Gemeinsame Sprache für KI

Die Normungsroadmap für Künstliche Intelligenz (KI) soll aufzeigen, welche Normen und Standards es bereits zu KI gibt und welche noch nötig sind. Experten füllen die Roadmap derzeit mit Inhalten – darunter auch Dr. Peter Deussen, National Standards Officer Germany bei Microsoft, er leitet die Arbeitsgruppe „Grundlagen“.

Deussen
Dr. Peter Deussen ist National Standards Officer Germany bei Microsoft und Leiter der Arbeitsgruppe „Grundlagen“ der Normungsroadmap für Künstliche Intelligenz
© DIN

Herr Dr. Deussen: Was ist die größte Herausforderung in der KI-Normung?
Es gibt generell einen gewissen Handlungsdruck, denn KI ist bereits an vielen Stellen im Einsatz. Es braucht Normen, um Sicherheit zu schaffen und Vertrauen in diese Technologie aufzubauen, Konformität ist hier ein wichtiges Stichwort: Wenn ich weiß, dass ein Produkt normkonform entwickelt wurde, kann ich mich darauf verlassen, dass es bestimmte Sicherheits- und Qualitätsanforderungen erfüllt. Konformität ist auch ein Thema auf Organisations- und Managementebene: Da geht es etwa darum, ob eine KI Bewerberprofile fair auswertet und wie das getestet wurde. Oder ob von Zulieferern eingekaufte Datensätze qualitativ in Ordnung sind. Hinzu kommt, dass Gesetzgeber bereits an Regeln für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz arbeiten. Gesetze verweisen wiederum oft auf Normen, auch das zeigt den Bedarf.

Um welche Inhalte geht es konkret?
Konkret haben wir uns darauf verständigt, Grundbegriffe der KI in einem Glossar aufzulisten. Dieses soll die begriffliche Basis für Standardisierungsaktivitäten sein und auch frühzeitig den anderen Arbeitsgruppen zur Verfügung stehen – denn es ist wichtig, dass alle Akteure dieselbe Terminologie verwenden, auch über die Arbeitsgruppen hinaus. Außerdem erarbeiten wir eine Klassifikation der verschiedenen KI-Methoden, da spielen die unterschiedlichen Fähigkeiten von KI eine Rolle, beispielsweise Bild- oder Spracherkennung. Die Vertrauenswürdigkeit von Künstlicher Intelligenz ist ein weiterer Punkt – da geht es um Prinzipien wie Fairness, Transparenz und Zuverlässigkeit. Zu guter Letzt befasst sich die Arbeitsgruppe damit, wie sich der Entwicklungsprozess von KI-Systemen beschreiben lässt. Weil moderne KI-Anwendungen vielfach auf maschinellem Lernen beruhen und hier Daten ein integraler Bestandteil des Entwicklungsprozesses sind, werden in diesem Zusammenhang auch Themen wie Datenqualität und Datenmanagement betrachtet.

Ist es nicht schwierig, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen?
Nicht schwierig, aber es ist sicher eine gewisse Herausforderung, schließlich wirken derzeit fast 100 Teilnehmer in der Gruppe mit, jeder mit seiner eigenen beruflichen Expertise. Und die Themenbereiche sind umfänglich und eben auch kontrovers diskutierbar. Beispielsweise kann aus Sicht des Forschers ein bestimmter Grundbegriff der KI wichtig sein, für den KI-Experten aus der Industrie dagegen weniger. Ähnliches gilt für die Klassifizierung der Methoden. Hinzu kommt, dass wir uns mit den anderen Arbeitsgruppen, die ebenfalls an der Roadmap beteiligt sind, eng austauschen und koordinieren.

… mit der Steuerungsgruppe?
Richtig, wir berichten dieser regelmäßig unsere Fortschritte. Hilfreich ist auch, dass verschiedene Mitglieder der Steuerungsgruppe in unserer Arbeitsgruppe mitarbeiten. Grundsätzlich sind wir, auch mit Unterstützung von DIN, gut organisiert. Deshalb bin ich sehr zuversichtlich, dass wir pünktlich handfeste Ergebnisse liefern, Mitte April werden wir bereits eine erste Version des Abschnitts „Grundlagen“ fertiggestellt haben.

Geplant ist, die Normungsroadmap KI zum Digitalgipfel 2020 zu veröffentlichen. Wie geht es danach weiter?
Aus heutiger Sicht können wir für den Digital-Gipfel sicher eine Liste von Empfehlungen für künftige Standardisierungsaktivitäten in einer ersten Version der Roadmap erstellen, aber die eigentliche Arbeit beginnt dann erst: Empfehlungen müssen national und international in konkrete Standards umgesetzt werden, und daraus ergeben sich neue Erkenntnisse und Bedarfe. In einem ersten Schritt werden aktuell horizontale Themen und erste vertikale Bereiche, nämlich das Gesundheitswesen, Industrie und Mobilität betrachtet. Weitere Bereiche sollen in einem nächsten Schritt in späteren Versionen der Roadmap hinzukommen und werden dann neue Impulse für alle Arbeitsgruppen liefern.

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