2020-12-11

Vertrauen in Künstliche Intelligenz durch Normen und Standards

Parlamentarische Frühstücksreihe „DINalog“

Virtueller DINalog zu KI am 10.12.2020

Welchen Beitrag können Normen und Standards bei der Lösung aktueller politischer Themen leisten? Wie sieht die Praxis der Experten in der Normung dazu aus? Und was für ein Standardisierungsbedarf ergibt sich daraus für die Zukunft? Im Rahmen des parlamentarischen Dialogformates „DINalog“ tauscht sich DIN zu diesen Fragestellungen regelmäßig mit Mitgliedern des Deutschen Bundestags und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus, auch um Anregungen aus der Politik in die Welt der Normung mitzunehmen.

Im Zentrum der zweiten Veranstaltung der Reihe, die am 10. Dezember pandemiebedingt virtuell stattfand, stand die Fragestellung „Wie schaffen wir Vertrauen in Künstliche Intelligenz (KI)?“. Andreas Steier (CDU), Bundestagsabgeordneter und Mitglied der Enquete-Kommission KI sowie der Steuerungsgruppe zur Normungsroadmap KI, erläuterte in seinem Eingangsstatement, warum KI, die dem Menschen dient, Normen und Standards braucht. Diese geben Entwicklern und Anwendern nicht nur eine einheitliche Sprache, sondern helfen auch dabei, Innovationen in marktfähige Produkte zu überführen und tragen zum Erhalt und Ausbau der internationalen Wettbewerbsfähigkeit bei. Mit der Veröffentlichung der Normungsroadmap KI seien nun erstmals Standardisierungslücken im Feld der KI aufgezeigt und konkrete Handlungsempfehlungen gegeben worden, deren Umsetzung sich positiv auf die Entwicklung des KI-Standortes Deutschland auswirken wird. Dabei sei es wichtig, europäische Wertmaßstäbe in die internationale Standardisierung einzubringen. „Vertrauen ist der Maßstab, mit dem wir punkten können“, so Steier.

Was das konkret in der Praxis bedeutet erläuterte Felix Faber, Gründer und CEO der MindPeak GmbH. Sein Unternehmen hat eine KI-gestützte Software entwickelt, die Pathologinnen und Pathologen bei der Krebsdiagnostik unterstützt. Normen und Standards helfen dem Startup dabei, sein Produkt am umkämpften Medizinproduktemarkt zu platzieren und geben den Patholgen als Anwendern die Sicherheit, dass bei der Entwicklung der auf Maschine Learning basierenden Lösung Qualitätsanforderungen berücksichtigt wurden. Mit Blick auf die Diskussion um eine Regulierung von KI-Anwendungen wirbt Faber um Besonnenheit: „Es braucht eine rationale Betrachtung von KI, die keine Panik vor der Technologie schürt.“

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass Normen und Standards die staatliche Regelsetzung bei der Schaffung von Rahmenbedingungen für die Entwicklung und den Einsatz von KI-Technologien unterstützen können: Während der Gesetzgeber sich auf die Festlegung grundlegender Anforderungen und Schutzziele beschränkt, konkretisiert die Normung und Standardisierung die technischen Details, die es Anwendern ermöglichen, die grundlegenden Anforderungen einzuhalten. Bei der Erstellung dieser Normen und Standards setzt DIN auf die breite Unterstützung aller interessierten Kreise. Dass die Bereitschaft zur Mitarbeit in der KI-Standardisierung groß ist, zeigt die breite Beteiligung im nationalen Spiegelgremium und an der Erarbeitung der Normungsroadmap, an der über 300 Expertinnen und Experten mitgewirkt haben, wie Filiz Elmas, Leiterin der Geschäftsfeldentwicklung Künstliche Intelligenz bei DIN, in ihrer Zusammenfassung hervorhob. „Die Normungsroadmap KI ist nur der Auftakt zu den anstehenden Arbeiten. Für die Umsetzung der Handlungsempfehlungen und Standardisierungsprojekte brauchen wir eine breite Unterstützung, auch seitens der Politik“, so Elmas.