehmen eingesetzt.

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