Am Normenwerk mitbauen

Dr. Albert Dürr zeigt am Beispiel Wolff & Müller, wie DIN und Unternehmen von einer engen Zusammenarbeit profitieren.

Protrait von Dr. Dürr
Dr. Albert Dürr, DIN-Präsident und geschäftsführender Gesellschafter des Bauunternehmens Wolff & Müller
© DIN

„Stein auf Stein, das Häuschen wird bald fertig sein“ heißt es in einem alten Kinderlied. Spätestens in der Ausbildung oder im Studium lernen angehende Bauprofis dann, dass modernes Planen und Bauen nur mit einheitlichen Standards funktioniert. Für „Stein auf Stein“ gelten beispielsweise die DIN EN 413-1 zur  Zusammensetzung von Mörtel und die DIN 18330 zur Erstellung von Mauerwerk, um nur einige Normen zu nennen. Wenn man wie Wolff & Müller weniger Häuschen als vielmehr Büro- und Industriegebäude, Krankenhäuser, Kitas, Brücken und Straßen baut, werden die Regeln noch komplexer. Insgesamt entfallen rund 3.750 DIN-Normen auf unsere Branche, das Bauwesen. Hinzu kommen viele weitere Richtlinien – etwa von Fachverbänden wie VDE und VDI. Für unser Bauunternehmen, das bundesweit 27 Standorte hat und jährlich mehrere hundert Baustellen in ganz Deutschland verantwortet, ist der effektive, aber auch effiziente Umgang mit Normen eine tägliche Herausforderung. Deshalb ist es auch kein Zufall, dass gerade unser Unternehmen intensiv mit DIN zusammenarbeitet und dass ich mich persönlich als DIN-Präsident engagiere.

Austausch in Workshops

Dabei treiben uns folgende Fragen um: Wie machen wir Normen im Unternehmen verfügbar? Was passiert bei Änderungen? Wie verankern wir Normen in unseren Unternehmensstandards? Und wie bringen wir uns am besten in die Normung mit ein? Statt diese Fragen im stillen Kämmerlein für uns zu klären, haben wir den Austausch mit den DIN-Normungsprofis gesucht. Umgekehrt ist Wolff & Müller für DIN ein willkommener Testkunde, Kritiker und Ideengeber, um den Dialog mit Unternehmen und die Beratung auszubauen. Zwei Workshops haben unsere Prozessmanager inzwischen mit DIN veranstaltet. Im Strategie-Workshop haben wir besprochen, wie Wolff & Müller sich organisatorisch optimal für die Verarbeitung von Normen aufstellen muss. Im technischen Workshop ging es dann um die konkrete Umsetzung, etwa Anpassungen an der Normenmanagement-Software Perinorm, mit der wir arbeiten.

Kontinuierliches Normenmanagement

Aus den Workshops haben wir einige Impulse mitgenommen, allen voran die Erkenntnis, dass wir uns noch intensiver mit Normen auseinandersetzen müssen und unsere internen Abläufe dazu weiter verbessern können. Der Dreh- und Angelpunkt unseres Normenmanagements ist unser zentrales Design- und Engineering-Center. Die Kollegen dort behalten dank Perinorm-Datenbank den Überblick und übernehmen auch den sogenannten Änderungsdienst: Sie sorgen dafür, dass neue und novellierte Normen in unserer Planungs- und Baupraxis ankommen, zum Beispiel in der Ausschreibung von Bauleistungen an Baupartner. Damit solche Anpassungen uns möglichst wenig Zeit und Aufwand kosten, verankern wir sie systematisch in unseren Baustandards und Prozessen, etwa unseren Gewerkeleitfäden und Prüfplänen.

Digitalisierung mitgestalten

Wir haben uns entschlossen, an den Normen mitzuarbeiten, die für uns besonders relevant sind – zum Beispiel jene, die das digitale Planen und Bauen mit Building Information Modeling (BIM) betreffen. Um BIM zum Durchbruch zu verhelfen, müssen wir endlich die Standards schaffen, die in Deutschland bisher fehlen. Ich selbst leite den Präsidialausschuss Bauwerke, der die Normungsarbeit beim Planen und Bauen gremienübergreifend koordiniert und steuert. Dieser Ausschuss hat beispielsweise die „Deutsche Normungsroadmap Bauwerke“ auf den Weg gebracht. Sie enthält einige Konzepte, um die Akzeptanz von Normen zu verbessern, Bauwerke sicherer und das Bauen wirtschaftlicher zu machen. Durch den engen Austausch mit DIN sind wir in Sachen Normung immer auf dem neuesten Stand. Dieses Wissen kommt unseren Bauprojekten zugute und verschafft uns nicht zuletzt auch wirtschaftliche Vorteile.

Ihr Ansprechpartner

DIN e. V.

Andrea Schröder

Saatwinkler Damm 42/43
13627 Berlin

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