Auf ein Wort

Christoph Winterhalter zu Qualität und Sicherheit in Digitalen Welten

Christoph Winterhalter
Christoph Winterhalter ist Vorsitzender des Vorstandes von DIN und Vizepräsident Politik der europäischen Normungsorganisation CEN.
© DIN

Künstliche Intelligenz, vernetzte Fahrzeuge oder Smart Homes: Die digitale Transformation bringt ganz besondere Herausforderungen bezüglich der Produktqualität und -sicherheit mit sich.

Mitte Januar veröffentlichte die Nachrichtenagentur Bloomberg ihren jährlichen „Innovations- Index“. Deutschland steht auf Platz eins. Wir sind in Deutschland und Europa unbestritten stark in traditionellen Industrien. Darauf dürfen wir stolz sein – uns aber keineswegs darauf ausruhen.

Die digitale Transformation verändert das Spielfeld, auf dem wir uns bewegen, rapide. Was zeichnet Europa aber eigentlich im internationalen Wettbewerb aus? Meiner Meinung nach ganz wesentlich das Thema Qualität. Und das besetzen wir schon sehr lange sehr erfolgreich. Wir sollten also genau diese Kernkompetenz ausbauen und auch auf die Digitalisierung ausrichten. Denn: Der Erfolg jeglicher Innovation steht und fällt mit dem entgegengebrachten Vertrauen, Vertrauen in ihre Qualität und Sicherheit. Und Innovationen im Bereich der Qualität und Sicherheit bringen uns nach vorne. Das war schon bei der Dampfmaschine so. Und wird auch beim autonomen Fahrzeug so bleiben.

Für beides gilt, dass Qualität und Sicherheit zu beweisen und auch nachweisbar sind. Genau dafür sorgt in Europa seit Jahrzehnten ein ausgeklügeltes System von Richtlinien, Institutionen und Prozessen. Und zwar so gut wie in kaum einer anderen Region auf der Welt. Das schafft Vertrauen. Wie selbstverständlich verlassen wir uns auf die Sicherheit unseres Staubsaugers oder unseres Autos. Unser Ziel muss es sein, dieses Vertrauen auch in einer digital vernetzen Welt zu sichern und uns dadurch vom Wettbewerb abzuheben. Wir arbeiten mit unseren Partnern intensiv daran. Denn: Durch den digitalen Wandel entstehen täglich neuartige Produkte, die andere Wege der Qualitätssicherung fordern. Wir müssen uns gezielt den Herausforderungen stellen, die sich durch das komplexe Zusammenspiel von Hard- und Software und dynamischen Produktzuständen ergeben, bspw. bei Lösungen rund um die Künstliche Intelligenz, vernetzte Fahrzeuge oder das Thema Smart Home. Ärzte nutzen heute schon KI-gestützte Verfahren zur Bildanalyse. Was sie und ihre Patienten wissen müssen: warum sie der KI vertrauen sollten. Mit entsprechenden Standards und Verfahren können Hersteller künftig die Qualität ihrer KI nachweisen. Einige Autos erhalten schon heute Software-Updates über das Internet. Über Nacht hat das Fahrzeug dann plötzlich mehr Leistung. Ist das Auto noch TÜV-konform? Entsprechende Prüfmodi sind bereits in Arbeit. Auch im heimischen Wohnzimmer des Smart Home ist noch so manches unklar. Der Bewohner steuert dort beispielsweise Heizung, Beleuchtung und Elektrogeräte über sein Smartphone. Wie wird sichergestellt, dass der Nutzer die Souveränität über seine Nutzungsdaten behält? Auch dafür wird es schon bald Lösungen geben.

Wenn wir uns den aktuellen Herausforderungen im Umfeld der Digitalisierung weiter stellen und in Deutschland und Europa Lösungen finden, die das Vertrauen in Innovationen steigern, haben wir einen echten Standortvorteil. Wir sind dafür prädestiniert, die bislang noch überwiegend linearen Ansätze in der Qualitätssicherung so zu gestalten, dass sie sich mit neuen Produkten und Services dynamisch weiterentwickeln – von der Entwicklung bis zum Recycling. Mit den fünf Pfeilern von Qualität und Qualitätssicherung haben wir in Deutschland bereits eine solide Basis: Wir können unser bewährtes System aus Messwesen (Metrologie), Normung und Standardisierung, Akkreditierung, Konformitätsbewertung und Marktüberwachung so weiterentwickeln, dass es auch den neuen Herausforderungen gerecht wird. So bleibt „Made in Germany“ auch in der digitalen Welt ein Qualitätsversprechen. Eine starke Qualitätsinfrastruktur (QI) bietet die Chance für uns, bei der Digitalisierung eine Spitzenposition einzunehmen. Dieser Herausforderung stellen wir uns. Mit vereinten Kräften aller europäischen Stakeholder.

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